Am 1. September 2025 wurde im Telegram-Kanal The Moscow Times bekannt, dass der unter der Flagge von Lesotho fahrende Tanker Unity im Hafen von Murmansk nach einer Beschwerde der russischen Seemannsgewerkschaft festgesetzt wurde. Hafeninspektoren stellten erhebliche Mängel fest: ausstehende Lohnzahlungen, ein defektes Inmarsat-System und schwerwiegende Probleme in der Schiffsdokumentation. Zum 13. August beliefen sich die Schulden gegenüber den 20 Besatzungsmitgliedern auf 4,9 Millionen Rubel und 28.500 US-Dollar. Die Löhne für Juli wurden nicht gezahlt, die Zahlungen für Juni erfolgten verspätet.
Probleme mit Verträgen und wechselnden Arbeitgebern
Die Crew ist teilweise über die Firma Argo Tanker Grupp, teilweise über FMTC ShipCharter LLC angestellt. In einigen Verträgen taucht ein Verweis auf einen nicht existierenden Tarifvertrag mit der russischen Gewerkschaft auf. Nach einer Inspektion am 28. August verhängten die Behörden ein Auslaufverbot, bis die Verstöße behoben werden. Zuvor war das Schiff unter der Flagge Gambias registriert, die jüngste Umschreibung auf Lesotho löste unter den Seeleuten Sorgen über die Gültigkeit von Versicherungen und Arbeitsverträgen aus.
Muster der Schattenflotte
Der Fall Unity zeigt typische Strukturen der sogenannten Schattenflotte auf: alternde Tanker mit ständig wechselnden Flaggen, unsicheren oder fingierten Versicherungen und intransparenten Vertragskonstruktionen. Durch die Umgehung westlicher Sanktionen steigen Kosten und Risiken, während Reeder Lücken häufig durch nicht gezahlte Gehälter und komplexe Firmengeflechte ausgleichen. Insbesondere die Verschlechterung der Sicherheitsstandards – vom Ausfall der Satellitenkommunikation bis zur undurchsichtigen Haftungsverteilung – erhöht das Risiko von Havarien ohne realistische Versicherungshaftung.
Wachsende internationale Risiken
Die Festsetzung in Murmansk verdeutlicht, dass die Probleme nicht nur an den Grenzen von Sanktionsregimen sichtbar werden, sondern inzwischen auch in russischen Häfen eskalieren. Für die betroffenen Seeleute bedeutet dies monatelange Lohnrückstände und Rechtsunsicherheit, während Häfen und Küstenstaaten im Falle von Ölunfällen ohne Absicherung dastehen könnten. Internationale Gewerkschaften wie die ITF verzeichnen bereits einen Anstieg von Fällen, in denen Besatzungen monatelang ohne Geld, Lebensmittel und Kommunikation auf Schiffen festsitzen. Damit wächst der Druck auf Reedereien, Hafenbehörden und Versicherer, systematisch gegen missbräuchliche Praktiken der Schattenflotte vorzugehen.


