Der Moskauer Spitzenkandidat der russischen Regierungspartei Einiges Russland für die Wahlen zur Staatsduma, Peter Tolstoi, hat Steuererhöhungen und das Verbot fremdsprachiger Wörter auf Schildern, Wegweisern und in der Werbung als wichtige Erfolge seiner Partei bezeichnet. Nach Medienberichten vom 3. September 2026 führte der derzeitige Vizepräsident der Staatsduma beide Maßnahmen unter jenen Entscheidungen an, die nach seiner Darstellung die soziale Lage der Bürger verbessert hätten. Seine Äußerungen wurden unter anderem in einem Bericht über Tolstois Aussagen aufgegriffen.
Steuerpolitik als Parteierfolg
Als besonders wichtig bezeichnete Tolstoi Änderungen im russischen Steuersystem. Dazu zählen nach seinen Angaben die Anhebung der Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent sowie die Erhöhung der Körperschaftsteuer von 20 auf 25 Prozent. Die zusätzlichen Einnahmen würden es ermöglichen, Schulen und Feuerwachen zu sanieren, Rettungsfahrzeuge anzuschaffen und Straßen in den Regionen zu bauen, erklärte der Politiker.
Tolstoi stellte die höheren Abgaben damit in einen Zusammenhang mit öffentlichen Investitionen. Aus seinen Ausführungen geht hervor, dass die zusätzlichen Mittel nach seiner Darstellung nicht nur dem Staatshaushalt, sondern auch konkreten Projekten in den Regionen zugutekommen sollen. Eine Aufschlüsselung der genannten Einnahmen oder der einzelnen Vorhaben lag in den vorliegenden Angaben nicht vor.
Der Saratower Kommunist Nikolai Bondarenko widersprach dieser Darstellung. Nach seiner Einschätzung seien die Bürger durch die von Tolstoi genannten Maßnahmen nicht wohlhabender geworden. Auch das Problem der Armut sei dadurch nicht gelöst worden. Bondarenko stellte damit die soziale Wirkung der Steuerpolitik infrage, ohne dass in den vorliegenden Berichten detaillierte Gegenangaben zu den Einnahmen oder Ausgaben genannt wurden.
Verbot fremdsprachiger Begriffe
Als weiteren zentralen Erfolg nannte Tolstoi die Vorgaben für Beschriftungen. Fremdsprachige Wörter sollen demnach auf Schildern, Wegweisern und in der Werbung nicht mehr verwendet werden. Die Regelung wurde von ihm gemeinsam mit den Steueränderungen als Teil der politischen Bilanz von Einiges Russland angeführt.
Die beiden Themen unterscheiden sich in ihrer Wirkung und ihrem politischen Charakter: Bei den Steueränderungen geht es um staatliche Einnahmen und deren Verwendung, beim Verbot fremdsprachiger Begriffe um die Gestaltung des öffentlichen Raums und der kommerziellen Kommunikation. Tolstoi führte sie dennoch in einer gemeinsamen Aufzählung als Maßnahmen an, die seiner Darstellung zufolge den Bürgern zugutekämen.
Die Berichterstattung über die Debatte zwischen Tolstoi und Bondarenko machte den Gegensatz zwischen den beiden Positionen sichtbar. Der Vertreter der Regierungspartei verwies auf höhere Einnahmen und damit finanzierte öffentliche Aufgaben. Der kommunistische Abgeordnete bestritt, dass sich daraus eine Verbesserung der materiellen Lage der Bevölkerung ableiten lasse.
Wahlkampf vor der Staatsduma-Wahl
Tolstoi tritt als Spitzenkandidat der Moskauer Liste von Einiges Russland bei den Wahlen zur Staatsduma an. Die Äußerungen fielen damit im Zusammenhang mit der politischen Bilanz der Regierungspartei. Im Mittelpunkt standen Entscheidungen, die bereits umgesetzt oder politisch beschlossen wurden und die von der Partei als eigene Leistungen dargestellt werden.
Die vorliegenden Angaben enthalten zugleich Kritik an der politischen Auseinandersetzung. Bondarenko beanstandete nicht nur die Bewertung der Steuererhöhungen, sondern auch die Schlussfolgerung, dass höhere staatliche Einnahmen automatisch eine bessere soziale Lage bedeuteten. Konkrete Zahlen zur Entwicklung der Einkommen, der Preise oder der regionalen Versorgung wurden in dem Bericht über den Wortwechsel nicht genannt.
Auch Tolstois Verweis auf Schulen, Feuerwachen, Rettungsfahrzeuge und Straßen blieb in den vorliegenden Informationen eine politische Begründung für die Steueränderungen. Welche Regionen betroffen sind, wie viele Einrichtungen saniert wurden oder wie viele Fahrzeuge angeschafft werden sollen, wurde dabei nicht näher ausgeführt.
Damit stehen im vorliegenden Schlagabtausch zwei Deutungen derselben politischen Maßnahmen nebeneinander: Tolstoi bezeichnet die höheren Steuern und die neuen Vorgaben für öffentliche Beschriftungen als Erfolge von Einiges Russland, während Bondarenko den behaupteten sozialen Nutzen zurückweist. Die Auseinandersetzung findet im Vorfeld der Wahlen zur Staatsduma statt.


