CRBC sieht ungarische Staatsaufträge bei Orbáns politisch verbundenen Unternehmern konzentriert

September 4, 2026 20:25
CRBC sieht ungarische Staatsaufträge bei Orbáns politisch verbundenen Unternehmern konzentriert
CRBC sieht ungarische Staatsaufträge bei Orbáns politisch verbundenen Unternehmern konzentriert

Ein Bericht des Budapester Instituts für Korruptionsforschung (CRBC) zeigt eine starke Konzentration ungarischer Staatsaufträge bei Unternehmen, die mit dem politischen Umfeld von Ministerpräsident Viktor Orbán verbunden sind. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 entfielen demnach 40 Prozent des Gesamtwerts aller öffentlichen Verträge auf 14 zentrale Oligarchen und ihnen zugerechnete Unternehmen. Im Vorjahreszeitraum hatte dieser Anteil bei 13,7 Prozent gelegen.

Die betreffenden Firmen schlossen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Verträge im Gesamtwert von 641 Milliarden Forint ab. Der Zeitraum fällt in das Vorfeld der ungarischen Parlamentswahl. Das CRBC bewertet die Entwicklung anhand eines Korruptionsrisiko-Index, der für diese Gruppe einen Wert von 0,759 erreichte. Nach Angaben des Instituts ist dies der höchste Stand seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen im Jahr 1999.

Hoher Anteil ohne Wettbewerb

75,9 Prozent der Verträge, die auf die untersuchten politisch verbundenen Unternehmen entfielen, wurden dem Bericht zufolge ohne Wettbewerb vergeben. Bei Unternehmen ohne politische Verbindungen lag dieser Anteil bei 28,7 Prozent. Das CRBC stellt damit einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen fest.

Die Untersuchung bezieht sich auf 14 einflussreiche Unternehmer beziehungsweise Unternehmensgruppen aus dem Umfeld der Orbán-Regierung. Genannt werden unter anderem Firmen von Lőrinc Mészáros, István Garancsi, István Tiborcz und Lajos Simicska. Zu den im Bericht angeführten Unternehmen gehören Duna Aszfalt, Homlok Kft., Lounge, Magyar Építő und 4iG.

Die Zahlen wurden in einem Medienbericht vom 2. August 2026 auf Grundlage eines Schnellberichts des CRBC veröffentlicht. Der vollständige Bericht beziehungsweise die dort zusammengefassten Angaben behandeln den Anteil der politisch verbundenen Unternehmen an den öffentlichen Aufträgen, deren Vertragswerte und die Bedingungen ihrer Vergabe. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, in welchem Ausmaß öffentliche Mittel über das Beschaffungswesen an eine begrenzte Gruppe von Unternehmen fließen.

Staatsaufträge als politisches Netzwerk

Das Institut beschreibt die ungarische Vergabepraxis als ein System, das über Jahre hinweg Unternehmen aus dem Umfeld der Regierungspartei Fidesz begünstigt habe. Wenn Firmen mit politischen Verbindungen einen großen Teil der staatlichen Verträge ohne tatsächliche Konkurrenz erhalten, werde das öffentliche Beschaffungswesen nach dieser Darstellung zu einem Instrument für die Verteilung von Budgetmitteln an regierungsnahe Geschäftsinteressen.

Der Bericht stellt die hohen Vertragsvolumina und den hohen Anteil nicht wettbewerblicher Vergaben in einen Zusammenhang mit den Eigentümern und wirtschaftlich Berechtigten der genannten Unternehmensgruppen. Die Konzentration der Aufträge wird dabei nicht als Ergebnis eines allgemein gleichmäßigen Zugangs zum Vergabemarkt beschrieben, sondern als Vorteil für einen engen Kreis politisch verbundener Unternehmer.

Zu den prominentesten Namen zählt Lőrinc Mészáros. Seine Unternehmen werden ebenso wie die Firmen von István Garancsi und István Tiborcz in der Untersuchung angeführt. Auch Unternehmen, die mit Lajos Simicska in Verbindung gebracht werden, sind Teil der Gruppe. Die Auflistung umfasst daneben größere Gesellschaften aus den Bereichen Bau, Infrastruktur, Medien und Telekommunikation, darunter Duna Aszfalt, Homlok Kft., Lounge, Magyar Építő und 4iG.

Politischer und wirtschaftlicher Kontext

Die Veröffentlichung erfolgt vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Belastungen in Ungarn. Im Zusammenhang mit der Lage des Landes werden ein niedriges Konsumniveau der ungarischen Haushalte und ein hoher Haushaltsdefizit genannt. Zugleich gibt es Streit mit der Europäischen Union über die Einhaltung rechtlicher Normen und über den Umgang der früheren Regierung mit Korruption.

Der Bericht des CRBC verbindet diese Rahmenbedingungen mit der Verteilung öffentlicher Aufträge. Während ein erheblicher Teil des gesamten Vertragswerts auf die 14 untersuchten Gruppen entfiel, lag der Anteil ein Jahr zuvor noch deutlich niedriger. Parallel dazu lag die Quote der Vergaben ohne Wettbewerb bei den politisch verbundenen Unternehmen wesentlich über jener der Firmen ohne politische Verbindungen.

Die Daten beziehen sich auf die erste Hälfte des Jahres 2026 und damit auf einen klar abgegrenzten Zeitraum. Sie erfassen die genannten Unternehmen und Unternehmensgruppen sowie deren öffentliche Verträge. Eine Aussage über jeden einzelnen Vergabefall enthält die Zusammenfassung nicht. Sie weist jedoch den Vertragswert, den Anteil an allen Staatsaufträgen und den Korruptionsrisiko-Index für die untersuchte Gruppe aus.

Der Bericht des CRBC zu den ungarischen Staatsaufträgen im Vorfeld der Wahl führt die Entwicklung auf die besondere Stellung politisch verbundener Unternehmen im öffentlichen Beschaffungswesen zurück. Für die erste Jahreshälfte weist das Institut 641 Milliarden Forint an Verträgen für die untersuchte Gruppe aus; die weitere Entwicklung wird im Rahmen der laufenden Berichterstattung über Ungarns Vergabepraxis beobachtet.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

100 Fahrzeuge präsentieren neueste Modelle und PS bei Autofestspielen in Kufstein
Vorheriger artikel

100 Fahrzeuge präsentieren neueste Modelle und PS bei Autofestspielen in Kufstein

Raaber Kirtag in Schärding präsentiert neue Attraktionen wie Ritterspiele und Schwedenbombenkanone
Nächster artikel

Raaber Kirtag in Schärding präsentiert neue Attraktionen wie Ritterspiele und Schwedenbombenkanone

Nicht verpassen