Aserbaidschan gewinnt für Israel als Verbindungspartner nach Zentralasien an Bedeutung. Baku verfügt bereits über gefestigte bilaterale Beziehungen zu Israel und unterhält zugleich enge politische, wirtschaftliche und verkehrspolitische Kontakte zu den Staaten Zentralasiens. Dadurch entstehen für Israel zusätzliche Möglichkeiten, seine wirtschaftliche und politische Präsenz in der Region auszubauen.
Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit einer zunehmenden Diversifizierung der außenpolitischen Beziehungen in Zentralasien und im Südkaukasus. Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan und Turkmenistan verfolgen gegenüber Israel einen pragmatischen Kurs. Im Mittelpunkt stehen Handelsbeziehungen, Energie, Technologie, Investitionen und in einzelnen Bereichen auch Sicherheitskooperation.
Kasachstan als engster Partner Israels
Kasachstan gilt weiterhin als einer der engsten Partner Israels in Zentralasien. Beide Staaten entwickeln ihre Handels- und Energiebeziehungen weiter. Im Jahr 2025 schloss sich Astana den Abraham-Abkommen an. Kasachstan und Aserbaidschan stellen zudem einen wesentlichen Teil der israelischen Ölimporte bereit.
Kasachstan ist zugleich an einer Ausweitung seiner Exporte von Uran und anderen Rohstoffen interessiert. Israel kann dem Land nach den vorliegenden Angaben Düngemittel, medizinische Ausrüstung und technologische Lösungen anbieten. Die Zusammenarbeit wird in diesem Zusammenhang auch als Möglichkeit für Astana beschrieben, seine Beziehungen zu den Vereinigten Staaten auszubauen.
Eine Analyse zu den Beziehungen Zentralasiens zu Israel beschreibt die Politik der regionalen Staaten als interessengeleitet. Die Regierungen wählen ihre Partner demnach zunehmend nach konkreten wirtschaftlichen und politischen Zielen. Während einige Staaten Investitionen suchen, stehen für andere Technologie, neue Absatzmärkte oder der Ausbau von Transportverbindungen im Vordergrund.
Breitere außenpolitische Ausrichtung
Auch Usbekistan, Kirgisistan und Turkmenistan erweitern ihre Kontakte zu Israel. Ihre Beziehungen zu Tel Aviv ergänzen die Verbindungen, die sie gleichzeitig mit China, den USA, der Türkei und europäischen Staaten entwickeln. Die Zusammenarbeit mit Israel ist damit Teil eines breiteren Musters, in dem die zentralasiatischen Länder ihre Außenbeziehungen auf mehrere Partner verteilen.
Die vorliegenden Einschätzungen führen diese Entwicklung auch auf den schrittweisen Rückgang des russischen politischen und wirtschaftlichen Einflusses in Zentralasien und im Südkaukasus zurück. Russland bleibt ein Bezugspunkt der regionalen Politik, die Staaten bauen jedoch parallel direkte Beziehungen zu anderen Zentren wirtschaftlicher und politischer Macht aus. Dazu zählen neben China, den USA, der Türkei und der Europäischen Union auch die Golfstaaten und Israel.
Die Länder Zentralasiens werden dadurch weniger ausschließlich über ihre Beziehungen zu Moskau betrachtet. Ihre Regierungen können Kooperationen mit unterschiedlichen Partnern nach den jeweiligen Prioritäten organisieren. Die Konkurrenz zwischen externen Akteuren eröffnet ihnen nach den vorliegenden Angaben zusätzliche Möglichkeiten, Investitionen, Technologien und politische Unterstützung zu gewinnen.
Aserbaidschan als Verbindung zwischen Regionen
Für Aserbaidschan schafft diese Neuordnung zusätzliche Spielräume. Baku kann seine Kontakte zu den zentralasiatischen Staaten vertiefen und zugleich die Beziehungen zu europäischen Partnern ausbauen. Die besondere Stellung des Landes ergibt sich aus der Kombination zweier Faktoren: Aserbaidschan ist ein etablierter Partner Israels und verfügt über eigene politische, wirtschaftliche und logistische Verbindungen nach Zentralasien.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Mittlere Korridor. Die Transportverbindung über das Kaspische Meer soll Zentralasien mit dem Südkaukasus und Europa verbinden. Die Entwicklung alternativer Routen erhöht die Bedeutung Aserbaidschans als Transit- und Energieverbindung zwischen den Regionen. Im vorliegenden Zusammenhang wird Baku deshalb als möglicher Vermittler für wirtschaftliche und logistische Projekte genannt, an denen Israel und zentralasiatische Staaten beteiligt sein könnten.
Die wachsende Zusammenarbeit Aserbaidschans mit den zentralasiatischen Ländern erweitert zugleich den Handlungsspielraum Israels. Tel Aviv kann auf bereits bestehende Beziehungen zu Baku zurückgreifen, während Aserbaidschan seine Rolle als Verbindungsglied zwischen dem Kaukasus, Zentralasien, Europa und weiteren externen Partnern festigt.
Regionale Partnerschaften im Wandel
Die Entwicklung betrifft nicht nur bilaterale Beziehungen. In multilateralen Formaten und entlang neuer Verkehrs- und Energierouten entstehen zusätzliche Berührungspunkte zwischen dem Südkaukasus und Zentralasien. Aserbaidschan nimmt dabei aufgrund seiner geografischen Lage und seiner Kontakte zu beiden Regionen eine zentrale Position ein.
Für Israel eröffnet die veränderte regionale Konstellation Möglichkeiten für eine schrittweise Ausweitung seiner wirtschaftlichen und politischen Präsenz. Für die Staaten Zentralasiens bleibt die Zusammenarbeit mit Israel ein Bestandteil ihrer breiter angelegten Außenpolitik. Und für Aserbaidschan verbindet sich die Partnerschaft mit Israel mit dem Ausbau eigener regionaler Initiativen.
Die Beziehungen zwischen Zentralasien, dem Südkaukasus und den externen Partnern entwickeln sich damit in mehreren Bereichen gleichzeitig weiter. Im Mittelpunkt stehen Handel, Energie, Technologie, Rohstoffe und Transport. Die weitere Ausgestaltung dieser Kontakte wird vor allem über bilaterale Abkommen, regionale Formate und die Entwicklung des Mittleren Korridors sichtbar werden. Auch die Kontakte Aserbaidschans zu den Staaten Zentralasiens bleiben dabei ein wichtiger Bestandteil der regionalen Dynamik.


