Das Tierschutzhaus in Vösendorf hat kürzlich 45 Laborratten aufgenommen. Österreichs größtes Tierheim betreut somit rund 100 Ratten. Die intelligenten Tiere und einige weitere Arten warten auf ein liebevolles Zuhause, in dem sie ihr Leid verarbeiten können. Darüber berichtet Welt Stimme.
MÖDLING/NÖ. In der niederösterreichischen Forschung werden weiterhin Labortiere für die Kosmetik- und Medikamentenentwicklung eingesetzt. Dabei betrifft das Leiden nicht nur Nagetiere wie Mäuse und Ratten, sondern auch Schweine, Schafe und sogar Hunde. Laut Tierversuchsgesetz dürfen theoretisch alle Tiere für Versuche verwendet werden, mit Ausnahme von Menschenaffen. Neben den Versuchstieren leiden auch sogenannte Überschusstiere, die in der Forschung nicht eingesetzt werden.
Leid der Unsichtbaren
In Österreich kommen jährlich etwa 300.000 Lebewesen in Tierversuchen zum Einsatz. Häufig werden doppelt so viele Labortiere als Überschusstiere getötet, ohne dass sie je in einem Experiment verwendet wurden. Um genetisch ideale Zuchtlinien zu schaffen, werden mehrere Generationen der Tierart verpaart, jedoch bleiben viele Tiere ungenutzt und werden aussortiert. Beispielsweise werden gelegentlich ausschließlich die Weibchen eines Wurfs getötet, da Männchen bevorzugt werden.
Die Notwendigkeit dieser Tötungen wird vom Tierheimleiter Stephan Seidl als ethisch bedenklich und als trauriges Symbol für die Probleme der Tierversuchspraxis angesehen. Seidl weist darauf hin, dass es günstigere Alternativen gibt, wie computertechnische Versuchsobjekte oder Zellen, die aus lebenden Organismen gewonnen werden. Zudem seien Labortiere kostenintensiv, da Tierpfleger, Gehege, Futter und andere Ressourcen notwendig seien. Verbesserte Strukturen könnten hier Abhilfe schaffen.
Gelungene Vermittlungen
Seit 2013 ist die Vermittlung von Labortieren gesetzlich erlaubt, weshalb sich das Tierschutzhaus bemüht, diesen traumatisierten Lebewesen eine zweite Chance zu geben. Die Versorgung ehemaliger Versuchstiere erfordert Fachwissen, Platz und laufende Kosten. Trotz dieser Herausforderungen sind diese Tiere oft besonders zutraulich und bringen viel Vertrauen mit, bedingt durch ihre Zucht, die für eine bessere Handhabung als Labortiere sorgt, erklärt Stephan Seidl, der selbst früher als Tierpfleger in der Ausbildung im Labor tätig war.
Tierschutz Austria arbeitet eng mit der Labortierhilfe Österreich My-Second-Life sowie Tierversuchsinstituten in Wien und Niederösterreich zusammen. Diese Kooperation wurde initiiert, da die Nachfrage nach Tierheimratten steigt. Nach Abschluss der Experimente können gesundheitlich und psychisch stabile Tiere ins Tierheim umziehen und anschließend ein artgerechtes Zuhause finden. Bislang wurden neben Mäusen auch Schweine, Schafe und Meerschweinchen aus Laboren übernommen, und viele von ihnen konnten erfolgreich vermittelt werden.


