Die Passagierfähre Filo Jet ist kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen von Kirenia vor der Küste Nordzyperns gekentert und vollständig gesunken. An Bord befanden sich 267 Menschen, darunter 259 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. Nach den bisher vorliegenden Angaben kamen acht Menschen ums Leben, 18 weitere werden vermisst. 241 Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Die Suche nach den Vermissten läuft weiter.
Wasser drang kurz nach der Abfahrt ein
Der Katamaran war von Kirenia in Richtung des türkischen Hafens Tasucu unterwegs. Der Zwischenfall ereignete sich nach vorläufigen Informationen etwa 15 Minuten nach dem Beginn der Fahrt. Zu diesem Zeitpunkt begann das Schiff, Wasser aufzunehmen.
Überlebende berichteten von ungewöhnlichen Bewegungen des Fährschiffs. Der Katamaran sei stark auf den Wellen aufgestiegen und anschließend hart auf die Wasseroberfläche aufgeschlagen. Nach einer bisher nicht bestätigten Version könnte dabei der Bug beschädigt worden sein. Durch die Beschädigung sei Wasser in das Schiff eingedrungen. Das Filo Jet verlor daraufhin seine Stabilität und kenterte.
Die genaue Ursache des Unglücks ist weiterhin offen. Die Angaben der Überlebenden sowie die technischen und nautischen Umstände werden im Rahmen der Ermittlungen geprüft.
Passagiere gerieten ins Wasser
Nach dem Kentern befanden sich Menschen im Wasser und auf dem umgedrehten Schiffsrumpf. Viele Passagiere trugen Rettungswesten. Die Küstenwache entsandte Rettungsschiffe und Hubschrauber zum Unglücksort. Auch zivile Schiffe in der Nähe beteiligten sich an der Rettung.
Den Einsatzkräften gelang es, Hunderte Menschen aus dem Wasser zu holen und an Land zu bringen. Ein Teil der Geretteten wurde in Krankenhäuser in Kirenia und Nikosia gebracht. Unter den Überlebenden waren auch Kinder. Für einige von ihnen war eine intensive medizinische Behandlung erforderlich.
Schiff sank in großer Tiefe
Trotz der Versuche, das Schiff zu stabilisieren, sank die Filo Jet vollständig. Nach Angaben der Behörden liegt die Untergangsstelle einige Kilometer vor der Küste. Die Wassertiefe beträgt dort rund 514 Meter.
Die große Tiefe erschwert die Suche nach den noch vermissten Menschen. Im Mittelpunkt des laufenden Einsatzes steht daher die Suche im Seegebiet sowie die Unterstützung der Geretteten. Beteiligt sind Schiffe der Küstenwache, militärische Kräfte und die Luftfahrt.
Ermittlungen gegen Kapitän und Besatzung
Nach dem Unglück leiteten die Behörden eine Untersuchung ein. Der Kapitän der Filo Jet und die sieben weiteren Besatzungsmitglieder wurden zur Klärung der Umstände festgenommen. Die Ermittler wollen unter anderem feststellen, warum das Schiff Wasser aufnahm, wie schnell die Besatzung auf den Notfall reagierte und ob die geltenden Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden.
Geprüft werden auch die Schilderungen der Überlebenden zum Verhalten der Besatzung. Einige Passagiere erklärten, die Evakuierung sei chaotisch verlaufen. Zudem wurde behauptet, der Kapitän habe das Schiff als einer der Ersten verlassen. Diese Angaben sind bislang nicht abschließend bestätigt und sind Teil der laufenden Untersuchung.
Wetterlage wird ebenfalls geprüft
Am Tag vor dem Unglück hatten in der Region um Zypern schwierige Wetterbedingungen und ein starker Sturm geherrscht. Zum Zeitpunkt der Überfahrt galten die Bedingungen jedoch nicht als derart extrem, dass sie das Unglück eindeutig erklären würden. Ob das Wetter eine Rolle spielte, soll daher ebenfalls im Zuge der Ermittlungen geklärt werden.
Die Tragödie löste in Zypern und der Türkei große Aufmerksamkeit aus. Die Behörden kündigten an, die Umstände des Untergangs vollständig zu untersuchen und mögliche Verstöße beim Betrieb des Schiffes oder bei der Organisation der Überfahrt zu prüfen. Derzeit konzentrieren sich die Rettungskräfte auf die Suche nach den 18 weiterhin vermissten Personen.


