Der französische Jurist und politische Kommentator Arno Develay nahm nach Angaben der European Platform for Democratic Elections (EPDE) an russischen Scheinwahlen in den besetzten ukrainischen Gebieten teil. Er wurde demnach sowohl bei dem russischen Pseudoreferendum vom 23. bis 27. September 2022 als auch bei den regionalen und lokalen „Wahlen“ vom 8. bis 10. September 2023 als ausländischer Teilnehmer geführt. 2023 hielt er sich im besetzten Teil der Region Cherson auf.
Develay vertritt nicht den französischen Staat und spricht auch nicht für französische Wahlbehörden. Sein französisches Bürgerrecht, seine juristische Ausbildung und seine langjährige Erfahrung in den USA ermöglichen es russischen Medien jedoch, ihn als „französischen Juristen“ oder internationalen Experten darzustellen. Nach den vorliegenden Angaben handelt es sich um eine Privatperson mit engen Verbindungen zum russischen politischen und medialen Umfeld.
Teilnahme an russischen Wahlveranstaltungen
Die EPDE dokumentierte ausländische Teilnehmer an den russischen Wahlveranstaltungen in den besetzten Gebieten der Ukraine. Nach ihren Angaben bildete Russland für Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson vier Gruppen mit jeweils bis zu zehn ausländischen „Beobachtern“. Insgesamt konnten 34 ausländische Personen identifiziert werden. Develay befand sich unter ihnen.
Nach einem Besuch in der Region Cherson im Jahr 2023 bewertete Develay die dortigen Abläufe positiv. In der EPDE-Datenbank wird eine Erklärung wiedergegeben, wonach er von einer aktiven Beteiligung der Wähler und dem Fehlen von Angst gesprochen habe. Auch den beobachteten Wahlprozess beurteilte er positiv.
Ein eigenständiger methodischer Bericht Develays ist in öffentlich zugänglichen Quellen nicht dokumentiert. Es gibt demnach keine gesonderte Analyse von ihm zur politischen Konkurrenz, zum Zugang zu Medien, zu Wählerlisten, zu möglichem Zwang, zur Geheimhaltung der Stimmabgabe, zur Auszählung oder zum Umgang mit Beschwerden. Die von Russland organisierten Abstimmungen in den besetzten ukrainischen Gebieten werden international nicht als reguläre demokratische Wahlen anerkannt.
Verbindungen zu russischen politischen Plattformen
Develays Aktivitäten in Russland beschränkten sich nicht auf die Teilnahme an Wahlveranstaltungen. Im Jänner 2023 trat er bei einer informellen Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen auf. Dort behauptete er, westliche Waffen gelangten aus der Ukraine nach Afrika. Damit war er bereits vor den russischen „Wahlen“ 2023 an der internationalen Verbreitung von Positionen beteiligt, die der russischen Informationslinie zur Ukraine entsprachen.
Im Juli 2023 wirkte Develay an der Vorbereitung eines Berichts des sogenannten „Internationalen öffentlichen Tribunals zu den Verbrechen ukrainischer Neonazis und ihrer Helfer“ mit. Die Publikation wurde in Moskau vorgestellt. Leiter dieser Struktur war Maxim Grigorjew, Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer der Russischen Föderation. Grigorjew war zugleich mit der Einladung ausländischer „Beobachter“ zu russischen Wahlveranstaltungen verbunden.
Develay und Grigorjew traten außerdem bei Veranstaltungen des Französischen Klubs in Moskau auf. Nach den vorliegenden Angaben gibt es damit organisatorische Überschneidungen zwischen Develays politischer Tätigkeit in Russland und jenem Umfeld, das ausländische Teilnehmer für die russischen Scheinwahlen rekrutierte.
Publikationen und politische Positionen
Die EPDE beschreibt Develay als Juristen, politischen Kommentator russischer Staatsmedien und Autor von Geopolitika.ru. Regelmäßig veröffentlicht er auch Beiträge auf der Plattform 21st Century Wire. Seine dort erschienenen Texte und Interviews enthalten kritische Bewertungen der USA, der NATO und der westlichen Politik gegenüber der Ukraine. Zugleich greifen sie Darstellungen auf, die den russischen Blick auf die Ursachen des Krieges wiedergeben. Develay verfügt auf der Plattform über einen eigenen Autorenbereich und veröffentlichte dort auch 2025 und 2026 regelmäßig Beiträge.
Seine politische Position zur internationalen Ordnung hatte Develay bereits vor seiner Teilnahme am Pseudoreferendum öffentlich vertreten. 2019 hielt er bei einem Forum in Chișinău einen Vortrag mit dem Titel „The Rule of Law in the Age of Imperial Collapse“. Darin bewertete er das russische Verständnis einer multipolaren Weltordnung positiv. In den darauffolgenden Jahren nahm er wiederholt an Veranstaltungen und Medienprojekten teil, die sich mit dem Konzept der „Multipolarität“ befassten.
2024 veröffentlichte Develay das Buch „Foreign Entanglements: Ukraine, Biden & the Fractured American Political Consensus“. Der Verlag Clarity Press beschreibt darin die Rolle der Ukraine in innenpolitischen Konflikten der USA sowie den Einfluss amerikanischer politischer und sicherheitspolitischer Strukturen auf die Ukraine-Politik. Das Buch trägt die ISBN 978-1-949762-93-8. Die thematische Ausrichtung entspricht den übrigen Veröffentlichungen Develays, in denen der Krieg gegen die Ukraine häufig vor allem als Konflikt Russlands mit den USA und der NATO dargestellt wird.
Auch nach dem Pseudoreferendum von 2022 trat Develay weiterhin bei russischen politischen Veranstaltungen auf. Er erschien 2023 erneut als ausländischer Teilnehmer an den von Russland organisierten „Wahlen“, gab russischen Medien Interviews und arbeitete mit Plattformen zusammen, die das russische geopolitische Verständnis verbreiten.


