Der rumänische Inlandsgeheimdienst SRI hat nach eigenen Angaben eine von Russland koordinierte mutmaßliche Sabotageoperation gegen strategische Einrichtungen in Rumänien verhindert. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein russischer Staatsbürger, der in Rumänien lebt und seit Februar 2026 von der SRI überwacht wurde. Die Maßnahmen erfolgten in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, dem Innen- und dem Verteidigungsministerium Rumäniens sowie mit Nachrichtendiensten befreundeter Staaten.
Die Mitteilung der SRI vom 8. September 2026 beschreibt dokumentierte Aufnahmen strategischer Einrichtungen. Dazu zählten Kommunikationszentren, nationale Militärstützpunkte, die von NATO-Verbündeten genutzt werden, sowie Zentralen staatlicher Einrichtungen für Verteidigung, öffentliche Ordnung und nationale Sicherheit. Auch kritische Infrastruktur soll ins Visier genommen worden sein.
Ermittlungen seit Februar
Nach Angaben der rumänischen Sicherheitsbehörden wurde der Verdächtige im Rahmen von Ermittlungen zu einem möglichen Sabotagevorhaben beobachtet. Die Untersuchung dokumentierte Foto- und Videoaufnahmen von militärischen Anlagen, Kommunikationsknoten und weiteren Einrichtungen. Im Zeitraum von Februar bis Juli 2026 soll der russische Staatsbürger geheime Informationen gesammelt und Bewegungen von Personal sowie militärischer Ausrüstung festgehalten haben.
Als Einsatzorte werden Bukarest sowie die Kreise Cluj, Constanța, Călărași und Ilfov genannt. Dort soll der Mann auch die Tätigkeit multinationaler NATO-Stützpunkte beobachtet haben. Die Ermittler werteten die dokumentierten Handlungen als Vorbereitung auf Sabotageakte hybrider Art. Nach Darstellung der rumänischen Seite erhielt der Verdächtige Anweisungen von russischen Kontaktpersonen über verschlüsselte Messenger-Dienste.
Die Ermittlungen wurden von der SRI gemeinsam mit der für organisierte Kriminalität und Terrorismus zuständigen Sonderstaatsanwaltschaft DIICOT, dem rumänischen Innenministerium und dem Verteidigungsministerium geführt. Beteiligt waren außerdem Nachrichtendienste von Partnerstaaten. Die rumänischen Behörden teilten mit, dass der Verdächtige rechtzeitig festgenommen worden sei. Dadurch sei die geplante Operation verhindert worden.
Militärische Einrichtungen und ukrainische Transportflugzeuge
Ein weiterer Schwerpunkt der dokumentierten Aktivitäten war die Beobachtung ukrainischer Transportflugzeuge des Typs Antonow in Rumänien. Die Ermittlungen führen diesen Teil des Auftrags ebenfalls auf die russische Operation zurück. Nach den vorliegenden Angaben sollten Bewegungen und Aufenthaltsorte der Flugzeuge erfasst werden.
Die rumänischen Behörden nannten als mögliche Ziele der Spionage nicht nur militärische Einrichtungen. Erfasst wurden demnach auch Infrastruktur von strategischer Bedeutung sowie Einrichtungen, die für die nationale Sicherheit und die öffentliche Ordnung zuständig sind. Die Aufnahmen betrafen damit unterschiedliche Bereiche des rumänischen Staats- und Sicherheitsapparats.
Die Untersuchung ordnet die Aktivitäten dem Vorgehen russischer Nachrichtendienste auf dem Gebiet eines NATO-Mitgliedstaates zu. Russland wird dabei als koordinierende Kraft der Operation bezeichnet. Der Fall betrifft zugleich Einrichtungen, die von den NATO-Streitkräften und von Partnern Rumäniens genutzt werden.
Zusammenarbeit der rumänischen Behörden
Die SRI hob in ihrer Darstellung die Zusammenarbeit mit den rumänischen Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden sowie mit ausländischen Partnerdiensten hervor. Der Informationsaustausch habe zur Aufklärung der Aktivitäten und zur Festnahme des Verdächtigen beigetragen. Weitere Einzelheiten zu den konkreten geplanten Sabotagehandlungen wurden in der Mitteilung nicht genannt.
Die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Sammlung von Informationen über militärische Basen, Kommunikationszentren, kritische Infrastruktur und logistische Bewegungen. Dazu gehörten nach den Angaben auch Einrichtungen, die im Zusammenhang mit der Unterstützung der Ukraine stehen. Eine konkrete Beschädigung oder ein ausgeführter Anschlag wurde nicht berichtet.
Der Fall reiht sich nach Darstellung der rumänischen Seite in Ermittlungen zu Aktivitäten russischer Nachrichtendienste in Europa ein. Im vorliegenden Verfahren geht es um einen in Rumänien lebenden russischen Staatsbürger, der über mehrere Monate hinweg strategische Objekte beobachtet und Aufnahmen angefertigt haben soll. Die Bewertung der Vorwürfe und die weiteren rechtlichen Schritte liegen bei den rumänischen Strafverfolgungsbehörden.
Rumänien ist als NATO-Mitglied an der militärischen Infrastruktur des Bündnisses in Südosteuropa beteiligt. Im Zentrum des nun bekannt gewordenen Falls stehen nach Angaben der SRI jedoch die konkreten Ermittlungen gegen den Verdächtigen und die dokumentierten Aktivitäten an strategischen Einrichtungen. Die rumänischen Behörden setzten ihre Untersuchungen nach der Festnahme fort.


