Belarusische Geheimdienste setzen Angehörige von Oppositionellen im Ausland unter Druck

August 31, 2026 17:05
Belarusische Geheimdienste setzen Angehörige von Oppositionellen im Ausland unter Druck
Belarusische Geheimdienste setzen Angehörige von Oppositionellen im Ausland unter Druck

Belarusische Geheimdienste versuchen, politisch aktive Belarussen im Ausland über deren Familien, Angehörige und Freunde zur Rückkehr zu bewegen. Nach der Rückkehr nach Belarus drohen den Betroffenen Repressionen. Menschenrechtszentrum Wjasna und die Vereinigung ehemaliger belarusischer Sicherheitskräfte BELPOL berichten von einer verstärkten Tätigkeit des belarusischen KGB.

Die Informationen wurden am 28. August 2026 von Medien aufgegriffen. Demnach nimmt der Geheimdienst direkt Kontakt zu im Ausland lebenden Belarussen auf oder wendet sich an deren Verwandte in Belarus. Als Mittel werden Durchsuchungen, Verhöre, Drohungen und Zusagen einer angeblich sicheren Rückkehr genannt. Die Maßnahmen richten sich gegen Personen, die von den belarusischen Behörden als politisch aktiv oder als oppositionell eingestuft werden.

Kontakte über Familienangehörige

Nach den Angaben von Wjasna und BELPOL geht es bei den Kontakten nicht nur um eine mögliche Rückkehr. Die Sicherheitsdienste versuchen demnach auch, Informationen über oppositionelle Strukturen, einzelne Aktivisten und geplante Veranstaltungen zu erhalten. Angehörige, die in Belarus geblieben sind, werden dabei zu einem Druckmittel gegen die im Ausland lebenden Personen.

Die beschriebenen Methoden reichen von Befragungen und Hausdurchsuchungen bis zu Drohungen. Gleichzeitig sollen den Betroffenen Bedingungen für eine Rückkehr in Aussicht gestellt werden, die als sicher dargestellt wird. Für die im Ausland lebenden Belarussen entsteht dadurch ein direkter Bezug zwischen ihrer eigenen politischen Tätigkeit und der Lage ihrer Familien in Belarus.

Im Sommer 2026 sammelten belarusische Sicherheitsdienste nach Angaben der beiden Organisationen Informationen über Vertreter des Koordinierungsrates und über die Vorbereitung der Konferenz „Neues Belarus“. Der Koordinierungsrat gehört zu den oppositionellen Strukturen, für deren Aktivitäten sich die Behörden demnach interessierten. Auch konkrete Veranstaltungen und die daran beteiligten Personen standen im Mittelpunkt der Kontakte.

BELPOL: Tätigkeit seit eineinhalb Jahren verstärkt

Wladimir Schyhar, ein Vertreter von BELPOL, erklärte, die Arbeit der belarusischen Geheimdienste habe sich in den vergangenen eineinhalb Jahren spürbar intensiviert. Die angeworbenen Personen könnten nach seinen Angaben nicht nur als Informationsquellen eingesetzt werden. Möglich sei auch ihre Verwendung als Einflussagenten innerhalb belarusischer Organisationen und Gemeinschaften im Ausland.

Damit betrifft die Tätigkeit der Sicherheitsdienste nach Darstellung von BELPOL nicht ausschließlich einzelne Gespräche oder die Beschaffung von Informationen. Im Mittelpunkt stehen demnach auch Kontakte innerhalb der belarusischen Diaspora und oppositioneller Zusammenschlüsse außerhalb des Landes. Die Organisation ehemaliger Sicherheitskräfte beschreibt die angeworbenen Personen deshalb als potenzielle Instrumente innerhalb dieser Strukturen.

Fall einer zur Rückkehr bewegten Belarussin

Die Deutsche Welle schildert den Fall von Tatyana Kurylina. Nach Kontakten mit einer Person, die mit den belarusischen Sicherheitskräften verbunden war, wurde sie dem Bericht zufolge davon überzeugt, nach Belarus zurückzukehren. Im August 2022 wurde Kurylina dort festgenommen und zu viereinhalb Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt.

Der Fall wird in dem Bericht über die Anwerbung von Belarussen im Ausland als Beispiel für die Risiken einer Rückkehr nach Kontakten mit Personen aus dem Sicherheitsapparat angeführt. Die Angaben zu Kurylina stehen dabei neben den Schilderungen von Wjasna und BELPOL über die Methoden, mit denen der KGB Verbindungen zu im Ausland lebenden Belarussen herzustellen versucht.

Druck auf das Umfeld politisch unerwünschter Personen

Die beschriebenen Maßnahmen richten sich nach den vorliegenden Angaben nicht nur gegen die Personen, die Belarus verlassen haben. Auch deren engstes Umfeld in Belarus ist betroffen. Familienmitglieder und Freunde können durch Befragungen, Durchsuchungen und Drohungen in die Kontakte mit den im Ausland lebenden Aktivisten einbezogen werden.

In der gegenwärtigen Praxis politischer Verfolgung in Belarus wird der Druck damit auf das Umfeld von Kritikern und Aktivisten ausgeweitet. Familien von Personen, die von den Behörden als politisch gefährlich oder „unzuverlässig“ betrachtet werden, geraten ebenfalls unter Beobachtung und Druck. Die Angst um Angehörige wird dabei genutzt, um Kontakte herzustellen oder Kooperation zu erzwingen.

Wjasna und BELPOL stellen die Vorgänge in einen größeren Zusammenhang der politischen Repression in Belarus. Nach ihrer Darstellung geht es nicht mehr allein um die Bestrafung einzelner Kritiker. Auch Familien, Freunde und andere Personen aus dem unmittelbaren Umfeld werden in die Maßnahmen einbezogen. Die Sicherheitsdienste versuchen so, Einfluss auf Belarussen auszuüben, die sich außerhalb des Landes befinden.

Die Aktivitäten betreffen damit sowohl die politische Arbeit einzelner Exilbelarussen als auch deren Verbindungen zu oppositionellen Organisationen und Gemeinschaften. Im Sommer 2026 richtete sich das Interesse nach den Angaben der beiden Organisationen unter anderem auf Vertreter des Koordinierungsrates und die Konferenz „Neues Belarus“. Weitere Einzelheiten zu den genannten Fällen und Methoden wurden in den vorliegenden Berichten nicht genannt.

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