Die lettische Staatssicherheit VDD hat die Anklage gegen vier Personen beantragt, die im Auftrag russischer Geheimdienste mutmaßlich Sabotage gegen kritische Infrastruktur vorbereitet haben. Die Behörde bestätigte am 27. Oktober, dass sich das Verfahren auf Handlungen gegen strategische Objekte der Republik bezieht, darunter auch vorsätzliche Brandstiftungen. Details wurden zuvor unter anderem von Delfi, Radio Swoboda und Eurointegration berichtet. Drei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft, einer von ihnen verbüßt bereits eine andere Strafe.
Ermittlungen seit 2024
Das Ermittlungsverfahren wurde am 10. Juni 2024 eingeleitet und deckte eine von russischen Diensten initiierte Gruppe auf, deren Ziel schwere Straftaten gegen den lettischen Staat gewesen sein sollen. Zwei der Beschuldigten sind lettische Staatsbürger. Laut VDD sollen die Beteiligten Brandanschläge organisiert und durchgeführt haben, darunter im Herbst 2023 gegen ein Objekt eines privaten Unternehmens, das für das Verteidigungsministerium arbeitete. Zudem sollen die Verdächtigen Aufklärungen an kritischer Infrastruktur durchgeführt und Bildmaterial nach Russland übermittelt haben.
Kontext: Hybride Bedrohungslage im Baltikum
Lettland zählt mit 437.587 ethnischen Russen per 1. Januar 2024 die größte russische Minderheit in den baltischen Staaten, was rund 23 Prozent der Bevölkerung entspricht. Seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 intensiviert Moskau seine hybride Einflussnahme gegen Baltikumstaaten. Dazu gehören militärische Signale wie die russisch-belarussischen Manöver „Sapad-2025“ sowie Marineaktivitäten in der Ostsee parallel zu NATO-Übungen.
Infrastruktur, Information und Cyberangriffe
Ein wichtiger Aspekt dieser hybriden Strategie sind Sabotage- und Spionageaktivitäten gegen maritime Infrastruktur der EU und NATO. In den vergangenen Jahren wurden mehrfach Unterseekabel und Pipelines beschädigt, zudem stört Russland systematisch GPS-Signale in der Region. Ergänzend führt Moskau Informationskampagnen über angebliche Diskriminierung russischsprachiger Gruppen in Lettland und nutzt politische Spannungen wie die Ausweisung von Personen ohne Sprachprüfung. Hinzu kommen andauernde Cyberangriffe gegen die baltischen Staaten seit den Attacken auf Estland 2007.
Zusätzliche Sicherheitsrisiken durch Drohnen
Aktuell verzeichnet die Region vermehrte Eindringflüge von Drohnen und Wetterballons aus Russland und Belarus. Auch russische Schiffe sollen entsprechende Aktivitäten unterstützen. Betroffen waren zuletzt strategische Bereiche in Litauen, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland, darunter Energieanlagen, militärische Zonen und Flughäfen. Lettland stuft diese Muster als Teil einer fortgesetzten hybriden Bedrohung ein.


