Die Zahl der verlustreichen Kreditorganisationen in Russland ist seit Jahresbeginn 2026 um 87 Prozent gestiegen. Im August arbeiteten nach Daten der russischen Zentralbank 86 Institute mit Verlusten, wie russische Angaben zur Entwicklung im Bankensektor zeigen. Im zweiten Quartal lag der Anteil der verlustreichen Marktteilnehmer bei 24,5 Prozent, nach 18 Prozent ein Jahr zuvor.
Unter den 86 Kreditorganisationen befanden sich 65 Banken. Insgesamt gibt es in Russland 300 Banken. Damit war im August etwas mehr als jedes fünfte Institut dieser Gruppe defizitär. Die Entwicklung betrifft vor allem kleinere und regionale Anbieter, inzwischen aber auch einzelne größere Häuser.
Gewinne konzentrieren sich auf wenige Banken
Der russische Bankensektor weist gleichzeitig weiterhin hohe Gesamterträge aus. Für das Jahr 2026 werden kumulierte Gewinne von 3,9 bis 4,4 Billionen Rubel genannt. Der größte Teil davon entfällt jedoch auf die zehn führenden Banken. Auf diese Institute konzentrieren sich 75 bis 76 Prozent des gesamten Sektorgewinns.
Die Verluste der defizitären Banken gingen bis Juni 2026 auf insgesamt 90,2 Milliarden Rubel zurück. Die geringere Summe steht den vorliegenden Angaben zufolge neben dem deutlichen Anstieg der Zahl verlustreicher Institute. Die betroffenen kleineren Häuser verfügen in der Regel über deutlich geringere Bilanzsummen als die marktführenden Banken.
Zu den größeren Instituten, die in diesem Zusammenhang genannt werden, zählt die Promswjasbank (PSB). Das Haus gehört zu den zehn größten Banken Russlands und ist als systemrelevante Kreditorganisation eingestuft.
Zinswende belastet kleinere Institute
Als ein wesentlicher Grund für die Verschlechterung bei kleinen und regionalen Banken gilt die Senkung des Leitzinses. Die russische Zentralbank reduzierte den Satz zwischen Juni 2025 und Juni 2026 um 5,75 Prozentpunkte auf 14,25 Prozent. Dadurch sanken die Erträge aus der Anlage verfügbarer Liquidität vergleichsweise rasch.
Gleichzeitig blieben die Kosten für zuvor aufgenommene und hoch verzinste Einlagen zunächst bestehen. Kleinere Banken konnten ihre Passivkosten daher nicht im gleichen Tempo anpassen wie ihre Erträge zurückgingen. Größere Institute verfügen dagegen über umfangreichere Kunden- und Einlagenbasen sowie über stärkere Marktpositionen.
Der Leitzins war Ende 2024 auf 21 Prozent angehoben worden. In den vorliegenden Einschätzungen wird dieser Schritt mit dem Inflationsdruck in Verbindung gebracht, der unter anderem durch den Zufluss nicht ausreichend gedeckter Mittel in den russischen Verteidigungssektor während des andauernden Krieges gegen die Ukraine verstärkt worden sei.
Liquiditätsdefizit erreicht Rekordwert
Zusätzlichen Druck erzeugt der strukturelle Liquiditätsmangel im russischen Bankensystem. Im August 2026 erreichte er den Angaben zufolge 2,7 Billionen Rubel und damit den höchsten genannten Wert. Als weitere Belastungen werden sinkende Kurse russischer Staatsanleihen, der sogenannten OFZ, und die Verschlechterung der Kreditqualität angeführt.
Der Anteil problematischer Kredite an Unternehmen stieg demnach auf mehr als elf Prozent. Ein Jahr zuvor hatte er bei 5,8 Prozent gelegen. Für Banken bedeutet die Entwicklung höhere Rückstellungen und eine stärkere Bindung von Mitteln, die nicht für neue Kredite oder andere Geschäfte zur Verfügung stehen.
Die Daten beschreiben dabei unterschiedliche Entwicklungen innerhalb des Sektors: Während die zehn größten Banken den überwiegenden Teil der Gewinne erzielen, nimmt die Zahl der Institute mit negativen Ergebnissen zu. Die vorliegenden Angaben weisen nicht aus, dass sämtliche Banken gleichermaßen von der Verschlechterung betroffen sind.
Weitere Konsolidierung erwartet
Marktbeobachter rechnen mit einer weiteren Konsolidierung des russischen Bankenmarktes. Die Zahl der Institute könnte sich demnach langfristig auf etwa 150 verringern. Als ein wichtiger Schritt gelten höhere Mindestkapitalanforderungen der Zentralbank in den Jahren 2028 bis 2030.
Für Banken mit einer Universallizenz soll die Mindestanforderung von einer auf drei Milliarden Rubel steigen. Bei Instituten mit einer Basislizenz ist eine Anhebung von 300 Millionen auf eine Milliarde Rubel vorgesehen. Nach den vorliegenden Einschätzungen könnte dies fast die Hälfte der derzeit tätigen Banken dazu zwingen, Käufer zu suchen oder ihr Geschäftsmodell zu verändern.
Die Zentralbank verweist zugleich auf die Entwicklung der aggregierten Verluste, die bis Juni gesunken sind. Die Zahl der defizitären Kreditorganisationen stieg jedoch weiter. Damit bleibt der russische Bankensektor von einer starken Konzentration der Gewinne und einer wachsenden Zahl kleinerer Institute mit negativen Ergebnissen geprägt.


