Rückzug ausländischer Unternehmen aus Russland nimmt ab
Der Rückzug ausländischer Firmen aus Russland hat sich im vergangenen Jahr spürbar abgeschwächt. Laut einer Analyse des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) verließen seit Beginn des Ukraine-Kriegs insgesamt 547 Unternehmen das Land, wobei rund zwei Drittel bereits in den ersten beiden Jahren abwanderten. Dies wird teilweise auf verschärfte Investitionsregeln für Investoren aus sogenannten „unfreundlichen Ländern“ zurückgeführt.
So zogen 2022 und 2023 insgesamt 157 bzw. 191 Unternehmen aus Russland ab, während 2025 nur noch 80 Firmen den Markt verließen. Bis Ende 2025 werden schätzungsweise lediglich 13 Prozent der Firmen den russischen Markt vollständig verlassen haben. Ein weiterer Anteil von 32 Prozent hat zumindest ihr Engagement reduziert.
Die Rückzugsquoten sind dabei länderabhängig. Über 60 Prozent der US-amerikanischen und britischen Unternehmen haben Russland verlassen oder ihren Rückzug eingeleitet, während dieser Wert für italienische Unternehmen unter 30 Prozent liegt. Chinesische und indische Unternehmen zeigen eine besonders geringe Abwanderungsneigung. Bei österreichischen Firmen liegt die Quote bei etwa 20 Prozent, wobei dieselbe Anzahl ihr Engagement reduziert hat.
Ab 2024 wird der Ausstieg für ausländische Unternehmen stark erschwert. Der Verkauf von Vermögenswerten an Investoren wird mit einer Preisforderung von mindestens 60 Prozent unter Marktwert verbunden, ermittelt durch russische Gutachter. Zudem müssen bei Verkaufsbeträgen über 50 Milliarden Rubel (circa 570 Millionen Euro) Genehmigungen der russischen Behörden eingeholt werden, einschließlich der Zustimmung des Präsidenten Wladimir Putin.
Einordnung
Die Regelverschärfungen in Russland haben zu einer signifikanten Verzögerung beim Rückzug ausländischer Firmen geführt. Dies hat Risiken für die Unternehmen zur Folge, die möglicherweise ihr Kapital durch Verstaatlichung oder Beschlagnahmung gefährden. Gleichzeitig könnten Unternehmen, die bleiben, im Fall einer Aufhebung der Sanktionen Vorteile in einem potenziell wachsenden Markt haben.


