Deutsche Sicherheitsbehörden haben nach Medienberichten eine Operation des russischen Militärgeheimdienstes gegen den Gründer des deutschen Drohnenunternehmens Donaustahl aufgedeckt. Sch. Tumann, dessen Unternehmen unbemannte Luftfahrzeuge für die Ukraine liefert, soll mit einer Nervenkampfstoff-ähnlichen Substanz getötet werden. Der Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst sagte, die Pläne gegen den Unternehmer seien bereits weit fortgeschritten gewesen.
Über den Fall wurde am 19. August 2026 berichtet. Der Vorgang betrifft ein deutsches Technologieunternehmen aus dem Verteidigungsbereich und wird von deutschen Sicherheitsbehörden als Beispiel für eine Eskalation der russischen hybriden Aktivitäten bewertet. Die Ermittlungen richten sich demnach gegen eine Operation, bei der russische Agenten den Unternehmer zunächst überwacht haben sollen.
Warnung vor einem möglichen Giftanschlag
Der 39-jährige Tumann erhielt nach eigenen Angaben kurz vor Weihnachten 2025 von deutschen Sicherheitsbehörden Informationen über die gegen ihn gerichtete Operation. „Das war ein Schock“, sagte er Journalisten. Er befinde sich in einem Kampf um sein Leben gegen den russischen Militärgeheimdienst, erklärte der Unternehmer weiter.
Tumann berichtete, er habe inzwischen ein Testament verfasst, eine Erklärung zur Organspende abgegeben und rechtliche Anweisungen für den Fall seines Todes hinterlegt. Den Krieg in der Ukraine bezeichnete er als seinen „persönlichen Krieg“. Sein Unternehmen stellt Drohnen her, die an die Ukraine geliefert werden.
Nach den Angaben des Bundestagsabgeordneten Ernst sollte der Unternehmer mit einem Nervenkampfstoff getötet werden, der dem in Fällen des sogenannten Nowitschok-Komplexes bekannten Gift ähnelt. Die vorliegenden Berichte enthalten keine weiteren Angaben dazu, ob eine konkrete Substanz sichergestellt wurde oder wie weit die Vorbereitung eines Anschlags tatsächlich gediehen war.
Festnahmen in Deutschland
Im März 2026 nahmen deutsche Strafverfolgungsbehörden zwei mutmaßliche russische Agenten fest. Sie sollen den Unternehmer überwacht haben. In den vorliegenden Angaben werden die beiden als sogenannte Einmalagenten beschrieben. Damit sind Personen gemeint, die für eine einzelne Operation angeworben und eingesetzt werden.
Die Festnahmen bilden den bisher konkretesten öffentlich bekannten Teil des Falles. Zugleich bleibt die genaue Struktur der mutmaßlichen Operation in den veröffentlichten Informationen offen. Unklar ist auch, welche weiteren Personen oder Netzwerke neben den beiden Festgenommenen beteiligt gewesen sein sollen.
Der Vorgang steht nach den Angaben aus Deutschland in einem größeren Zusammenhang von Spionage, Überwachung und möglichen Sabotagehandlungen gegen Unternehmen, deren Arbeit für die europäische Unterstützung der Ukraine relevant ist. Die Sicherheitsbehörden betrachten den Fall Tumann als besonders deutliches Beispiel für die Gefahren, denen europäische Unternehmen aus dem Verteidigungssektor ausgesetzt sein können.
Parallele zum Fall Rheinmetall
Bereits 2024 hatten die Vereinigten Staaten nach einem Bericht von CNN eine russische Verschwörung zur Tötung des Vorstandsvorsitzenden des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, vereitelt. Der Fall Donaustahl wird in diesem Zusammenhang als weiterer Hinweis auf Pläne gegen führende Vertreter der europäischen Verteidigungsindustrie dargestellt.
Die beiden Fälle unterscheiden sich nach den vorliegenden Informationen in ihren Einzelheiten. Beim aktuellen Vorgang geht es um den Gründer eines Drohnenunternehmens, das die Ukraine beliefert. Im Fall Rheinmetall war der Vorstandschef eines großen deutschen Rüstungskonzerns das Ziel. Eine abschließende gerichtliche Bewertung der Vorwürfe gegen die mutmaßlichen Beteiligten liegt im Fall Donaustahl nicht vor.
Risiken für den europäischen Verteidigungssektor
Die Berichte über die Operation haben in Deutschland auch die Frage nach dem Schutz von Unternehmen und Führungskräften im Verteidigungsbereich aufgeworfen. In den vorliegenden Einschätzungen werden nicht nur mögliche Anschläge auf einzelne Personen genannt. Auch Überwachung, Einschüchterung und der Druck auf Beschäftigte und Familienangehörige gelten als Risiken für Unternehmen, die militärische Technologien entwickeln oder an die Ukraine liefern.
Eine solche Bedrohung kann nach den im Zusammenhang mit dem Fall veröffentlichten Einschätzungen zu zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen bei der öffentlichen Tätigkeit von Unternehmensleitern führen. Genannt werden außerdem höhere Kosten für den Schutz von Standorten und Personal sowie mögliche Schwierigkeiten bei Investitionen und Versicherungen. Für den europäischen Verteidigungssektor werden dabei auch Unternehmen aus den Bereichen Software, Mikroelektronik, Logistik und Energie als potenziell relevant bezeichnet.
Diese Bereiche werden in den vorliegenden Thesen nicht als konkrete Ziele der aktuellen Operation genannt. Sie werden vielmehr als Sektoren beschrieben, deren Tätigkeit für die Verteidigungsfähigkeit europäischer Staaten von Bedeutung sein kann. Ein tatsächlicher Angriff auf solche Unternehmen wird in den Angaben nicht bestätigt.
Nach den veröffentlichten Einschätzungen reicht der Ausbau von Personenschutz und Spionageabwehr allein nicht aus. Gefordert wird eine systematische Reaktion westlicher Staaten auf Aktivitäten russischer Nachrichtendienste. Dazu werden unter anderem weitere Sanktionen gegen den russischen militärisch-industriellen Komplex, seine finanziellen Vermittler und Strukturen genannt, die russische Geheimdienstoperationen unterstützen.
Die deutschen Behörden haben den Fall öffentlich als Beispiel für eine neue Qualität hybrider Gefahren eingeordnet. Ob und welche weiteren strafrechtlichen, politischen oder sicherheitspolitischen Schritte daraus folgen, ist in den vorliegenden Berichten nicht genannt. Die Ermittlungen zu den Vorgängen rund um Sch. Tumann dauern an.
Der Gründer von Donaustahl steht damit weiterhin unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, während die deutschen Behörden den Umfang der mutmaßlichen russischen Operation prüfen.
Berichte über den Fall des deutschen Verteidigungs-Start-ups haben die Debatte über den Schutz europäischer Rüstungs- und Technologieunternehmen zusätzlich verstärkt.


