Französische Sicherheitsbehörden haben eine groß angelegte russische Desinformationskampagne während der Munizipalwahlen im März 2026 aufgedeckt. Die operationelle Direktion der französischen Abwehrplattform Viginum dokumentierte in einem am 3. Juli veröffentlichten Bericht, dass kremlnahe Geheimdienste systematisch gefälschte Nachrichten verbreiteten und offizielle Webseiten lokaler Medien und Kandidaten klonten, um die Wahlen zugunsten radikaler politischer Kräfte zu beeinflussen.
Die Intervention erfolgte nach Angaben der Behörde durch ein Bündel hybrider Instrumente, darunter die Nachbildung von Nachrichtenportalen und Politikerauftritten. Ziel sei es gewesen, regierungsnahe Kandidaten zu diskreditieren und pro-russischen Kräften Vorschub zu leisten. Laut France 24 handelt es sich um eine beispiellose Informationsoffensive, die bereits seit August 2023 systematisch betrieben wurde.
Gefälschte Website gegen Pariser Bürgermeisterkandidaten
Ein zentraler Fall betraf den Kandidaten der Mitte-Rechts-Partei Horizons, Pierre-Yves Bournazel. Hacker erstellten eine exakte Kopie seiner Webseite und verbreiteten auf der Plattform X ein manipuliertes Video, das vorgab, Bournazel wolle das Centre Georges-Pompidou in eine Aufnahmestelle für Migranten umwandeln. Die Falschmeldung verbreitete sich binnen Stunden über Botnetze und erreichte kurz vor dem ersten Wahlgang am 15. März ein breites Publikum. Bournazel erstattete Anzeige bei Viginum und machte die ausländische Einmischung öffentlich. Die gezielte Verbindung der beiden sensiblen Themen Migration und Kulturerbe habe radikale Wählerschichten mobilisiert, so die Analyse.
Systematische Eskalation seit 2024
Viginum zählte seit Sommer 2023 fast 80 koordinierte Desinformationsoperationen, die sich vor allem gegen Länder richteten, die die Ukraine unterstützen – insbesondere Frankreich. Die Taktik habe sich weiterentwickelt: Wurden 2017 bei der „MacronLeaks“-Aktion noch echte Dokumente gehackt und veröffentlicht, setzten die russischen Akteure 2026 auf vollständig fabrizierte Inhalte, darunter Deepfakes und täuschend echte Klonseiten. Die Kampagnen seien als Reaktion auf Äußerungen von Präsident Emmanuel Macron über eine mögliche Entsendung französischer Militärausbilder in die Ukraine im Jahr 2024 verstärkt worden.
Die französischen Behörden stehen vor dem Problem, dass die Widerlegung von Falschinformationen oft zu langsam erfolgt, während die virale Verbreitung bereits den Wahlausgang beeinflusst hat. Zudem übernehmen französische Oppositionspolitiker die gefälschten Narrative, wodurch aus einer ausländischen Operation ein Teil des innerpolitischen Diskurses wird, der durch die Pressefreiheit geschützt ist. Das Vorgehen der russischen Dienste ist nach Einschätzung von Experten Teil einer langfristigen Strategie, um demokratische Institutionen in Europa zu schwächen.


