Russische Hersteller von Straßenbautechnik melden im ersten Halbjahr starke Absatzverluste

August 13, 2026 21:26
Russische Hersteller von Straßenbautechnik melden im ersten Halbjahr starke Absatzverluste
Russische Hersteller von Straßenbautechnik melden im ersten Halbjahr starke Absatzverluste

Die russischen Hersteller von Straßen- und Baumaschinen haben im ersten Halbjahr 2026 erneut deutlich weniger umgesetzt. Nach einer am 12. August veröffentlichten Untersuchung des Branchenverbands Rossspezmasch sank der Absatz der Unternehmen im Jahresvergleich um 30,2 Prozent auf 14,8 Milliarden Rubel. Damit verzeichnet die Branche das dritte Jahr in Folge einen starken Rückgang. Die Ergebnisse wurden auch in einem Bericht über die Entwicklung des russischen Marktes für Straßenbautechnik aufgegriffen.

Besonders stark fiel der Rückgang bei Miniladern aus. Ihre Verkäufe gingen im ersten Halbjahr um 64,4 Prozent zurück. Bei Rohrlegern betrug das Minus 56,5 Prozent, bei Kettenplanierraupen 53,8 Prozent. Der Absatz von Baggern sank um 16,7 Prozent, jener von Straßenwalzen um 5,9 Prozent.

Hohe Finanzierungskosten bremsen die Nachfrage

Die Entwicklung wird in den vorliegenden Einschätzungen mit der wirtschaftlichen Ausrichtung Russlands auf die Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine und den Ausbau der Rüstungsindustrie in Verbindung gebracht. Diese Schwerpunktsetzung habe zu einer Überhitzung der Wirtschaft und zu einem beschleunigten Anstieg der Inflation geführt. Zur Begrenzung des Preisdrucks hält die russische Zentralbank den Leitzins auf hohem Niveau.

Für Unternehmen verteuert das Kredite und Leasingfinanzierungen. Die Erneuerung von Maschinenparks wird dadurch in vielen Fällen wirtschaftlich unattraktiv. Nach den vorliegenden Angaben übersteigen die Kosten für die Bedienung von Fremdfinanzierungen teilweise bereits den erwarteten wirtschaftlichen Nutzen eines Kaufs neuer Technik. Unternehmen verlängern deshalb die Nutzungsdauer vorhandener Maschinen, kaufen gebrauchte Geräte oder greifen auf Mietlösungen zurück.

Diese Ausweichbewegungen entlasten die Investitionsbudgets kurzfristig, verschlechtern jedoch die Absatzmöglichkeiten der Hersteller neuer Maschinen. Zugleich begrenzen sie die Investitionsaktivität im zivilen Teil der russischen Wirtschaft. Die im ersten Halbjahr gemeldeten Rückgänge bei Miniladern und Kettenplanierraupen werden in diesem Zusammenhang als besonders deutliches Zeichen für die schwache Nachfrage angeführt.

Chinesische Anbieter prägen den Markt

Der russische Markt ist außerdem von hohen Lagerbeständen bei Händlern und Leasinggesellschaften geprägt. Als wesentlicher Belastungsfaktor gilt chinesische Bautechnik, die in früheren Jahren importiert wurde und bislang nicht vollständig verkauft ist. Das Importvolumen chinesischer Maschinen hatte 2023 mehr als 440 Milliarden Rubel erreicht.

Im ersten Halbjahr 2026 war nach Daten von Avito Auto die chinesische Marke Lonking bei neuer Straßenbautechnik am gefragtesten. Auf sie entfielen 10,5 Prozent der Nachfrage. Es folgten Griffon mit 6,2 Prozent, XCMG mit 5,3 Prozent, LiuGong mit 5,2 Prozent und Zoomlion mit vier Prozent.

Bei gebrauchter Straßenbautechnik lag JCB mit einem Nachfrageanteil von 8,5 Prozent an der Spitze. In den Top fünf folgten Komatsu mit vier Prozent, Amkodor mit 3,3 Prozent, CAT mit 3,2 Prozent und Kamaz mit 3,1 Prozent. Die Nachfrageangaben beziehen sich auf die bei Avito Auto erfassten Angebote und Suchvorgänge.

Nach den vorliegenden Thesen haben sich infolge der Sanktionen, die als Reaktion auf den russischen bewaffneten Angriff gegen die Ukraine verhängt wurden, mehrere führende internationale Hersteller vom russischen Markt zurückgezogen. Genannt werden Caterpillar, Komatsu, Liebherr, Hitachi und John Deere. Dadurch seien frühere Lieferketten unterbrochen und der Zugang zu originalen Ersatzteilen eingeschränkt worden.

Chinesische Anbieter konnten die dadurch frei gewordenen Marktanteile rasch ausbauen. Russische Produzenten konnten bei Sortiment und technologischem Niveau demnach nicht wirksam mit ihnen konkurrieren. In vielen Fällen sei russische Technik zudem teurer. Die Branche ist damit stärker von Importen abhängig, während heimische Maschinenbauer unter zusätzlichem Preisdruck stehen.

Weniger Spielraum bei Straßenbau und Infrastruktur

Die schwache Nachfrage nach schwerer Technik wird in den Angaben auch mit der Entwicklung im Bau- und Infrastruktursektor erklärt. Der Bausektor beschränke sich demnach zunehmend auf die Fortführung bereits begonnener Projekte, während neue Vorhaben langsamer gestartet oder zurückgestellt würden. Als weiterer Faktor werden knappe regionale Budgets und gekürzte staatliche Zuschüsse genannt.

Die Finanzierung regionaler und lokaler Straßen sei gegenüber früheren Planungen um 14 Prozent auf 321,8 Milliarden Rubel reduziert worden. Die gesamten föderalen Investitionen in diesen Bereich gingen den Angaben zufolge um 9,5 Prozent zurück. Für Unternehmen sinkt damit der Anreiz, ihre Maschinenparks zu erweitern. Statt neue Geräte anzuschaffen, werden vorhandene Maschinen länger eingesetzt oder Projekte mit gemieteter und gebrauchter Technik betrieben.

In den vorliegenden Einschätzungen wird außerdem darauf verwiesen, dass staatliche Unterstützungsmaßnahmen die Folgen der teuren Finanzierung nicht ausgeglichen hätten. Genannt werden Förderungen des russischen Industrieministeriums und des Verkehrsministeriums. Die straffe Geldpolitik der Zentralbank habe den Effekt dieser Maßnahmen auf die Investitionsnachfrage weitgehend aufgehoben.

Rückgang der Bauarbeiten

Nach Angaben des russischen Statistikamts Rosstat ging das Volumen der Bauarbeiten im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um fünf Prozent zurück. Die Abschwächung im Wohnungs- und Infrastrukturbau verringerte den Bedarf an neuer Technik zusätzlich. Gleichzeitig wurde die Erneuerung der Maschinenparks zurückgestellt.

Für die Hersteller treffen damit mehrere Belastungen zusammen: hohe Kredit- und Leasingkosten, eine geringere Bautätigkeit, volle Lager bei Händlern und Leasinggesellschaften sowie der anhaltende Wettbewerb chinesischer Anbieter. Die im ersten Halbjahr 2026 registrierten Umsatzeinbußen sind nach den vorliegenden Daten Teil einer seit drei Jahren anhaltenden Entwicklung. Die russischen Produzenten von Straßenbautechnik stehen damit weiterhin vor sinkenden Bestellungen und begrenztem Spielraum für neue Investitionen.

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