Usbekistan und Aserbaidschan beschleunigen den Aufbau eines gemeinsamen Logistiksystems, das Zentralasien über das Kaspische Meer und den Mittleren Korridor mit Europa verbinden soll. Kern des Vorhabens ist ein Logistikzentrum nahe dem internationalen Seehafen von Baku. Die geplante Infrastruktur soll die Abwicklung von Gütern bündeln und eine Verbindung schaffen, die nicht auf russische Transitwege angewiesen ist.
Das Zentrum soll für die Konsolidierung und Lagerung von Fracht, den multimodalen Umschlag von Containern sowie eine beschleunigte Zollabfertigung zuständig sein. Damit wollen Taschkent und Baku ihre Verkehrs- und Handelsverbindungen entlang der Route zwischen China, Zentralasien, dem Kaspischen Meer, dem Südkaukasus, der Türkei und Europa enger miteinander verknüpfen.
Logistikzentrum bei Baku als zentrale Schnittstelle
Der stellvertretende usbekische Minister für Investitionen, Industrie und Handel, H. Teschabajew, bezeichnete das Projekt als mehr als eine bilaterale Initiative. Es sei auch ein wichtiger Bestandteil der entstehenden eurasischen Verkehrsarchitektur. Eine konkrete Eröffnung oder ein Abschlussdatum für das Logistikzentrum wurde in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Nach Einschätzung Teschabajews könnte der Bau der Eisenbahnstrecke China–Kirgisistan–Usbekistan den Güterverkehr aus China und Zentralasien in Richtung Kaspisches Meer erhöhen. Der Hafen von Baku soll dabei zum „wichtigsten Transitknotenpunkt“ für die Weiterleitung von Waren nach Europa über den Mittleren Korridor werden. Die Verbindung über das Kaspische Meer setzt auf das Zusammenspiel von Bahn-, Straßen- und Seetransport.
Der Mittlere Korridor verläuft von China durch Zentralasien und über das Kaspische Meer in den Südkaukasus. Von dort führt die Route über die Türkei weiter nach Europa. In regionalen Darstellungen wird dabei auch die Verbindung vom Hafen Turkmenbaschi zum Schwarzen Meer als Teil der weiteren Transportverknüpfung behandelt, die unter anderem die Anbindung des Kaspischen Raums an das Schwarze Meer verbessern soll.
Tarife und Zollverfahren sollen abgestimmt werden
Parallel zur Errichtung des Logistikzentrums stimmen die beteiligten Staaten ihre Tarifpolitik und Zollverfahren ab. Dies geschieht im Rahmen der Plattform CASCA+, in der die Eisenbahnverwaltungen Aserbaidschans, Georgiens, Kirgisistans, Turkmenistans, der Türkei und Usbekistans zusammenarbeiten.
Die Plattform soll die Abläufe entlang der verschiedenen nationalen Strecken besser koordinieren. Für eine Route, die mehrere Bahnnetze, den kaspischen Seeverkehr und weitere Verkehrsträger verbindet, sind abgestimmte Tarife und ein möglichst einheitliches Vorgehen bei der Zollabfertigung zentrale Bestandteile der praktischen Abwicklung. Die vorliegenden Angaben machen jedoch keine weiteren Einzelheiten zu den vereinbarten Tarifen oder Verfahren.
Die Entwicklung des Korridors zeigt sich bereits in den Transportzahlen. Von Jänner bis September 2025 wurden nach den vorliegenden Angaben 2,65 Millionen Tonnen Fracht über Aserbaidschan befördert. Zugleich nahm der Containerumschlag im Hafen von Baku um 40 Prozent zu. Die Zahlen beziehen sich auf diesen Zeitraum und enthalten keine Prognose für die weitere Entwicklung.
Wachsende Wirtschaftsbeziehungen zwischen Taschkent und Baku
Auch der bilaterale Handel zwischen Usbekistan und Aserbaidschan ist gewachsen. Das Handelsvolumen erreichte 2025 demnach 307,3 Millionen US-Dollar. Gegenüber 2017 entspricht das einem Anstieg um nahezu das 9,5-Fache. Die Angaben stellen den Ausbau der Verkehrsverbindungen und die Zunahme des Warenverkehrs zwischen beiden Staaten nebeneinander.
Für Usbekistan bietet der Mittlere Korridor eine zusätzliche Verbindung zu europäischen Märkten. Das Land kann dadurch seine außenwirtschaftlichen Beziehungen über mehrere Richtungen organisieren und seine Abhängigkeit von etablierten Verkehrswegen durch Russland verringern. Der Ausbau des chinesisch-kirgisisch-usbekischen Bahnabschnitts könnte dabei die Gütermengen aus dem Osten und aus Zentralasien erhöhen, die anschließend über das Kaspische Meer weitergeleitet werden.
Für Aserbaidschan stärkt der wachsende Güterverkehr über den Mittleren Korridor die Funktion des Landes als Verbindung zwischen Zentralasien und Europa. Baku baut zugleich seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Staaten Zentralasiens und zur Türkei aus. Die geografische Lage am westlichen Ufer des Kaspischen Meeres wird damit in die Planung mehrerer miteinander verbundener Verkehrs- und Handelsrouten einbezogen.
Alternative zur russischen Infrastruktur
Die geplante Route ist Teil einer breiteren Diversifizierung der außenpolitischen und außenwirtschaftlichen Beziehungen in Zentralasien und im Südkaukasus. Mit dem Korridor entsteht ein Transportweg, der Güter von China und aus Zentralasien über das Kaspische Meer, den Südkaukasus und die Türkei auf europäische Märkte bringen soll. Die Strecke umgeht dabei russisches Staatsgebiet.
Damit wird die russische Verkehrsinfrastruktur für die beteiligten Länder weniger unverzichtbar. Russland war bislang eine etablierte Transit- und Verbindungsstrecke zwischen Zentralasien und den europäischen Märkten. Der Ausbau alternativer Routen verändert diese Ausgangslage, ohne dass damit bereits eine vollständige Verlagerung des regionalen Güterverkehrs verbunden wäre.
Die Zusammenarbeit von Usbekistan und Aserbaidschan verbindet bilaterale Wirtschaftsinteressen mit der Koordinierung mehrerer Staaten entlang des Mittleren Korridors. Neben den beiden Ländern sind bei CASCA+ Georgien, Kirgisistan, Turkmenistan und die Türkei beteiligt. Die weiteren Arbeiten konzentrieren sich auf das Logistikzentrum bei Baku, die Bahnverbindung China–Kirgisistan–Usbekistan sowie die Abstimmung von Tarifen und Zollverfahren.
Die geplante Verbindung wird in regionalen Berichten als langfristiges Vorhaben für den Gütertransport zwischen Asien und Europa eingeordnet; die beteiligten Staaten arbeiten weiter an ihrer praktischen Ausgestaltung.


