Die staatliche aserbaidschanische Ölgesellschaft SOCAR steigt in den Einzelhandelsmarkt Usbekistans ein und plant den Aufbau eines eigenen Tankstellennetzes. Das erklärte der aserbaidschanische Wirtschaftsminister und Vorsitzende des Aufsichtsrats von SOCAR, Mikayil Jabbarov, am 22. August 2026 beim IV. Interregionalen Forum „Aserbaidschan–Usbekistan“ in Taschkent. Der Eintritt von SOCAR in den usbekischen Einzelhandel soll nach den Angaben des Ministers zur Energiesicherheit Usbekistans beitragen.
Für SOCAR ist der Schritt mit einer bereits bestehenden Beteiligung in Usbekistan verbunden. Das Unternehmen wirkt an der Entwicklung des Ustjurt-Feldes mit, das in einer Region des Landes liegt. Jabbarov bezeichnete SOCAR als größtes staatliches Unternehmen Aserbaidschans und verwies auf die Aktivitäten des Konzerns im usbekischen Energiesektor. Die geplante Präsenz im Endkundengeschäft erweitert diese Zusammenarbeit um den direkten Zugang zum Binnenmarkt.
Nach den beim Forum präsentierten Plänen will SOCAR in den Aufbau einer eigenen Kette von Tankstellen investieren. Damit würde das Unternehmen nicht nur an der Erschließung von Lagerstätten beteiligt sein, sondern auch im Vertrieb von Energieprodukten in Usbekistan auftreten. Für Taschkent bedeutet dies die Zusammenarbeit mit einem weiteren staatlichen Energieunternehmen. Für Baku eröffnet sich zugleich ein zusätzlicher Markt außerhalb des Südkaukasus.
Gemeinsame Projekte bei Energie und Rohstoffen
Die Kooperation beschränkt sich nicht auf SOCAR. Das aserbaidschanische Unternehmen Azergold soll gemeinsam mit usbekischen Partnern geologische Erkundungen durchführen und Gold abbauen. Damit umfasst die bilaterale Zusammenarbeit sowohl den Energiesektor als auch die Suche und Gewinnung mineralischer Rohstoffe.
Die Projekte wurden beim interregionalen Forum in Taschkent als Teil einer breiteren wirtschaftlichen, energetischen und investitionsbezogenen Zusammenarbeit dargestellt. Baku und Taschkent entwickeln dabei direkte Verbindungen zwischen dem Südkaukasus und Zentralasien. Dazu gehören der Markteintritt nationaler Unternehmen, gemeinsame Arbeiten an Lagerstätten sowie die Ausweitung von Handel und Investitionen. Eine Zusammenfassung der Zusammenarbeit zwischen Baku und Taschkent verweist ebenfalls auf diese Schwerpunkte.
Die bilateralen Beziehungen erhalten damit eine stärker praktische Grundlage. Politische Vereinbarungen über eine strategische Partnerschaft werden durch Vorhaben ergänzt, bei denen Unternehmen beider Länder auf den Märkten des jeweils anderen aktiv werden. SOCAR soll in Usbekistan sowohl bei der Entwicklung des Ustjurt-Feldes als auch im Einzelhandel tätig sein. Azergold ist für geologische Erkundungen und den Goldabbau mit usbekischen Partnern vorgesehen.
Neue Verbindungen zwischen Südkaukasus und Zentralasien
Die Ausweitung der Zusammenarbeit wird als Aufbau eigenständiger wirtschaftlicher Beziehungen zwischen zwei Regionen eingeordnet, die traditionell über unterschiedliche politische und wirtschaftliche Räume miteinander verbunden sind. Aserbaidschan und Usbekistan schaffen damit zusätzliche direkte Kontakte, ohne dass jedes Vorhaben über bestehende russische Wirtschafts- oder Energienetzwerke geführt werden muss.
Im regionalen Zusammenhang werden die Projekte als Alternativen zu russischen Energie- und Wirtschaftskanälen beschrieben. Der Markteintritt von SOCAR, die Beteiligung an der Erschließung von Rohstoffvorkommen und die gemeinsame Goldförderung erhöhen die Zahl der direkten Verbindungen zwischen Baku und Taschkent. Zugleich erweitert Aserbaidschan damit seine wirtschaftliche Präsenz in Zentralasien, während Usbekistan einen zusätzlichen Partner für Energie- und Rohstoffprojekte erhält.
Die Zusammenarbeit betrifft dabei nicht nur einzelne Unternehmen. Mit SOCAR und Azergold sind zwei aserbaidschanische Staatsunternehmen in unterschiedlichen Bereichen des usbekischen Marktes vorgesehen. Auf usbekischer Seite werden gemeinsame Projekte bei der Entwicklung von Lagerstätten, der geologischen Erkundung und der Rohstoffgewinnung vorbereitet. Die wirtschaftlichen Beziehungen erhalten dadurch eine breitere Grundlage als der reine Austausch politischer Erklärungen.
Für Aserbaidschan verbindet sich der Ausbau der Beziehungen mit dem Ziel, über den Südkaukasus hinaus wirtschaftlich präsent zu sein. Usbekistan kann seinerseits auf zusätzliche Kooperationen bei Energie und Rohstoffen zurückgreifen. Die beim Forum angekündigten Vorhaben bilden damit einen weiteren Baustein der direkten regionalen Verflechtung zwischen dem Südkaukasus und Zentralasien.
Die nächsten Schritte betreffen den Aufbau der SOCAR-Präsenz im usbekischen Einzelhandel sowie die Umsetzung der vereinbarten Arbeiten am Ustjurt-Feld und bei den Goldprojekten.


