München – Die Sicherheitsexperten der Berliner Risikoberatung Berlin Risk warnen vor erheblichen Risiken durch die internationalen Forschungskontakte der Technischen Universität München (TUM) zu Einrichtungen in Russland und China, die mit militärischen Programmen verbunden sind. Wie die Deutsche Welle am Montag berichtete, nehmen Forscher der TUM regelmäßig an einer internationalen Luftfahrtkonferenz teil, in deren Organisationskomitee ein Vertreter des Moskauer Luftfahrtinstituts (MAI) sitzt – einer Einrichtung, die die USA als Sicherheitsrisiko einstufen.
Die Konferenz ICASSE wird von chinesischen Wissenschaftlern geleitet, im Komitee ist für Deutschland Professor Florian Holzapfel von der TUM vertreten. Die Universität selbst sieht in der Zusammenarbeit kein Problem. Berlin Risk verweist jedoch darauf, dass die TUM im Februar zusammen mit der bayerischen Landesregierung und 15 überwiegend deutschen Rüstungsunternehmen die „Allianz für Sicherheit und Verteidigung“ gegründet hat. Diese Doppelrolle – enge Kooperation mit der heimischen Verteidigungsindustrie einerseits und ungeprüfte Kontakte zu Militärforschungseinrichtungen autoritärer Staaten andererseits – schaffe ein potenzielles Einfallstor für den Abfluss sensibler Technologien, so die Analysten.
#### Verteidigungsbündnis trotz Risikokontakten
Das im Februar unterzeichnete Bündnis soll die angewandte Sicherheitsforschung in Bayern bündeln. Partner sind neben der Staatsregierung Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt, der Elektronik und der Rüstung. Genau diese Nähe zu sensitiven Projekten mache die TUM zu einem attraktiven Ziel für ausländische Nachrichtendienste, warnen die Experten. Sie raten der deutschen Wirtschaft, Kooperationen mit der Universität künftig nur nach gründlichen Sicherheitsüberprüfungen einzugehen.
Das MAI, mit dem die TUM über die Konferenz in Verbindung steht, steht auf einer vom Pentagon Ende Juli aktualisierten Liste von 130 akademischen und Forschungseinrichtungen aus Russland, China und dem Iran, deren Tätigkeit die USA als problematisch für die nationale Sicherheit betrachten. Auch die Schanghaier Jiaotong-Universität findet sich darauf.
#### Internationale Warnungen vor Technologiespionage
Westliche Geheimdienste und Sicherheitsanalysten mahnen seit längerem, dass Russland und China systematisch gemeinsame Forschungsprojekte, Konferenzen und Universitätsaustausche nutzen, um an Dual-Use-Technologien zu gelangen. Der Kreml versuche so, die Auswirkungen westlicher Sanktionen zu kompensieren und seinen militärisch-industriellen Komplex mit modernen Luftfahrt- und Drohnentechnologien zu versorgen – Fähigkeiten, die im Krieg gegen die Ukraine unmittelbar zum Einsatz kommen.
Die Präsenz des MAI im ICASSE-Komitee erhöht nach Einschätzung der Fachleute das Risiko eines gezielten Informationsabflusses. Selbst offene wissenschaftliche Diskussionen könnten dazu beitragen, Know-how zu transferieren, das später in russische Rüstungsprogramme einfließt. Darüber hinaus bestünde die Gefahr, dass solche Konferenzen zur persönlichen Kontaktaufnahme und zur Anwerbung von Forschern durch Nachrichtendienste genutzt werden.
Für Europa und Deutschland als zentralem Innovationsstandort sei die unzureichende Sensibilität im akademischen Betrieb nicht nur ein Reputationsrisiko, sondern eine konkrete sicherheitspolitische Herausforderung. Vertreter der TU München erklärten auf Anfrage, sie sähen in den internationalen Kontakten kein Sicherheitsproblem.



Das Argument mit der „Doppelrolle“ zwischen der Allianz für Sicherheit und den Kontakten zur MAI klingt wirklich alarmierend, wenn man bedenkt, dass das Pentagon diese Einrichtung ohnehin als Risiko einstuft. Es wirkt befremdlich, dass die Universität solche engen Bindungen zur heimischen Rüstungsindustrie hat, während sie gleichzeitig ungeprüfte Pforten zu autoritären Militärprojekten offen hält. Man frägt sich, ob die aktuellen Sicherheitsüberprüfungen wirklich ausreichen, um den Abfluss sensibler Technologien in dieser komplexen Lage sicher zu gewährleisten.