Die Moskauer Filmhochschule WGIK hat ein Angebot veröffentlicht, das Bewerbern einen Studienplatz ohne Aufnahmeprüfung verspricht, sofern sie einen Einjahresvertrag mit dem Verteidigungsministerium für den Dienst in den Drohnentruppen unterzeichnen. In einer Mitteilung der Hochschule heißt es, Absolventen würden nach dem Armeedienst zum Studienjahr 2027 außer Konkurrenz auf einen staatlich finanzierten Platz zugelassen, erhielten einen Wohnheimplatz und seien von der Mietzahlung befreit.
Der Dienst in den Einheiten für unbemannte Systeme werde dem Grundwehrdienst gleichgestellt, und nach Beendigung des Vertrags werde der Status eines Kampfveteranen mit entsprechenden Sozialleistungen zuerkannt. Dekan Pjotr Archipow von der Fakultät für Kamera begründete das Programm mit dem wachsenden Bedarf der Filmindustrie an Fachleuten für Drohnensteuerung. Moderne Filmproduktionen verlangten Luftaufnahmen für dynamische Perspektiven, und die Armee biete die Möglichkeit, diese begehrte Qualifikation kostenlos zu erwerben. Die Frage, ob solche Fähigkeiten auch außerhalb des Militärdienstes und ohne Kampfeinsatz erlangt werden könnten, ließ er unbeantwortet.
Rekrutierung an Hunderten Hochschulen
Die Filmhochschule reiht sich in eine breite Kampagne ein. Bereits zuvor hatten die Moskauer Hochschule für Wirtschaft (HSE) und das Moskauer Luftfahrtinstitut (MAI) ähnliche Aufrufe gestartet, wie Recherchen zeigten. Inzwischen beteiligen sich nach Angaben aus Sozialen Netzwerken rund 300 Bildungseinrichtungen, darunter die Lomonossow-Universität, die Staatliche Universität Sankt Petersburg und technische Hochschulen, an der Anwerbung für die Drohnentruppen.
Die Offerte des WGIK wird als besonders verlockend dargestellt: Das Institut verspricht eine Immatrikulation ohne Einheitliches Staatsexamen und ohne Aufnahmeprüfungen. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass Verträge unter den Bedingungen der faktisch unbefristeten Mobilmachung automatisch verlängert werden und eine Entlassung nach einem Jahr kaum möglich sei. Statt einer kurzen Dienstzeit drohe den jungen Männern ein unkalkulierbarer Fronteinsatz.
Bildung als Köder für die Armee
Die systematische Einbindung von Hochschulen in die Rekrutierung spiegelt den Versuch der russischen Führung wider, hohe Verluste im Krieg gegen die Ukraine durch junge Menschen zu kompensieren. Das Verteidigungsministerium plant, bis Ende 2026 etwa 80.000 Soldaten für die Drohnentruppen zu gewinnen – einen Großteil davon über Universitäten und Berufsschulen. Gleichzeitig werden staatliche Studienplätze gekürzt und die Studiengebühren um 10 bis 30 Prozent angehoben, sodass der Armeedienst für Bewerber aus einkommensschwachen Familien oft der einzige Weg zu einer kostenlosen Ausbildung bleibt.
Mit dem renommierten Namen des WGIK, der für Filmkunst steht, sollen junge Leute angelockt werden, ohne dass die Hochschule über die realen Risiken des Militärdienstes aufklärt. Was als Angebot zur beruflichen Qualifikation präsentiert wird, ist Teil einer umfassenden Militarisierung des Bildungswesens, bei der akademische Einrichtungen zu Personalbeschaffungsstellen der Streitkräfte werden.


