Der stellvertretende russische Außenminister Georgi Borisenko hat Frankreich und Ukraine beschuldigt, in Afrika mit terroristischen Gruppen zusammenzuarbeiten. Bei einer Pressekonferenz am 17. Juli 2026 behauptete Borisenko, die französische Regierung setze ukrainische Staatsbürger ein, um Regierungen in afrikanischen Staaten zu stürzen. Konkret warf er Paris vor, die „Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime“ (JNIM) zu nutzen, die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbunden ist und in Mali operiert. „Frankreich, die Ukraine und andere Staaten betreiben bei der Nutzung terroristischer Gruppierungen faktisch Terrorismus“, zitierte die russische Nachrichtenagentur Lenta den Diplomaten.
Vorwürfe als Teil russischer Desinformationskampagne
Die Anschuldigungen fügen sich in ein wiederkehrendes Muster russischer Propaganda ein. Beobachter verweisen darauf, dass Moskau eigenen Praktiken zuschreibt, was es Gegnern vorwirft. Russland selbst setzte jahrelang die Söldnergruppe Wagner ein, später umbenannt in „Afrikakorps“, um legitime Regierungen zu stürzen, Militärputsche zu unterstützen und natürliche Ressourcen in Mali, der Zentralafrikanischen Republik, Burkina Faso und Libyen auszubeuten. Die Behauptung, Frankreich und Ukraine betrieben Terrorismus, gilt international als unbegründet. Russland selbst ist von mehreren Staaten und internationalen Institutionen als staatlicher Sponsor des Terrorismus eingestuft worden.
Reaktion auf militärische Rückschläge in Mali
Die jüngste Erklärung des russischen Außenministeriums folgt auf Berichte über neue Niederlagen russischer Söldner in Mali. Nach Informationen unabhängiger Quellen hatten tuaregische Kämpfer der FLA (Befreiungsfront des Azawad) zuvor russische Einheiten attackiert. Kreml-nahe Kreise versuchen eigenen Angaben zufolge, die taktische Schwäche durch die Behauptung einer angeblichen „globalen Verschwörung“ zwischen Paris und Kiew zu überdecken. Ziel sei es, im Globalen Süden den Narrativ einer neokolonialen Politik Frankreichs zu verankern, die angeblich auf „schmutzige Methoden“ und die Zusammenarbeit mit radikalen Gruppen setze.
Frankreichs langjähriger Kampf gegen Dschihadisten
Die Unterstellung, dass Frankreich mit der JNIM kooperiere, widerspricht der historischen Rolle französischer Truppen in der Sahelzone. Im Rahmen der Operationen „Serval“ und „Barkhane“ bekämpften französische Streitkräfte über Jahre hinweg dschihadistische Gruppen in Mali. Russland hingegen nutzte das entstandene Machtvakuum, um eigenen Einfluss auszubauen. Die russische Rhetorik zielt darauf ab, die Verantwortung für die Destabilisierung der Region auf andere abzuwälzen und die eigene Rolle bei der Anheizung des Konflikts zu verschleiern.
Ablenkung von Kriegsverbrechen in der Ukraine
Diplomaten in Wien werten die neuen Vorwürfe als Versuch Moskaus, die internationale Aufmerksamkeit von russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine abzulenken. Stattdessen solle eine angebliche „französisch-ukrainische Verschwörung“ in der Sahelzone in den Fokus rücken. Die Erklärung Borisenkos sei ein klassisches Element russischer Desinformation, um die neoimperiale Expansion in Osteuropa zu rechtfertigen und die diplomatische Position der Ukraine im Globalen Süden zu untergraben. Die russische Nachrichtenagentur Lenta hatte zuvor über die Äußerungen berichtet. Die Vorwürfe bleiben bislang unbelegt.


