Die russische Tochter der italienischen Bankengruppe UniCredit empfiehlt ihren Privatkunden, Konten und Karten zu schließen und Guthaben auf ein anderes Kreditinstitut zu übertragen. Entsprechende Mitteilungen verschickt nach Medienberichten die Kundenbetreuung des „UniCredit Bank“ in Russland. Als Begründung nennt das Institut den weiteren Abbau seines Privatkundengeschäfts auf dem russischen Markt. Die Berichte über die Empfehlungen an russische Kunden wurden am 2. September 2026 veröffentlicht.
Eine Anordnung zur zwangsweisen Beendigung bestehender Verträge wurde zunächst nicht bekannt. Die Kunden werden jedoch aufgefordert, ihre Karten nicht weiter zu verwenden, die Konten aufzulösen und verbleibende Mittel zu transferieren. Nach Angaben aus dem Kundenservice soll dies unter anderem über das russische System für schnelle Zahlungen möglich sein.
Rückzug aus dem Privatkundengeschäft
Der „UniCredit Bank“ gehört in Russland zu den systemrelevanten Kreditinstituten. Die italienische Gruppe hatte bereits 2022, nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, einen möglichen Rückzug aus dem russischen Markt angekündigt. Seither wurde das Geschäft schrittweise verkleinert. Betroffen waren unter anderem die Kreditvergabe und die Zahl der betreuten Kunden.
Seit 2025 nimmt die Bank keine neuen Firmenkunden mehr auf. Im Privatkundengeschäft wurde die operative Tätigkeit ebenfalls stark reduziert. In Moskau ist nach den vorliegenden Angaben nur noch eine Filiale für Privatkunden geöffnet. Für Kundinnen und Kunden, die eine persönliche Betreuung oder Bankbestätigungen und andere Dokumente benötigen, konzentrieren sich diese Dienstleistungen damit auf eine einzige verbliebene Anlaufstelle.
Die nun ausgesprochenen Empfehlungen zur Schließung von Konten und zur Auflösung von Karten stehen in diesem länger laufenden Abbauprozess. Die Bank soll Kunden außerdem dazu aufgefordert haben, ihre Konten nicht mehr aufzuladen. Eine vollständige Einstellung des operativen Geschäfts in Russland wurde damit jedoch nicht offiziell bestätigt.
Geplante Aufteilung des russischen Geschäfts
Im Mai 2026 kündigte UniCredit eine Vereinbarung mit einem privaten Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten über den Verkauf eines Teils des russischen Geschäfts an. Nach dem vorgestellten Modell soll der „UniCredit Bank“ in zwei Strukturen aufgeteilt werden.
Ein Teil der Aktivitäten soll in eine neue juristische Einheit überführt werden, die vollständig unter der Kontrolle von UniCredit bleibt. Der bisherige Bankbetrieb soll hingegen an den Investor verkauft werden. Nach den Plänen der italienischen Gruppe soll bei UniCredit vor allem das Geschäft mit internationalen Zahlungen verbleiben. Dabei geht es überwiegend um Transaktionen in Euro und US-Dollar für westliche und russische Firmenkunden, die nicht unter Sanktionen stehen.
Andere Geschäftsfelder sollen an den neuen Eigentümer übergehen. Die geplante Struktur trennt damit jene Aktivitäten, die UniCredit weiterführen will, von einem größeren Teil des bisherigen Russlandgeschäfts. Für Privatkunden wird parallel der Zugang zu den Dienstleistungen der italienischen Bank weiter eingeschränkt.
Regulatorischer Druck und eingeschränkte Transfers
Die europäischen Sanktionen gegen Russland sowie die Vorgaben des Europäischen Zentralbank haben die Möglichkeiten europäischer Banken eingeschränkt, Geschäfte mit russischen Kunden und Unternehmen abzuwickeln. Für UniCredit verschärften sich nach den Angaben im Zusammenhang mit dem Russlandgeschäft zudem die regulatorischen Risiken. Genannt wird auch das Risiko möglicher Sekundärsanktionen der US-Behörden.
Die Einhaltung der Sanktionsvorgaben der Europäischen Union begrenzt insbesondere grenzüberschreitende Transaktionen. Dadurch ist der Spielraum für die Betreuung russischer Kunden kleiner geworden. UniCredit baut deshalb jene Geschäftsbereiche ab, die nicht zum verbleibenden Schwerpunkt internationaler Zahlungen für nicht sanktionierte Unternehmen gehören.
Der Rückzug erfolgt zugleich in einem schwierigen Umfeld für das russische Privatkundengeschäft. Hohe Zinsen und die angespannte wirtschaftliche Lage belasten die Kreditvergabe. Für Banken steigen damit die Risiken bei der Rückzahlung von Darlehen. Für eine Bank mit ausländischem Eigentümer kommen die regulatorischen Vorgaben und die Beschränkungen bei grenzüberschreitenden Geschäften hinzu.
Eine Verringerung des Privatkundenportfolios begrenzt die weitere Vergabe von Krediten an Privatpersonen. Damit reduziert die Bank auch den Umfang jener Vermögenswerte, für die zusätzliche Risikovorsorgen erforderlich sein könnten. Die Schließung von Filialen und die Einstellung der Neukundengewinnung sind weitere Schritte des seit Jahren angekündigten Rückzugs.
Weniger Optionen für internationale Zahlungen
Für russische Privatkunden war UniCredit über längere Zeit eine der wenigen ausländischen Bankengruppen mit einer Präsenz im Land. Über die Bank konnten Kunden internationale Überweisungen abwickeln und Fremdwährungsguthaben im Rahmen der Regeln einer europäischen Bankengruppe halten. Mit dem Abbau des Privatkundengeschäfts fällt dieser Zugang schrittweise weg.
Andere ausländische Banken, die weiterhin in Russland tätig sind, stehen ebenfalls unter dem Druck europäischer und amerikanischer Sanktions- und Aufsichtsregeln. Ihre Bedingungen für grenzüberschreitende Zahlungen können dadurch eingeschränkt sein. Für Kunden betrifft dies unter anderem Gebühren, Transferlimits und die Zahl der verfügbaren Zahlungswege.
UniCredit beschränkt seinen Russlandauftritt damit zunehmend auf jene Bereiche, die nach den bisherigen Plänen unter eigener Kontrolle bleiben sollen. Die Empfehlungen an Privatkunden zur Schließung von Konten und Karten bilden den bislang deutlichsten Schritt beim Abbau des Retailgeschäfts; die internationalen Firmenkundenzahlungen sollen davon getrennt fortgeführt werden.


