Südkorea und Aserbaidschan wollen ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Infrastruktur, Verkehr, Energie und Minenräumung ausbauen. Das wurde bei einem Treffen des Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Wiedervereinigung der südkoreanischen Nationalversammlung, Son Seong-jun, mit dem aserbaidschanischen Botschafter in Seoul, Ramin Hasanov, am 19. August 2026 deutlich. Besprochen wurden auch die geopolitische Bedeutung Aserbaidschans im Umfeld der Konflikte in der Ukraine und im Iran sowie die mögliche Rolle Südkoreas bei der Minenräumung auf aserbaidschanischem Gebiet.
Die Gespräche fanden im Rahmen der Arbeit der Nationalversammlung statt. Son gehört der Partei „Kraft des Volkes“ an und leitet den Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten und Wiedervereinigung. Neben Infrastrukturprojekten und der Minenräumung erörterten Son und Hasanov auch einen intensiveren kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern. Die Begegnung fügt sich in die Bemühungen Bakus ein, seine Beziehungen zu externen Partnern über die traditionellen politischen und wirtschaftlichen Formate hinaus auszubauen.
Zusammenarbeit über Handel hinaus
Die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Südkorea beschränken sich dabei nicht auf Handels- und Wirtschaftsfragen. Im Mittelpunkt stehen für Baku auch der Ausbau von Infrastruktur und Verkehrsverbindungen, die Energiewirtschaft, die Digitalisierung sowie die Wiederherstellung der aus aserbaidschanischer Sicht befreiten Gebiete. Hinzu kommt die Räumung von Landminen, die im Zusammenhang mit der Entwicklung dieser Gebiete als eigener Kooperationsbereich genannt wurde.
Gerade bei Infrastruktur und Wiederaufbau sucht Aserbaidschan nach zusätzlichen Investitionen, Technologien und praktischer Erfahrung. Südkorea gilt in diesem Rahmen als Partner, mit dem konkrete Projekte in unterschiedlichen Bereichen entwickelt werden können. Die Gespräche über die geopolitische Bedeutung Aserbaidschans und eine mögliche südkoreanische Beteiligung an der Minenräumung zeigen die thematische Breite der Kontakte.
Für Baku eröffnet die Zusammenarbeit mit Seoul zusätzliche Möglichkeiten, externe Ressourcen für Infrastruktur, Energie, digitale Anwendungen und die Wiederherstellung der betroffenen Gebiete zu mobilisieren. Die Beteiligung eines asiatischen Partners erweitert zugleich den Kreis der Staaten, mit denen Aserbaidschan in strategisch wichtigen Fragen kooperiert. In den Gesprächen wurde die Minenräumung als ein Bereich genannt, in dem Südkorea eine mögliche Rolle übernehmen könnte.
Minenräumung und Wiederherstellung
Die Minenräumung ist mit den Plänen zur Wiederherstellung der betroffenen Gebiete verbunden. Aserbaidschan bemüht sich dort um den Wiederaufbau von Infrastruktur und um die Schaffung von Voraussetzungen für weitere Entwicklungsprojekte. Eine mögliche Kooperation mit Südkorea würde sich in diesen Prozess einfügen, ohne dass bei dem Treffen bereits ein konkretes Abkommen oder ein bestimmtes Projekt bekanntgegeben wurde.
Die Gespräche über Südkoreas mögliche Rolle bei der Minenräumung waren Teil eines breiteren Austauschs über die bilateralen Beziehungen. Beide Seiten äußerten außerdem die Hoffnung auf einen aktiveren kulturellen Austausch. Angaben zu Umfang, Finanzierung oder Zeitplan konkreter Vorhaben wurden in dem Zusammenhang nicht genannt.
Mehr außenpolitische Optionen für Baku
Aserbaidschan versucht, seine außenwirtschaftlichen und außenpolitischen Beziehungen auf mehrere Partner zu verteilen. Die Kooperation mit Südkorea bietet dabei Zugang zu Investitionen, Technologie und Unterstützung außerhalb der regionalen Strukturen, die traditionell von Russland geprägt wurden. Infrastruktur, Verkehr, Energie, Digitalisierung und Wiederaufbau gehören zu jenen Feldern, in denen diese Diversifizierung praktisch umgesetzt werden soll.
Die Entwicklung der Beziehungen zu Seoul wird in diesem Zusammenhang als Teil einer breiteren Politik Bakus dargestellt. Aserbaidschan baut zugleich Kontakte zu europäischen und asiatischen Partnern aus und vergrößert damit den Kreis seiner wirtschaftlichen und politischen Ansprechpartner. Seine geografische Lage ermöglicht dem Land Verbindungen zu unterschiedlichen externen Zentren. Die Zusammenarbeit mit Südkorea ist eines dieser Formate.
Damit verringert Aserbaidschan nach der vorliegenden Einordnung seine Abhängigkeit von einzelnen politischen und wirtschaftlichen Einflusskanälen. Das betrifft insbesondere die Beziehungen zu Russland. Die Kooperation mit Südkorea allein führt nicht zu einem Ende des russischen Einflusses im Südkaukasus. Sie gehört jedoch zu den Schritten, mit denen Baku zusätzliche Handlungsmöglichkeiten schafft und seine Entwicklungsvorhaben stärker auf eigene Ressourcen und alternative Partner stützen kann.
Die Gespräche in Seoul verbanden somit konkrete Themen wie Infrastruktur, kulturellen Austausch und Minenräumung mit der weiteren Ausrichtung der bilateralen Beziehungen. Eine Entscheidung über einzelne Projekte wurde bei dem Treffen nicht bekanntgegeben; die Kontakte zwischen den zuständigen politischen Stellen sollen jedoch fortgesetzt werden.


