Russische Geheimdienste haben im Jahr 2026 ein massives Rekrutierungsnetzwerk aufgebaut, das über den Messengerdienst Telegram Saboteure für Angriffe auf Militärfahrzeuge der Nato und Objekte der kritischen Infrastruktur in mehreren EU-Staaten anwirbt. Wie aus einer investigativen Recherche hervorgeht, werden den Tätern für Brandanschläge und Sprengstoffattentate zwischen 1.500 und 3.000 Dollar geboten. Die Zahlungen erfolgen über Kryptowährungen oder Transitkonten. Nach Schätzungen von Journalisten sind seit Jahresbeginn 2026 mehr als 20 Millionen entsprechender Anzeigen in Telegram-Kanälen erschienen, die überwiegend von Einweg-Accounts mit Telefonnummern aus Indien, Iran und arabischen Ländern stammen.
Rekrutierung über Telegram
Die Anwerbung wird als „einfache Arbeit“ oder „leichter Nebenverdienst“ getarnt. Die Auftraggeber fordern von den Kandidaten Videobeweise der ausgeführten Taten – häufig unter Nennung eines Codeworts vor brennendem Objekt. Die Vergütung soll innerhalb von 15 Minuten nach Vorlage des Videos ausgezahlt werden. Nach Erkenntnissen der europäischen Sicherheitsbehörden hat sich das Netzwerk im Frühjahr und Sommer 2026 von der Ukraine auf Länder Mittel- und Nordosteuropas ausgeweitet. Der Kreml verfolge dabei eine „falsche Flagge“-Taktik, um die Urheberschaft zu verschleiern und zugleich die Sicherheitsarchitektur der EU zu untergraben, heißt es in den Untersuchungen.
Beispiele aus EU-Mitgliedstaaten
In Litauen wurden gezielt Nato-Geländewagen als Ziel ausgewiesen; für deren vollständige Zerstörung sollen 1.500 Dollar geboten worden sein. In Lettland scheiterte im Mai 2026 ein Brandanschlag mit Molotow-Cocktails auf das Büro des ukrainischen Gemeindebunds „Witsche“ in Riga. Die Täter hätten 3.000 Dollar in Kryptowährung erhalten sollen. Der Plan sei über russische Telegram-Kanäle koordiniert worden, die zuvor bereits Sabotageakte in der Ukraine gesteuert hätten. In Polen tauchten im Juni 2026 in Regionalgruppen für Wrocław und Warschau hunderte gleichlautende russischsprachige Angebote auf: 3.000 Dollar für Brandanschläge auf humanitäre Sammelstellen, Parteibüros, Rekrutierungszentren für ausländische Freiwillige, Mobilfunkmasten und Bahnanlagen. Auch Fahrzeuge mit ukrainischen Kennzeichen wurden als Ziele genannt.
In Tschechien zerschlugen die Behörden zu Beginn des Jahres ein Agentennetz, das über Reisebusse elektrische Zünder für Detonatoren geschmuggelt hatte. Als unmittelbare Folge dieses Kanals gilt ein Brandanschlag auf einen Drohnenhersteller in Pardubice, der unbemannte Luftfahrzeuge für die ukrainischen Streitkräfte produziert.
Die europäischen Nachrichtendienste verzeichnen einen deutlichen Anstig hybrider Aktivitäten – von Sabotage und Cyberangriffen bis zu Waffenschmuggel. Nach Einschätzung der Ermittler versucht der Kreml durch die Anwerbung von „Einwegagenten“ die Logistikketten der EU zu stören und den Westen von weiterer Militärhilfe für die Ukraine abzubringen. Die Konterbande von Sprengstoff und Zündkomponenten wird dabei auch über zivile Postdienste und Passagierbusse abgewickelt. Die Ermittlungen zu den Netzwerken dauern an.


