Lecornu ordnet Aufbau französischer Einheit gegen schwere Cyberangriffe an

August 21, 2026 18:40
Lecornu ordnet Aufbau französischer Einheit gegen schwere Cyberangriffe an
Lecornu ordnet Aufbau französischer Einheit gegen schwere Cyberangriffe an

Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu hat am 19. August 2026 die rasche Einrichtung einer spezialisierten Einheit zur Abwehr schwerer Cyberangriffe auf staatliche Informationssysteme angeordnet. Die Struktur soll innerhalb von drei Tagen konzipiert werden und vor allem die Erkennung, Untersuchung und Neutralisierung von Angriffen beschleunigen.

Den Kern der neuen Einheit sollen Mitarbeiter der französischen Nationalen Agentur für die Sicherheit der Informationssysteme (ANSSI) bilden. Bei Bedarf sollen auch Fachleute aus dem Verteidigungs- und dem Innenministerium sowie fachlich ausgebildete Reservisten hinzugezogen werden.

Vorschläge bis 21. August

Bis zum 21. August soll die französische Regierung Vorschläge für die Struktur, die Einsatzregeln, die Finanzierung und die Führung des neuen Cyberverbands vorlegen. Aus den Vorgaben geht hervor, dass die Einheit für eine operative Reaktion auf besonders schwerwiegende Angriffe gegen staatliche Informationssysteme zuständig sein soll.

Die Entscheidung fiel nach einem jüngsten Eindringen in die Systeme der Generaldirektion für öffentliche Finanzen (DGFiP). Weitere Einzelheiten zu dem Vorfall wurden in den vorliegenden Angaben nicht genannt. Die Behörde gehört zum französischen Staatsapparat und verwaltet zentrale Aufgaben im Bereich der öffentlichen Finanzen.

Lecornu beschrieb die gegenwärtige Cyberbedrohung als „massiv, organisiert und hybrid“. Dabei vermischten sich zunehmend die Aktivitäten feindlicher Staaten, krimineller Netzwerke und einzelner Hacker. Mit der geplanten Einheit soll die Reaktion der zuständigen Stellen auf solche Angriffe enger gebündelt und beschleunigt werden.

ANSSI als Kern der Struktur

Die vorgesehene Rolle der ANSSI verweist auf die zentrale Bedeutung der französischen staatlichen Cybersicherheitsbehörde für die neue Struktur. Ergänzend ist eine Beteiligung von Spezialisten aus den Sicherheitsressorts vorgesehen. Reservisten mit entsprechender Ausbildung könnten ebenfalls eingesetzt werden, wenn dies für die Bewältigung eines Angriffs erforderlich ist.

Die Regierung muss zunächst klären, wie die Zuständigkeiten innerhalb des Verbands verteilt werden. Dazu gehören neben dem Kommando auch die Regeln für seine Aktivierung und den Einsatz. Ebenso soll bis zum gesetzten Termin feststehen, welche finanziellen Mittel für den Aufbau und die Tätigkeit notwendig sind.

Frankreich hatte bereits zuvor einen Plan mit 40 dringenden Maßnahmen gestartet. Dafür wurden zusätzlich 200 Millionen Euro bereitgestellt. Die nun angeordnete Einheit ist Teil der Reaktion auf die wachsende Zahl von Cybervorfällen und soll den operativen Umgang mit besonders schweren Angriffen ergänzen.

Cyberangriffe und Desinformation

Die französische Regierung sieht sich nicht nur mit technischen Angriffen auf staatliche Systeme konfrontiert. In den vorliegenden Angaben werden auch eine zunehmende Zahl von Desinformationskampagnen, die Verbreitung gefälschter Informationen und Hackerangriffe aus Russland als Teil der digitalen Bedrohungslage genannt. Diese Aktivitäten werden dort gemeinsam mit der Frage des Schutzes des französischen Informationsraums behandelt.

Eine konkrete Zuordnung des jüngsten Eindringens in die Systeme der DGFiP zu einem bestimmten Angreifer ist in den Angaben nicht enthalten. Fest steht nach der Darstellung der Regierung, dass die Sicherheitsbehörden ihre Fähigkeiten zur Erkennung, Untersuchung und Abwehr schwerer Vorfälle schneller zusammenführen sollen.

Der Schutz kritischer Infrastruktur und staatlicher Informationssysteme wird in Frankreich zudem mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 als wichtiges Thema angeführt. Die vorliegenden Informationen nennen dabei die Sorge vor ausländischer Einflussnahme im digitalen Raum. Konkrete Maßnahmen der neuen Einheit, die über die bisher bekannten Vorgaben hinausgehen, sind noch nicht festgelegt.

Bis zur Vorlage der Vorschläge am 21. August bleibt daher offen, welche Größe die Einheit haben wird, unter welcher institutionellen Führung sie arbeitet und wie ihr Einsatz im Verhältnis zu den bestehenden Zuständigkeiten von ANSSI, Verteidigungsministerium und Innenministerium geregelt wird.

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