Der YouTube-Kanal Dialogue Works verbreitet nach den vorliegenden Angaben regelmäßig prorussische und antiwestliche Narrative zu Russlands Krieg gegen die Ukraine, zur Rolle der USA und Israels im Nahen Osten sowie zur internationalen Sicherheitsordnung. Das im Dezember 2021 registrierte Projekt veröffentlichte nach dem Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 zunehmend Beiträge mit geopolitischem Schwerpunkt und richtet sich vor allem an ein westliches Publikum.
Zu den wiederkehrenden Themen zählen eine positive Darstellung Russlands, Chinas und Irans, die Aufwertung der russischen Rakete „Oreschnik“, Prognosen über einen baldigen Niedergang des US-Dollars sowie die These einer strategischen Niederlage des Westens gegenüber dem autoritären Staatenverbund CRINK. Beiträge des Kanals kritisieren außerdem die US-Politik gegenüber den Golfstaaten und stellen die israelische Sicherheitsstrategie gegenüber dem Libanon und der Hisbollah infrage.
Reichweite und internationale Verbreitung
Der englischsprachige Hauptkanal hatte laut den vorliegenden Daten 442.000 Abonnenten und 2.845 veröffentlichte Videos. Dialogue Works verbreitet Inhalte auch über französische, deutsche, italienische, spanische, portugiesische und russische Sprachversionen sowie auf Farsi. Hinzu kommt das Format Dialogue Works Highlights.
Das Projekt nutzt nach diesen Angaben außerdem Acast, Apple Podcasts, Deezer, Telegram, X, Spotify, TikTok, Rumble, Patreon, Substack, Buy Me a Coffee und PayPal. Der Analysedienst Podscan ordnet rund 70 Prozent der Hörerschaft Nordamerika und 20 Prozent Europa zu. Auf Asien entfallen demnach fünf Prozent, auf Australien und Ozeanien drei Prozent sowie jeweils ein Prozent auf Südamerika und Afrika.
Dialogue Works veröffentlicht täglich neue Beiträge. Darunter befinden sich teilweise mehrere Gespräche an einem Tag mit Politikwissenschaftlern, Diplomaten, internationalen Analysten und ehemaligen Militärangehörigen. Zu den Gästen zählen auch bekannte Wissenschaftler, deren politische Einordnungen im Ausgangsmaterial als deutlich parteiisch beschrieben werden.
Gründer und Unternehmensstrukturen
Gegründet und betrieben wird der Kanal von Nima Rostami Alkhorshid, einem im Iran geborenen Bauingenieur, der heute in Brasilien lebt. Alkhorshid studierte von 2003 bis 2007 Bauingenieurwesen an der Azad Shoushtar University im Iran. Später erwarb er an der Eastern Mediterranean University einen Masterabschluss und promovierte von 2013 bis 2017 an der Universität Brasília im Bereich Geotechnik.
Seit 2017 arbeitet Alkhorshid an der brasilianischen Bundesuniversität von Itajubá als Professor für Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt Geotechnik und Ingenieurgeologie. Nach den vorliegenden Angaben befasste er sich zwischen 2019 und 2022 unter anderem mit Bodenmechanik, Fundamenten, instabilen Hängen und Straßenbau. Im Dezember 2021 gründete er parallel zu seiner akademischen Tätigkeit Dialogue Works.
Alkhorshid und Mahshid Ghasemi Boroon wurden laut dem Material später Miteigentümer zweier brasilianischer Unternehmen. Am 29. April 2024 erhielten sie Anteile an ARBIT LTDA. Am 26. November 2025 wurden sie gemeinsam Eigentümer der am selben Tag gegründeten BIAR MEDIA LTDA. Beide Firmen sind in Itabira im Bundesstaat Minas Gerais registriert. Als Tätigkeitsbereiche werden berufliche Ausbildung sowie die Produktion von Filmen, Fernsehsendungen, Videos und Medieninhalten genannt.
