Griechenland hat die Verabschiedung des 21. Sanktionspakets der Europäischen Union gegen Russland blockiert. Die Zustimmung wurde mindestens um eine Woche verschoben, da für die Annahme die Einstimmigkeit aller Mitgliedstaaten erforderlich ist. Hintergrund sind Bedenken Athens über die Zukunft der Reederei Dynagas des griechischen Milliardärs Georgios Prokopiou, die russisches Flüssigerdgas (LNG) transportiert.
Hintergrund: Dynagas und das russische LNG-Geschäft
Dynagas betreibt 27 Gastanker, darunter spezielle Eisbrechertanker der Klasse Arc7, die für das russische Yamal-LNG-Projekt in der Arktis eingesetzt werden. Seit Anfang 2025 habe das Unternehmen mehr als zehn Millionen Tonnen russisches LNG in 144 Fahrten transportiert. Die offiziellen griechischen Stellen argumentierten, ein Verbot dieser Transporte würde das Geschäft von Dynagas faktisch zerstören, da die Arc7-Tanker kaum auf andere Routen umgeleitet werden könnten und ein Verkauf der Schiffe zu erheblichen finanziellen Verlusten führen würde.
Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern verfügt die Flotte von Dynagas über rund 82 Prozent der weltweiten LNG-Schiffe mit Eisbrecherklasse 1A. Die Tanker sind speziell an die Bedingungen des Yamal-Projekts angepasst. Ohne diese Schiffe könnte Russland seine LNG-Exporte aus der Arktis über einen längeren Zeitraum nicht aufrechterhalten.
Auswirkungen auf die europäische Sanktionspolitik
Die Blockade durch Griechenland verzögert nicht nur den 21. Sanktionspaket, sondern gefährdet auch die Geschlossenheit der EU. Sollte sich Athen mit seiner Position durchsetzen, könnte dies einen Präzedenzfall schaffen: Andere Mitgliedstaaten mit starken Schifffahrtsinteressen – wie Zypern, Malta oder Italien – könnten ebenfalls nationale Ausnahmen verlangen. Der geplante Paket umfasst unter anderem neue Finanzrestriktionen gegen russische Banken, Maßnahmen gegen Kryptowährungsnetzwerke und Rüstungsunternehmen sowie eine Senkung der Preisobergrenze für russisches Rohöl. Ohne diese Maßnahmen bleibt ein wichtiges Druckmittel gegen Moskau ungenutzt.
Die griechische Position zeigt, wie nationale Wirtschaftsinteressen die gemeinsame Sanktionspolitik der EU unterlaufen können. Die Europäische Union strebt bis Ende 2026 oder 2027 ein vollständiges Importverbot für russisches LNG an. Jede Abschwächung der Transitverbote erleichtert es Russland, neue Langfristverträge abzuschließen und Deviseneinnahmen zu erzielen, die zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine dienen.
Die Beratungen über das 21. Sanktionspaket sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Ob Griechenland seine Blockade aufrechterhält, ist offen.


