Meinungsumfrage zu Arbeitsverhältnissen in Niederösterreich
Im Rahmen der Meinungsforschung „So tickt Niederösterreich“ zeigt eine Umfrage unter über 4.300 Teilnehmern, dass 55 Prozent der Befragten bislang keinen Anlass sahen, sich an eine Arbeitnehmervertretung zu wenden. Die häufigsten Gründe für eine solche Kontaktaufnahme waren die Überprüfung der Endabrechnung nach Beendigung eines Dienstverhältnisses (16 Prozent) und die rechtliche Prüfung von Kündigungen (11 Prozent).
Anwalt Alexander Heihs erklärt die Probleme bei diesen Anliegen mit widerstreitenden Interessen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Arbeitgeber seien dazu geneigt, die Zahlungen an scheidende Mitarbeiter zu minimieren, während Arbeitnehmer auf eine korrekte Lohnverrechnung angewiesen sind. Heihs betont: „In jedem Arbeitsverhältnis gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
Heihs hebt hervor, dass der Arbeitnehmerschutz in Niederösterreich gut ausgeprägt sei. Dennoch müssten Arbeitnehmer auch Verantwortung übernehmen: „Es besteht natürlich auch eine gewisse Holschuld.“ Zudem warnt Heihs vor einer Dunkelziffer von Arbeitnehmern, die über fehlerhafte Abrechnungen oder Fristen zur Kündigung nicht informiert sind oder sich nicht trauen, während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses Forderungen zu stellen.
Die Umfrage legt nahe, dass der Umgang mit All-In-Verträgen verbessert werden muss. Heihs erklärt, dass Arbeitnehmer häufig nicht wissen, wie viele Überstunden im Gehalt enthalten sind und rät, einen solchen Vertrag vor Abschluss prüfen zu lassen. „Die angebotene Überzahlung kann sich relativieren, wenn regelmäßig Überstunden anfallen,“ sagt er.
Einordnung
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen die Notwendigkeit, Arbeitnehmer über ihre Rechte und den Umgang mit Verträgen besser zu informieren. Dies ist relevant, um Missverständnisse zu vermeiden und die rechtlichen Ansprüche unmittelbar durchzusetzen. Die Schaffung klarerer Informationen könnte dazu führen, dass Arbeitnehmer aktiver ihre Ansprüche wahrnehmen.


