Im Jahr 2025 haben Beschäftigte in Österreich etwa 46 Millionen Über- und Mehrstunden geleistet, ohne dafür eine Vergütung oder Zeitausgleich zu erhalten. Dies hat laut Berechnungen des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) zu einem Verlust von rund 2,5 Milliarden Euro geführt. Darüber berichtet Welt Stimme.
Nach den aktuellen Daten von Statistik Austria seien im Jahr 2025 etwa 45,9 Millionen Über- und Mehrstunden nicht abgegolten geblieben. Im Vorjahr waren es noch rund 42,3 Millionen unbezahlte Stunden. Diese Situation sorgt für einen erheblichen Lohnverlust der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth äußert sich kritisch zu den Bedingungen: „Ein enormer Teil der geleisteten Arbeit bleibt unbezahlt und Menschen, die Überstunden leisten und nichts dafür bekommen, werden systematisch um ihren Lohn gebracht.“
Staatliche Einnahmeverluste
Nicht nur die Beschäftigten sind betroffen; auch der Staat leidet unter beträchtlichen Einnahmeverlusten. Insgesamt entgehen dem öffentlichen Haushalt rund 1,23 Milliarden Euro an Steuern und Sozialabgaben, darunter etwa 355 Millionen Euro an Sozialversicherungsbeiträgen sowie etwa 875 Millionen Euro an Lohnsteuer.
Zusätzlich warnt der ÖGB vor den gesundheitlichen und sozialen Folgen unbezahlter Überstunden, wie etwa Erschöpfung und einer gestörten Work-Life-Balance. Langfristig könnte dies auch negative Auswirkungen auf Arbeitgeber haben, da übermäßige Überstunden zu einer höheren Fehlerquote und sinkender Produktivität führen können.
Forderungen nach strengeren Kontrollen
Die Arbeiterkammer Wien kritisiert ebenfalls die Situation. Ines Stilling, Leiterin des Bereichs Soziales, beschreibt das Problem als massiv: „Damit sind Österreichs Arbeitnehmerinnen und -nehmer um 2,5 Milliarden Euro an Lohn umgefallen. Dieser Lohnraub muss endlich gestoppt werden.“
Es werden dringend strengere Kontrollen und Sanktionen gegen Unternehmen gefordert, die Überstunden nicht korrekt abgelten. Arbeitnehmervertretungen erinnern zudem an das Regierungsprogramm, das festhält, dass alle Überstunden bezahlt oder ausgeglichen werden sollen, und verlangen die schnelle Umsetzung entsprechender Maßnahmen.
IV warnt vor stagnierendem Arbeitsvolumen
Die Industriellenvereinigung (IV) sieht in den neuen Statistikdaten ein Warnsignal für den Arbeitsmarkt. Trotz eines Anstiegs der Beschäftigtenzahl sei das gesamte Arbeitsvolumen in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum gestiegen, vor allem wegen der zunehmenden Teilzeitarbeit.
IV-Generalsekretär Christoph Neumayer fordert Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität von Arbeitsstunden, etwa durch bessere Kinderbetreuung und steuerliche Anreize für Überstunden oder längeres Arbeiten im Alter. Auch die Steuerprogression müsse überdacht werden, da sie zusätzliche Arbeit für viele finanziell unattraktiv mache. „Mehr Arbeitsvolumen finanziert unseren Wohlstand,“ betont Neumayer.


