Georgien und Usbekistan stärken Handelswege über den Mittleren Korridor

August 25, 2026 15:50
Georgien und Usbekistan stärken Handelswege über den Mittleren Korridor
Georgien und Usbekistan stärken Handelswege über den Mittleren Korridor

Georgien und Usbekistan wollen ihre Handelsbeziehungen durch eine stärkere Beteiligung am Transkaspischen Internationalen Transportkorridor, dem sogenannten Mittleren Korridor, ausbauen. Die Route verbindet Zentralasien über das Kaspische Meer, den Südkaukasus und das Schwarze Meer mit Europa. Für beide Staaten soll sie zusätzliche Transportmöglichkeiten schaffen und die Abhängigkeit von russisch geprägten Verkehrswegen verringern.

Über die Pläne wurde am 24. August 2026 berichtet. Im Mittelpunkt steht die engere Verbindung zwischen den Häfen am Kaspischen Meer, den Verkehrsachsen durch Usbekistan und Kasachstan sowie den georgischen Schwarzmeerhäfen Poti und Batumi. Von dort aus können Güter weiter in Richtung Türkei und Europäische Union transportiert werden. Die Entwicklung ist Teil einer stärkeren wirtschaftlichen Annäherung zwischen Tiflis und Taschkent.

Georgien richtet den Blick stärker nach Zentralasien

Georgien hat im vergangenen Jahr seine wirtschafts- und außenpolitischen Verbindungen nach Zentralasien deutlich ausgebaut. Tiflis etablierte strategische Partnerschaften mit Usbekistan und Kasachstan und verknüpft diese Zusammenarbeit mit langfristigen Vorhaben für Handel, Logistik und Transitverkehr. Die zentralasiatische Region soll dabei eine größere Rolle in der Planung georgischer Verkehrs- und Handelsbeziehungen spielen.

Für Georgien eröffnet der Mittlere Korridor zugleich neue Möglichkeiten in Richtung der Märkte Zentral-, Süd- und Ostasiens. Die Route führt über das Gebiet Usbekistans und weiterer angrenzender Staaten in den Südkaukasus. Zusätzliche Transitströme aus Zentralasien, der Türkei und Europa könnten dadurch über georgisches Gebiet und die Schwarzmeerhäfen geleitet werden.

Usbekistan verfolgt seinerseits eine stärkere Ausrichtung nach Westen. Die Regierung in Taschkent will dadurch die Risiken einer übermäßigen Abhängigkeit von Russland begrenzen und den eigenen außenwirtschaftlichen Handlungsspielraum erweitern. Russland wird von Georgien und Usbekistan damit nicht mehr als einziger Zugang zu internationalen Märkten und Verkehrsverbindungen betrachtet.

Alternative Verbindung zum EU-Markt

Für Usbekistan ist die Verbindung über den Mittleren Korridor vor allem wegen des Zugangs zum Schwarzen Meer von Bedeutung. Der Transportweg über die georgischen Häfen Poti und Batumi bietet dem Land eine alternative Verbindung zum Markt der Europäischen Union. Die EU ist nach den vorliegenden Angaben der drittgrößte Handelspartner Usbekistans.

Nach Berechnungen der Weltbank könnte das Transportvolumen auf dem Mittleren Korridor bis 2030 auf 11 Millionen Tonnen steigen. Davon sollen 4,4 Millionen Tonnen auf Transitverkehre entfallen. In dieser Zahl enthalten sind 1,3 Millionen Tonnen Güter, die aus Usbekistan über das Kaspische Meer nach Europa transportiert werden könnten.

Die Angaben beschreiben eine mögliche Entwicklung des Korridors und keine bereits erreichten Transportmengen. Entscheidend für die tatsächliche Nutzung sind die Verbindungen zwischen den einzelnen Staaten, die Leistungsfähigkeit der Häfen und die Abstimmung der beteiligten Eisenbahn- und Logistikunternehmen. Im Mittelpunkt der Vereinbarungen zwischen Georgien und Usbekistan steht daher der Ausbau einer durchgehenden Transportkette.

Geplante Korridore über Zentralasien

Tiflis und Taschkent prüfen darüber hinaus den Aufbau interkontinentaler Logistikketten. Eine der vorgesehenen Routen soll von China über Kirgisistan, Usbekistan, Turkmenistan, Aserbaidschan und Georgien in die Türkei beziehungsweise in die Europäische Union führen. Eine weitere Verbindung ist von Indien über Pakistan, Afghanistan, Usbekistan, Kasachstan, Aserbaidschan und Georgien in Richtung EU vorgesehen.

Beide Projekte sollen mit der Eisenbahnstrecke China–Kirgisistan–Usbekistan und dem transafghanischen, auch Kabuler Korridor genannten Eisenbahnprojekt verbunden werden. Diese Strecken gelten in den vorliegenden Planungen als wichtige Bausteine für die weitere Entwicklung des Mittleren Korridors. Sie könnten unterschiedliche Verkehrsachsen zwischen China, Südasien, Zentralasien, dem Südkaukasus, der Türkei und Europa miteinander verknüpfen.

Die geplanten Routen befinden sich nicht in einem einheitlichen Umsetzungsstand. Im Ausgangsmaterial werden sie als Logistikketten und Entwicklungsperspektiven beschrieben. Ihr gemeinsamer Zweck besteht darin, zusätzliche Transitmöglichkeiten zwischen Asien und Europa zu schaffen und die Zahl der verfügbaren Verkehrswege für die beteiligten Staaten zu erhöhen.

Weniger Abhängigkeit von russischen Verkehrswegen

Die stärkere Zusammenarbeit Georgiens und Usbekistans wird auch im Zusammenhang mit der bisherigen Bedeutung russischer Transportachsen gesehen. Beide Staaten wollen ihre Handels- und Transitverbindungen breiter aufstellen. Der Mittlere Korridor führt nicht über russisches Staatsgebiet und bietet damit eine alternative Route zwischen Zentralasien und Europa.

Für Georgien betrifft das sowohl die Rolle des Landes als Transitstandort als auch die Verbindung zu zentralasiatischen Märkten. Für Usbekistan geht es um den Zugang zu Seehäfen und um zusätzliche Wege zu europäischen Abnehmern. Die georgischen Häfen Poti und Batumi bilden dabei die westliche Schnittstelle der in den Planungen beschriebenen Verbindung über das Kaspische Meer.

Die Zusammenarbeit zwischen Tiflis und Taschkent wird durch die parallele Einbindung Kasachstans und weiterer Staaten ergänzt. Damit entsteht ein Netz von Verkehrsbeziehungen, das nicht auf eine einzelne Route beschränkt ist. Die weitere Entwicklung des Mittleren Korridors bleibt an den Ausbau der Infrastruktur und die Koordination der beteiligten Länder gebunden. Die geplante Zusammenarbeit zwischen Georgien und Usbekistan soll in diesem Rahmen weiter konkretisiert werden.

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