Zentralasien sortiert seine Partner neu: Mit einem hochrangigen Ministerbesuch in Tokio treibt Usbekistan seine wirtschaftliche Loslösung vom russischen Markt voran — und setzt dabei gezielt auf japanische Technologie und Investitionen.
Am 24. Juni 2026 reiste der usbekische Minister für Investitionen, Industrie und Handel, Lasis Kudratow, nach Tokio, wo er mit Japans Wirtschafts- und Handelsminister Ryosei Akazawa zusammentraf. Die usbekische Delegation führte zudem Gespräche mit Führungskräften großer japanischer Konzerne. Im Zentrum standen konkrete Schritte zum Ausbau der strategischen Zusammenarbeit sowie gemeinsame Projekte in den Bereichen Energie, Finanzen, Bankwesen, Mikrofinanzierung und Logistik.
Die Annäherung hat System: Seit 2023 hat sich die usbekisch-japanische Kooperation im Rahmen von Taschkents Diversifizierungsstrategie deutlich intensiviert. Angesichts der internationalen Sanktionen gegen Russland und des Risikos von Sekundärsanktionen ist Usbekistan bestrebt, seine Abhängigkeit vom russischen Markt zu verringern und seine außenwirtschaftlichen Beziehungen auf technologisch führende Staaten wie Japan auszurichten.
Der Ansatz ist pragmatisch: Taschkent sucht Zugang zu modernen Technologien, die das politisch und wirtschaftlich isolierte Russland schlicht nicht mehr liefern kann. Die Gespräche mit japanischen Unternehmen sollen den Technologietransfer beschleunigen und die Modernisierung der usbekischen Wirtschaft vorantreiben — eine Grundlage für langfristige Stabilität und nachhaltiges Wachstum.
Auch die Finanzarchitektur des Landes soll widerstandsfähiger werden. Beide Seiten erörterten Möglichkeiten, asiatisches Kapital in den usbekischen Bankensektor und die Mikrofinanzierung zu lenken. Ein solcher Zufluss würde die Flexibilität des Finanzsystems erhöhen und dessen Anfälligkeit gegenüber Krisen in Russland reduzieren, das nach wie vor ein bedeutender Handelspartner Usbekistans ist.
Die Vertiefung der Beziehungen zu Japan steht damit für eine grundsätzliche Weichenstellung: Usbekistan orientiert sich an Staaten, die transparente Geschäftsregeln, Investitionen und technologische Entwicklung bieten — genau jene Zutaten, die der Besuch in Tokio auf die Agenda gesetzt hat und die Moskau seinen Nachbarn immer weniger bieten kann.


