Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit als Bühne gegen den Westen

September 1, 2025 20:30
Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit als Bühne gegen den Westen
Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit als Bühne gegen den Westen

Die Staats- und Regierungschefs der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) sind am 31. August und 1. September in Tianjin unter Vorsitz von Xi Jinping zusammengekommen. Mehr als 20 Länderchefs und Vertreter von zehn internationalen Organisationen nahmen teil. Xi eröffnete das Treffen mit dem Appell, einer „Mentalität des Kalten Krieges“ zu widerstehen, und stellte die SOZ als Plattform für ein „multipolares“ Weltordnungskonzept dar. Peking betonte den Wandel von einer Sicherheitsallianz hin zu einem Entwicklungsforum und kündigte Finanzhilfen in Höhe von umgerechnet 280 Millionen US-Dollar sowie langfristige Kredite über rund 1,4 Milliarden US-Dollar an. Zudem beschleunigt China den Aufbau einer eigenen Entwicklungsbank der SOZ.

Pekings Führungsanspruch und wirtschaftliche Hebel

Mit den zugesagten Mitteln bindet Xi die Mitgliedstaaten enger an China und stärkt deren politische Loyalität. Die geplanten Projekte reichen von Handels- und Energieabkommen bis hin zu humanitären Kooperationen. Die in Tianjin erarbeitete Deklaration und eine Zehnjahresstrategie sollen die Rolle der Organisation im eurasischen Raum erweitern und neue wirtschaftliche Mechanismen etablieren. Für den Westen entsteht damit ein institutioneller Rahmen, in dem Peking und Moskau parallel ihre Revision bestehender Normen legitimieren.

Putins Auftritt und die Rolle Russlands

Der russische Präsident nutzte seine Teilnahme sowohl für bilaterale Gespräche mit Xi als auch für öffentliche Auftritte, darunter einen Militärparadebesuch in Peking. Damit sollte demonstriert werden, dass Russland trotz des Krieges in der Ukraine international nicht isoliert ist. Gleichzeitig verstärkt sich die ökonomische Abhängigkeit Moskaus: steigende Rohstoffexporte zu vergünstigten Konditionen, während China im Gegenzug Technologien, Komponenten und Finanzdienstleistungen liefert. Dies verschiebt das Kräfteverhältnis zugunsten Pekings und macht Russland zunehmend zum Rohstofflieferanten.

Indiens Balanceakt und Pekings Annäherung

Ein zentrales Signal setzte auch die Begegnung zwischen Xi und dem indischen Premierminister Narendra Modi. Themen waren Grenzspannungen, Investitionen und multilaterale Kooperationen. Peking strebt eine temporäre Entspannung mit Neu-Delhi an, um Indiens sicherheitspolitische Bindungen an den Westen abzuschwächen. Dennoch bleiben grundlegende Konfliktlinien zwischen den beiden Staaten bestehen und könnten langfristig weiter zunehmen.

Risiken für Sanktionen und internationale Ordnung

Das erweiterte Format „SOZ plus“ bindet Beobachterstaaten und Partner enger ein und schafft neue Kanäle für Finanz- und Handelsflüsse, die Moskau bei der Umgehung westlicher Sanktionen unterstützen könnten. Gleichzeitig setzt China die Organisation als „sicheren Hafen“ für Handel und Investitionen in Szene, besonders im Kontext neuer US-Zölle auf asiatische Waren. Dies soll Staaten des Globalen Südens ermutigen, sich stärker an Pekings Strukturen zu orientieren – allerdings gegen politische Loyalität.

Sicherheitsnarrativ mit militärischem Unterton

Der chinesische Verweis auf die Ablehnung von Blockdenken wird als friedensorientiert präsentiert, geht jedoch mit enger autoritärer Solidarität und einer selektiven Auslegung von Souveränität einher. Unter diesem Deckmantel zeigt Peking neue Langstreckenwaffen und Luftabwehrsysteme, die nicht nur der Einschüchterung dienen, sondern auch als Werbung für den eigenen Rüstungssektor innerhalb der SOZ verstanden werden.

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