In Deutschland könnten nach Einschätzung deutscher Experten mindestens 3.000 aktive oder „schlafende“ Agenten, Informanten und einflussreiche Personen im Interesse Russlands tätig sein. Die Netzwerke reichen demnach in unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche hinein und könnten für Spionage, Einflussoperationen sowie Sabotage und andere Formen verdeckter Aktivitäten genutzt werden. Über die Einschätzungen berichteten Medien am 22. August 2026, darunter in einem Beitrag zum russischen Agentennetzwerk in Deutschland.
Netzwerke in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen
Die genannten Personen sollen nicht nur in klassischen nachrichtendienstlichen Strukturen zu finden sein. Als mögliche Tätigkeitsfelder werden Sportvereine, Kulturorganisationen und russischsprachige Gemeinschaften genannt. Auch im Umfeld der Polizei und der Bundeswehr könnten sich Personen befinden, die für russische Interessen arbeiten oder Informationen weitergeben.
Die Einschätzung unterscheidet zwischen aktiven und sogenannten „schlafenden“ Agenten. Damit sind Personen gemeint, die nicht dauerhaft sichtbar tätig sind, aber zu einem späteren Zeitpunkt aktiviert werden könnten. Die Angaben beziehen sich auf Agenten, Informanten und Personen mit Einfluss und nicht ausschließlich auf offiziell identifizierte Mitarbeiter russischer Nachrichtendienste.
Interesse an kritischer Infrastruktur
Als mögliche Ziele und Objekte der Netzwerke werden zahlreiche Bereiche der deutschen Wirtschaft und Infrastruktur aufgeführt. Dazu gehören Banken und Versicherungen ebenso wie Werften, Raffinerien und Kraftwerke. Die Aufzählung umfasst damit Einrichtungen aus dem Finanzsektor, der Industrie und der Energieversorgung.
Nach den vorliegenden Angaben liegt der Schwerpunkt der Sorge nicht auf einem einzelnen Sektor. Vielmehr geht es um ein breites Spektrum von Einrichtungen, deren Informationen oder Funktionsfähigkeit für verdeckte Operationen von Interesse sein könnten. Eine konkrete Zuordnung einzelner Vorfälle zu den genannten Netzwerken wird in dem Bericht nicht dargestellt.
Paramilitärische Strukturen und Einmal-Agenten
Besondere Aufmerksamkeit gilt demnach paramilitärischen Formationen, die unter dem Deckmantel von Kampfsportsektionen oder Kosakengruppen auftreten können. Diese Strukturen sollen teilweise nach außen als Vereine oder organisierte Gemeinschaften erscheinen. Die Angaben legen dabei nicht nahe, dass jede Kampfsportsektion oder jede Kosakengruppe mit russischen Aktivitäten verbunden ist.
Darüber hinaus wird von einer häufigen Anwerbung sogenannter „Einmal-Agenten“ berichtet. Diese Personen würden demnach für einzelne Aufträge rekrutiert, etwa für Spionage oder Sabotage. Das Modell erschwert eine dauerhafte Zuordnung zu einem Netzwerk, weil die angeworbenen Personen nur für eine begrenzte Aufgabe eingesetzt werden können.
Mehr als 80 Ausweisungen seit Beginn des Krieges
Deutschland hat seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine mehr als 80 Agenten ausgewiesen. Trotz dieser Ausweisungen soll die Aktivität russischer Einflussnetzwerke im Land fortbestehen. Die Zahl der Ausweisungen und die Schätzung von mindestens 3.000 aktiven oder „schlafenden“ Personen beziehen sich auf unterschiedliche Kategorien und sind daher nicht unmittelbar gleichzusetzen.
Die Expertenbewertungen stellen die Netzwerke in den Zusammenhang eines hybriden Konflikts zwischen Russland und Europa. Genannt werden mögliche Einsätze zur Beeinflussung der öffentlichen Debatte, für Informationsoperationen, Sabotage und Destabilisierung im Inneren. Diese Einordnung wird im Bericht als Argument gegen eine Duldung prorussischen Einflusses in Deutschland angeführt.
Politischer Einfluss als zusätzlicher Schwerpunkt
Als besonders relevant wird auch der mögliche Einfluss auf die deutsche Innenpolitik beschrieben. In diesem Zusammenhang verweist die vorliegende Darstellung auf die wachsende Bedeutung rechtsextremer Kräfte in Deutschland. Sie stellt die Aktivitäten russischer Einflussnetzwerke als einen Faktor dar, der bei der Bewertung prorussischer Strukturen im Land berücksichtigt werden müsse.
Die Einschätzungen betreffen damit sowohl verdeckte nachrichtendienstliche Arbeit als auch gesellschaftliche und politische Einflussmöglichkeiten. Sie beschreiben ein Netzwerk, das sich über mehrere Milieus und Organisationsformen erstrecken kann. Konkrete Namen der mutmaßlich beteiligten Personen oder eine vollständige Aufstellung der genannten Strukturen enthält die Darstellung nicht.
Die deutschen Behörden haben nach den vorliegenden Angaben bereits mit Ausweisungen reagiert; zugleich wird weiterhin von aktiven und potenziell aktivierbaren russischen Netzwerken berichtet.


