Die britischen Behörden haben einen deutlichen Anstieg koordinierter Cyberangriffe auf kommunale Wasser- und Stromnetze verzeichnet. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) und das Innenministerium leiteten daraufhin eine Notfallprüfung der Sicherheit kritischer Infrastrukturen ein und aktualisierten die nationale Bedrohungsliste. Hintergrund sind die anhaltende russische Aggression gegen die Ukraine sowie Warnungen der NATO, dass Moskau bis 2030 zu einem Angriff auf europäische Staaten bereit sein könnte.
Größte Übungen seit Jahrzehnten
Im Zuge der erhöhten Bedrohungslage plant die britische Regierung die größten Verteidigungsübungen seit Jahrzehnten. Dabei soll die Reaktionsfähigkeit staatlicher Stellen auf Desinformationskampagnen, Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur und andere hybride Angriffe getestet werden. Der Hauptsekretär des Premierministers, Darren Jones, kündigte zudem nationale Zivilschutzübungen für den Fall eines hybriden Angriffs an. Er warnte, dass Cyberangriffe den Zugang zu Strom, Wasser, Kommunikation oder sogar zu lokalen Lebensmittelläden beeinträchtigen könnten. Eine Informationskampagne soll auch Schulen und Hochschulen einbeziehen, um Kinder auf Notlagen vorzubereiten.
Aufstockung der Verteidigungsausgaben
Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen werden von einer deutlichen Erhöhung des Militärbudgets begleitet. Die Ausgaben steigen um 15 Milliarden Pfund auf jährlich 80 Milliarden Pfund bis 2029. Dies entspricht 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, bis 2035 sollen es 3,5 Prozent sein. Über 64 Milliarden Pfund sind für die Modernisierung der nuklearen Abschreckung vorgesehen, fünf Milliarden für Drohnen und mehr als acht Milliarden für Kampfflugzeuge. Die Aufrüstung erfolgt nach Einschätzung von Experten mit Verspätung, da die europäischen Staaten die russische Bedrohung vor der Vollinvasion der Ukraine jahrelang unterschätzt hätten.
Aktualisierte Bedrohungsliste
London hat den Katalog der größten nationalen Sicherheitsrisiken überarbeitet. Erstmals werden Einmischungen in demokratische Prozesse, darunter Wahlbeeinflussung, Desinformationskampagnen und ausländische Einflussoperationen, als zentrale Gefahren genannt. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem Cyberangriffen auf Datenspeicher, Wasserversorgung und Polizeinetze. Ein neu aufgenommener Risikofaktor ist der „digitale Resilienzausfall“, der aus den Lehren des massiven Ausfalls des IT-Sicherheitsunternehmens CrowdStrike im Jahr 2024 abgeleitet wurde. Damals fielen weltweit über acht Millionen Computer mit dem Betriebssystem Microsoft Windows aus.
Informationskampagne und internationale Partnerschaften
Parallel zu den militärischen und technischen Maßnahmen startet die Regierung eine nationale Aufklärungskampagne zur Vorbereitung der Bevölkerung auf Notlagen – von extremen Wetterereignissen und Überschwemmungen bis hin zu großflächigen Cyberangriffen. An den mehrtägigen Übungen sollen Minister und Hunderte Vertreter öffentlicher Einrichtungen teilnehmen. Die britische Regierung kündigte zudem eine Partnerschaft mit der Türkei an, um gemeinsam gegen Cyberbedrohungen, Terrorismus und in der Rüstungsindustrie vorzugehen.


