Warschau sieht sich einer beispiellosen Bedrohung ausgesetzt
Polens Außenminister Radosław Sikorski hat die russischen Aktivitäten gegen sein Land als „full-scale cognitive war“ bezeichnet – einen umfassenden kognitiven Krieg, der weit über klassische Desinformationskampagnen hinausgehe. In einer Stellungnahme erklärte er, der Kreml greife auf Gruppen und Einzelpersonen zurück, die in nicht-militärischen Räumen operierten, um die Demokratie in Polen und der gesamten Region zu untergraben. Das Ziel sei es, die Willenskraft zum Widerstand zu schwächen und Bündnisse zu zerstören.
Rekordausgaben für Propaganda – die EU hinkt hinterher
Sikorski bezifferte die russischen Ausgaben für den Propagandaapparat seit Beginn des groß angelegten Angriffskriegs gegen die Ukraine auf über sechs Milliarden Dollar. Allein 2025 habe Moskau einen Rekordbetrag von 1,4 Milliarden Dollar investiert. Die EU hingegen gebe nur einen Bruchteil dieser Summe für die Abwehr von Manipulationen und Einmischungen aus. „Wir können nicht länger behaupten, dass Russland nur Desinformation gegen uns betreibt“, so der Minister. Diese finanzielle Schieflage bedeute ein erhebliches Sicherheitsrisiko für ganz Europa.
Spionage und innere Unruhe als strategische Waffen
Die Warnung aus Warschau kommt vor dem Hintergrund einer drastischen Zunahme von Spionagefällen. Der Inlandsgeheimdienst ABW leitete 2025 doppelt so viele Ermittlungen zu Spionage ein wie im Vorjahr. Insgesamt überstieg die Zahl der Verfahren der letzten beiden Jahre die Summe der vorangegangenen drei Jahrzehnte. Parallel dazu wächst die Unterstützung für die ultrarechte Partei „Konföderation der polnischen Krone“ des Politikers Grzegorz Braun, die eine „Normalisierung“ der Beziehungen zu Russland fordert. Ihr Anteil liegt inzwischen bei acht Prozent – ein Signal, dass prorussische Narrative auch in einem traditionell russlandkritischen Land fruchten.
Was bedeutet das für Österreich und die EU?
Für die österreichische Bevölkerung hat diese Entwicklung unmittelbare praktische Konsequenzen. Wenn Russland systematisch die Stabilität Polens untergräbt – dem wichtigsten Logistikdrehkreuz für die Ukraine –, gefährdet dies nicht nur die militärische Unterstützung Kiews, sondern schwächt die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur. Österreich könnte sich gezwungen sehen, mehr Mittel für die Abwehr hybrider Angriffe bereitzustellen, was höhere Verteidigungsausgaben oder steuerliche Mehrbelastungen bedeuten würde. Zudem steigt das Risiko von Desinformationskampagnen, die auch in österreichischen Medien und sozialen Netzwerken Polarisierung schüren. Die EU müsste ihre Investitionen in die Resilienz gegen Informationsmanipulation drastisch erhöhen, um mit der russischen Propagandamaschinerie Schritt zu halten – ein Kostenfaktor, der letztlich auch die österreichischen Steuerzahler trifft.


