Russland greift Kiew mit 41 Raketen und 125 Drohnen an – eine Tote, 17 Verletzte

Juli 20, 2026 13:30
Russland greift Kiew mit 41 Raketen und 125 Drohnen an – eine Tote, 17 Verletzte
Russland greift Kiew mit 41 Raketen und 125 Drohnen an – eine Tote, 17 Verletzte

In der Nacht zum 19. Juli 2026 hat Russland einen der massivsten kombinierten Luftangriffe auf die Ukraine seit Kriegsbeginn geflogen. Schwerpunkt war die Hauptstadt Kiew, wo nach Angaben der Stadtverwaltung eine 89-jährige Frau ums Leben kam und 17 Menschen verletzt wurden, darunter zwei Kinder im Alter von zehn und elf Jahren. Die russischen Streitkräfte setzten insgesamt 41 Raketen und 125 Kampfdrohnen verschiedener Typen ein.

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe handelte es sich um eine komplexe Angriffswelle mit Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Drohnen. Zum Einsatz kamen unter anderem zehn Seezielflugkörper vom Typ 3M22 Zirkon, 25 ballistische Raketen Iskander-M, drei Seezielflugkörper Oniks, drei gelenkte Flugkörper Ch-59/69 sowie 125 Kampfdrohnen. Der Hauptschlag galt Kiew und der Region Kiew. Insgesamt wurden 23 Raketen und zehn Drohnen in der Stadt und Umgebung registriert, die Einschläge und Trümmer gab es auf mehr als 20 beziehungsweise 18 Lokalitäten.

Schäden in mehreren Stadtteilen

Die massiven Angriffe verursachten erhebliche Schäden an ziviler Infrastruktur und Wohngebäuden. Im Stadtteil Schewtschenko brach ein Brand in einem dreistöckigen Gebäude auf 400 Quadratmetern aus, mehr als zehn parkende Autos wurden zerstört oder beschädigt. In einem benachbarten 25-stöckigen Hochhaus wurden Fenster durch die Druckwelle zerstört. Zwei Bürogebäude der Steuerbehörde wurden getroffen – die Fassade der Hauptverwaltung der Staatlichen Steuerinspektion in Kiew wurde beschädigt, das Gebäude der Steuerinspektion des Rajons Schewtschenko brannte völlig aus. Die U-Bahn-Station Lukjaniwka verzeichnete starke Rauchentwicklung.

Im Stadtteil Solomjanka fing ein Bürogebäude Feuer, ein neunstöckiges Wohnhaus wurde beschädigt, die Feuerwehr löschte einen Brand auf 200 Quadratmetern und rettete einen Bewohner aus dem zweiten Stock. Trümmer beschädigten einen Supermarkt und angrenzende Nichtwohngebäude. Im Stadtteil Desna kam es zu Bränden in zwei Nichtwohngebäuden, Rauch stieg in der Nähe eines Einkaufszentrums auf. Im Dnipro-Bezirk brannte es auf einem Gelände mit Nichtwohnbebauung, und ein vierstöckiges Wohnheimgebäude geriet in Brand. Im Stadtteil Swjatoschyn brannte das Dach eines Privathauses, die Feuerwehr rettete vier Bewohner.

Folgen für die städtische Infrastruktur

Der Angriff führte zu großflächigen Störungen im öffentlichen Nahverkehr. Wegen erheblicher Schäden an Oberleitungen und Trümmern auf den Fahrbahnen mussten mehrere Trolleybus-, Bus- und Straßenbahnlinien umgeleitet oder vorübergehend eingestellt werden. Notfallteams der städtischen Verkehrsbetriebe und kommunale Dienste arbeiteten im Verstärkungsmodus. Fast 600 Rettungskräfte und 73 Fahrzeuge waren im Einsatz, um die Folgen zu bewältigen. Die Bergungsarbeiten in den betroffenen Stadtteilen dauerten den ganzen Tag an.

Die russischen Angriffe richteten sich nach ukrainischen Angaben bewusst gegen Logistikzentren, Lagerhäuser und kommerzielle Einrichtungen, um die Wirtschaft und die Versorgung der Hauptstadt zu treffen. Die gleichzeitige Annäherung vieler ballistischer Ziele wird als Versuch gewertet, die ukrainische Luftverteidigung zu überlasten und die begrenzten Abwehrsysteme zum schnellen Verbrauch von Abfangraketen zu zwingen. Der massive Einsatz ballistischer Raketen, die nur von modernsten Systemen abgefangen werden können, unterstreicht aus Sicht ukrainischer Stellen den dringenden Bedarf an zusätzlichen Flugabwehrsystemen und Abfangraketen.

Die anhaltenden Luftangriffe auf Kiew stehen im Widerspruch zu russischen Aussagen über eine angebliche Verhandlungsbereitschaft. Statt einer Feuerpause hat der Kreml die Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt weiter verstärkt. Die Verteidigung Kiews wird nicht nur als ukrainische, sondern auch als europäische Sicherheitsfrage betrachtet, da die eingesetzten Raketen und Angriffsmethoden auch für andere europäische Hauptstädte eine Bedrohung darstellen.

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