Die selbsternannte LNR-Regierung hat auf der Webseite ihres „Ministeriums für Bildung und Wissenschaft“ eine Datenbank mit ukrainischen Kindern veröffentlicht, die zur Adoption freigegeben sind. Insgesamt sind Angaben zu 294 Kindern im Alter von unter einem Jahr bis 17 Jahren enthalten. Die Datenbank umfasst Namen, Fotos, Charakterbeschreibungen und Hobbys der Kinder sowie Filter nach Geschlecht, Alter, Augen- und Haarfarbe und dem Vorhandensein von Geschwistern. Diese Praxis bezeichnet der Leiter der Organisation Save Ukraine, Mykola Kuleba, als „modernen Menschenhandel“ und fordert ein weltweites Eingreifen gegen diese „Katalogisierung“ der Kinder.
Umfang der Kindesentführungen und internationale Reaktionen
Nach offiziellen ukrainischen Angaben sind seit Beginn des groß angelegten Krieges etwa 20.000 ukrainische Kinder in Russland und den besetzten Gebieten verschwunden. Rund 1.500 konnten bisher zurückgeholt werden. Der Menschenrechtsbeauftragte der Werchowna Rada, Dmytro Lubinets, schätzt die Zahl der illegal aus der Ukraine verschleppten Kinder auf etwa 150.000. Die Kinderrechtsbeauftragte Daria Herasymtschuk spricht sogar von bis zu 200.000 bis 300.000 Kindern. Im März 2023 erließ der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag Haftbefehle gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und die Kinderbeauftragte Maria Lwowowa-Belowa wegen Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit der gewaltsamen Deportation von Zivilisten, darunter Kindern.
Russische Assimilationspolitik gegen ukrainische Kinder
Die russische Regierung und die von ihr kontrollierten Besatzungsbehörden verfolgen eine gezielte Politik der Assimilation ukrainischer Kinder. Diese werden massenhaft nach Russland und Belarus gebracht, erhalten russische Staatsbürgerschaft und werden in Internaten oder bei russischen Familien untergebracht. Dort werden sie intensiver Propaganda ausgesetzt, um die ukrainische Identität zu vernichten und eine Eingliederung in die russische Gesellschaft zu erzwingen. Dies stellt eine Verletzung internationaler Rechtsnormen dar und kann für Jugendliche, die russische Pässe erhalten, die Einberufung zur russischen Armee bedeuten.
Instrumentalisierung der „Kinderhilfe“ durch Moskau
Russische Behörden rechtfertigen die Deportationen offiziell als „humanitäre Hilfe“. Die Zahl von rund 4,8 Millionen Ukrainern, darunter über 700.000 Kinder, die Russland angeblich „aufgenommen“ hat, wird von Maria Lwowowa-Belowa genannt. Der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski erklärte im Juni 2025, man suche die Eltern der evakuierten Kinder und würde diese zurückgeben, falls sie gefunden würden. Diese Darstellung steht im Widerspruch zu Berichten über Zwangsmaßnahmen und erzwungene Namens- und Staatsbürgerrechtsänderungen.
Fall Mironow verdeutlicht systematische Vorgehensweise
Ein Beispiel für die Verstrickung hochrangiger russischer Politiker in diese Praxis ist der Duma-Abgeordnete Sergej Mironow, der eine aus Cherson entführte ukrainische Minderjährige adoptiert hat. Dieser Fall unterstreicht die systematische Dimension der russischen Politik und erhöht den Druck auf die internationale Gemeinschaft, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.
Verletzung internationalen Rechts durch Deportationen
Die gewaltsame Deportation und das erzwungene Verschieben von Zivilbevölkerung, insbesondere von Kindern, verstoßen gegen internationales Recht, insbesondere die IV. Genfer Konvention von 1949. Die erzwungene Änderung der Staatsbürgerschaft und der Zwang zur Adoption in fremde nationale Gruppen sind schwerwiegende Verstöße, die das Recht auf nationale Identität und Schutz von Kindern untergraben.