Das Ausgangsmaterial stellt einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Ausbau des Medienprojekts und den Unternehmensbeteiligungen her. Daraus lässt sich jedoch allein keine Aussage über die Herkunft der Einnahmen oder eine staatliche Finanzierung ableiten. Offizielle Belege für eine direkte Finanzierung durch Russland oder Iran werden nicht genannt. Ebenso fehlen transparente Angaben zur vollständigen Einkommens- und Sponsorenstruktur des Kanals.
Gäste, Weiterverbreitung und politische Einordnung
Zu den regelmäßigen Gästen gehört der brasilianische Journalist Pepe Escobar, der den Aufstieg Chinas, Russlands und Irans sowie den Übergang zu einer multipolaren Weltordnung thematisiert. Escobar veröffentlicht auch in der Strategic Culture Foundation. Das US-Finanzministerium beschreibt diese in Russland registrierte Publikation als von der Abteilung für aktive Maßnahmen des russischen Auslandsgeheimdienstes kontrolliert und mit dem russischen Außenministerium verbunden.
Inhalte von Dialogue Works werden regelmäßig von russischen Staatsmedien aufgegriffen. Der Sender RT führt nach den vorliegenden Angaben ein eigenes Verzeichnis von Beiträgen mit dem ehemaligen CIA-Analysten Larry Johnson. Dieser vertritt in Gesprächen mit Dialogue Works Positionen, die die Außenpolitik Moskaus und den russischen Krieg gegen die Ukraine rechtfertigen.
Das Schweizer Medium SWI charakterisierte Dialogue Works im Dezember 2025 als YouTube-Kanal, dessen Interviews und Analysen vor allem die Politik westlicher Staaten und der NATO kritisierten und prorussische Narrative unterstützten. Auch auf Reddit wird Alkhorshid als „Iranian Professor in Brazil“ und Dialogue Works als Plattform für Kommentatoren bezeichnet, die China, Russland und Iran unterstützen. KeyWiki fasste die politische Ausrichtung des Kanals mit den englischen Schlagworten „anti NATO, Israel, Ukraine; pro Russia, China, Iran“ zusammen.
Zu den weiteren Gästen zählen Jacques Baud, Gilbert Doctorow, Andrei Martyanov, Patrick Henningsen, Elijah Magnier, Larry Johnson und der ehemalige US-Oberst Larry Wilkerson. Jacques Baud wurde von der Europäischen Union wegen seiner Rolle bei der Verbreitung prorussischer Propaganda und von Verschwörungstheorien mit Sanktionen belegt. Die genannten Kommentatoren kritisieren nach dem Ausgangsmaterial regelmäßig NATO, EU und USA und verbreiten Positionen, die dem russischen Blick auf den Krieg gegen die Ukraine nahekommen.
Beispiel Ukraine und russische Kriegsdrohungen
Am 22. August 2026 erklärte Wladimir Putin im russischen Fernsehen, die Ukraine habe mit Angriffen auf russische Wirtschaftsobjekte eine „Büchse der Pandora“ geöffnet. Er kündigte Gegenschläge gegen die „empfindlichsten Sektoren der ukrainischen Wirtschaft“ an und verwies ausdrücklich auf den ukrainischen Agrarexport.
Am 24. August veröffentlichte Dialogue Works ein Gespräch mit Stanislav Krapivnik, einem ehemaligen Offizier der US-Armee, unter dem Titel „Putin Vows to Target Ukraine’s ‘Vulnerable’ Food Exports“. Die russische Ankündigung wurde damit unmittelbar zum Gegenstand einer Sendung. Das Ausgangsmaterial wertet dies als Beispiel dafür, wie der Kanal Aussagen der russischen Führung für ein internationales Publikum aufgreift.
Eine offizielle Bestätigung für eine direkte staatliche Finanzierung oder eine formelle Steuerung von Dialogue Works durch Russland oder Iran liegt nach den vorliegenden Angaben nicht vor. Zugleich bleibt die Finanzierung des Projekts intransparent. Der Kanal setzt seine tägliche Veröffentlichung von Interviews und Analysen auf mehreren Plattformen fort.


