Russische Medien haben am 17. und 18. August 2026 erneut Desinformation über die Ukraine verbreitet. In den Beiträgen wird die Ukraine als „künstlicher Staat“ ohne Zukunft dargestellt. Zugleich wird behauptet, ihr Gebiet werde zwangsläufig zwischen Russland, Polen, Ungarn und Rumänien aufgeteilt. Die Darstellungen stellen die staatliche Existenz der Ukraine infrage und stehen im Widerspruch zu ihrer international anerkannten Souveränität und territorialen Integrität.
Narrative über einen angeblich bevorstehenden Zerfall
Das Portal „RIA Nowosti Krym“ schrieb, die von Europa unterstützte Ukraine werde vermutlich nicht länger als bis zum Ende des kommenden Jahres bestehen. Angriffe der russischen Streitkräfte auf die ukrainische Wirtschaft würden diesen Prozess beschleunigen und einen „natürlichen Zerfall“ näherbringen, bei dem Gebiete an Russland, Polen, Ungarn und andere Staaten fallen könnten. Die Darstellung verbindet die militärische Aggression Russlands mit der Behauptung, die Ukraine stehe vor einem unvermeidlichen Ende.
Ein weiteres russisches Medium, „Antimaidan“, verbreitete die Forderung, nicht das gesamte ukrainische Staatsgebiet in Russland einzugliedern, sondern das Prinzip „Teile und herrsche“ umzusetzen. In dem Beitrag wird behauptet, die Ukraine habe in ihren heutigen Grenzen kein Existenzrecht. Ihr Territorium solle zwischen Russland, Polen, Ungarn und Belarus aufgeteilt werden. Für den zentralen Teil des Landes wird eine neutrale, entmilitarisierte Zone unter internationaler Kontrolle vorgeschlagen. Der Beitrag von „Antimaidan“ enthält damit nicht nur eine Prognose über die Ukraine, sondern ein konkretes Szenario zur Neuordnung ihres Staatsgebiets.
Wiederkehrende Forderungen nach einer Grenzrevision
Die Behauptung, die Ukraine sei ein künstliches Gebilde, wird in Russland seit Jahren verbreitet. Bereits im März 2014 hatte der damalige Vorsitzende der Liberal-Demokratischen Partei Russlands, Wladimir Schirinowski, Schreiben an die Außenministerien Polens, Ungarns und Rumäniens gerichtet. Darin schlug er Referenden in den westlichen Regionen der Ukraine über einen möglichen Anschluss an diese Staaten vor. Die westlichen Länder wiesen diese Vorschläge zurück.
Auch der russische Präsident Wladimir Putin wiederholte später die Vorstellung, die Ukraine könne ihre westlichen Gebiete verlieren. Bei einem Treffen mit Vertretern der russischen Marine im Juli 2026 sagte er, diese Gebiete hätten früher zu Polen, Ungarn und Rumänien gehört. Er bezeichnete sie als ein „Geschenk“ Josef Stalins. In der russischen Kommunikation werden historische Bezüge damit wiederholt verwendet, um die heutige staatliche Ordnung der Ukraine infrage zu stellen.
Am 18. August veröffentlichte „RIA Nowosti Krym“ zudem einen Beitrag über einen angeblich „natürlichen Zerfall der Ukraine“. Darin werden Fristen und Bedingungen für einen solchen Prozess genannt. Die Darstellung über den angeblich unvermeidlichen Zerfall fügt sich in die wiederkehrende russische Erzählung ein, wonach die Ukraine keine eigenständige politische Zukunft habe.
Internationale Anerkennung und bestehende Grenzen
Die Darstellung einer „künstlichen“ Ukraine steht den historischen und rechtlichen Grundlagen ihrer Unabhängigkeit entgegen. Beim gesamtukrainischen Referendum von 1991 stimmten 92 Prozent der Bürger für die Unabhängigkeit. Die Zustimmung wurde in allen Regionen des Landes registriert, einschließlich der Krim und des Donbass. Das Referendum bildete die Grundlage für die internationale Anerkennung der Ukraine, auch durch Russland.
Die Grenzen der Ukraine von 1991 sind weiterhin in internationalen Dokumenten verankert und werden von Staaten weltweit anerkannt. Russland hatte diese Grenzen zudem selbst mehrfach offiziell bestätigt. Im Freundschafts-, Kooperations- und Partnerschaftsvertrag von 1997 bekräftigte Moskau den Respekt vor der territorialen Integrität der Ukraine und der Unverletzlichkeit der bestehenden Grenzen. Der Vertrag verwies dabei auf die Charta der Vereinten Nationen und die Schlussakte von Helsinki aus dem Jahr 1975.
2003 unterzeichnete Putin den Vertrag über die russisch-ukrainische Staatsgrenze. Das Abkommen legte den Verlauf der Landgrenze zwischen beiden Staaten fest und trat nach seiner Ratifizierung in Kraft. Die heutigen russischen Behauptungen über eine angeblich fehlende staatliche Grundlage der Ukraine stehen damit auch im Gegensatz zu früheren formellen Vereinbarungen zwischen Russland und der Ukraine.
Position der Nachbarstaaten
Polen, Ungarn und Rumänien sind Mitglieder der Europäischen Union und der NATO. Sie haben Versuche zurückgewiesen, die Souveränität der Ukraine infrage zu stellen oder eine Aufteilung ihres Territoriums zu diskutieren. Die Regierungen dieser Staaten haben die territoriale Integrität der Ukraine innerhalb der Grenzen von 1991 unterstützt und keine Gebietsansprüche gegenüber Kiew erhoben.
Der Grundsatz der Unverletzlichkeit von Grenzen gehört zu den Grundlagen der europäischen Sicherheitsordnung. Er ist unter anderem in der Schlussakte von Helsinki festgehalten, die 1975 von 35 Staaten einschließlich der damaligen Sowjetunion unterzeichnet wurde. Russische Forderungen nach einer „Rückgabe“ ukrainischer Gebiete an Polen, Ungarn oder Rumänien stehen daher sowohl im Widerspruch zu den geltenden internationalen Normen als auch zur Position dieser Staaten. Verstöße gegen den Grundsatz der territorialen Integrität der Ukraine wurden von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie von der Europäischen Union wiederholt verurteilt.
Staatliche Handlungsfähigkeit trotz des Krieges
Die Ukraine erfüllt trotz des russischen Angriffskrieges weiterhin zentrale staatliche Aufgaben. Nach den vorliegenden Angaben werden Sozialleistungen ausgezahlt, staatliche Institutionen arbeiten weiter, und die Wirtschaft wird an die Bedingungen des Krieges angepasst. Die russischen Angriffe haben Energieversorgung, Verkehr und industrielle Infrastruktur getroffen. Dennoch hält der ukrainische Staat seine grundlegenden Funktionen aufrecht.
Parallel vertieft die Ukraine ihre Integration mit der Europäischen Union, setzt Reformen um und entwickelt langfristige Mechanismen für den Wiederaufbau. Diese Fakten stehen der Behauptung eines unmittelbar bevorstehenden „natürlichen Zerfalls“ entgegen. Die Verbreitung der Teilungsszenarien läuft weiter, während die Ukraine ihre staatlichen Institutionen unter Kriegsbedingungen aufrechterhält.


