In Düsseldorf soll am 26. Oktober 2026 eine Veranstaltung der AfD zur Kulturpolitik mit einem Rundgang an bedeutenden Kultureinrichtungen der Stadt verbunden werden. Gegen den Auftritt des Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich sind Proteste angekündigt; die Polizei rechnet bei den Gegenkundgebungen mit mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur Helferichs umstrittene politische Biografie. Der Konflikt berührt auch die Frage, welche Bedeutung kulturelle Orte in einer politischen Inszenierung bekommen können – und ob öffentliche Kulturförderung künftig davon abhängig werden könnte, welche Positionen ein Haus auf die Bühne bringt.
Ein Politiker zwischen Parlament und Kulturlandschaft
Helferich ist dafür bekannt, sich selbst als „freundliches Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnet zu haben. Die AfD hat seinen geplanten Auftritt zum Thema Kulturpolitik mit einer Route entlang führender Kultureinrichtungen in Düsseldorf verknüpft. Künstlerinnen und Künstler, Galeristen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen wenden sich gegen das Vorhaben.
Die Einrichtungen entlang der geplanten Strecke werden damit nicht automatisch zu Veranstaltern. Ihre symbolische Bedeutung ist jedoch ein zentraler Bestandteil der Kritik. Museen, Galerien und andere Kulturorte stehen für historische Erinnerung, künstlerische Auseinandersetzung und öffentlichen Austausch. Werden sie zum Umfeld einer Parteiveranstaltung, kann dieses Umfeld selbst Teil der politischen Botschaft werden.
Kritiker der AfD sehen in dem Format den Versuch, deutsches Kulturerbe für eine nationalistische Deutung zu vereinnahmen. Nach ihrer Einschätzung will die Partei ihre Themen über das Parlament hinaus sichtbar machen und Fragen nach Geschichte, Identität und Zugehörigkeit in einen eigenen kulturpolitischen Rahmen stellen.
Diese Deutung stammt von den Gegnern der AfD und ist keine unabhängig festgestellte Aussage über die innere Absicht der Organisatoren. Fest steht aber, dass die Partei einen umstrittenen Abgeordneten nicht nur in einem klassischen Veranstaltungsraum sprechen lassen will, sondern seinen Auftritt mit einem öffentlichen Weg durch die Düsseldorfer Kulturlandschaft verbindet. Genau dadurch wird die Grenze zwischen Parteipolitik und kulturellem Raum zum Streitpunkt.
Die Sorge vor politischer Steuerung von Fördermitteln
Zusätzliche Schärfe erhält die Auseinandersetzung durch Aussagen von AfD-Vertretern zur öffentlichen Finanzierung von Kultur. Kritiker befürchten, dass Einrichtungen ihre staatliche Unterstützung verlieren könnten, wenn sie linke Veranstaltungen oder Programme ausrichten, die sich kritisch mit rechten Kräften auseinandersetzen.
Für den Düsseldorfer Termin ist kein Entzug von Fördermitteln gegenüber einer bestimmten Institution dokumentiert. Es geht vielmehr um eine politische Linie, die nach Ansicht der Gegner der AfD erhebliche Folgen hätte, sollte sie in konkrete Entscheidungen einfließen. Förderungen würden dann nicht mehr allein nach künstlerischer Qualität, professionellen Kriterien, gesellschaftlicher Bedeutung oder der Arbeit einer Einrichtung beurteilt. Auch die politische Richtung eines Programms könnte zum Maßstab werden.
Das würde den Druck auf unabhängige Kulturhäuser an einer empfindlichen Stelle erhöhen. Viele von ihnen finanzieren Ausstellungen, Diskussionen und Aufführungen mit öffentlichen Mitteln, weil solche Programme nicht immer durch Eintrittsgelder oder private Einnahmen getragen werden können. Wenn die Förderung vom politischen Wohlwollen abhängig wäre, könnte schon die Aussicht auf finanzielle Konsequenzen die Programmplanung beeinflussen.
Ein formelles Verbot wäre dafür nicht notwendig. Es könnte genügen, wenn Veranstalter aus Sorge vor Kürzungen auf Debatten über Autoritarismus, Rassismus oder die extreme Rechte verzichten. Kulturelle Einrichtungen würden dann nicht unmittelbar geschlossen, ihre Themenwahl würde sich aber möglicherweise vorsichtiger und politisch angepasster entwickeln.
Warum der Protest über einen einzelnen Auftritt hinausweist
Die angekündigten Gegenkundgebungen richten sich deshalb gegen zwei Ebenen des AfD-Vorhabens. Zum einen geht es um die öffentliche Präsenz Helferichs und die politische Botschaft, die Kritiker mit seiner Person verbinden. Zum anderen geht es um die Entscheidung, den Auftritt in Beziehung zu wichtigen Kulturorten zu setzen.
Eine Partei kann ihre Positionen öffentlich vertreten. Daraus folgt jedoch nicht, dass kulturelle Institutionen als parteipolitische Bühnen dienen müssen. Ebenso wenig ist damit beantwortet, ob Einrichtungen, die rechte Parteien kritisieren oder linke Veranstaltungen zulassen, bei der Vergabe öffentlicher Mittel benachteiligt werden dürfen.
Die Auseinandersetzung in Düsseldorf macht damit einen Konflikt sichtbar, der über die geplante Veranstaltung hinausreicht. Kultur ist ein Ort politischer Debatten, ohne selbst einer Partei gehören zu müssen. Öffentliche Förderung soll normalerweise ermöglichen, dass unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden – auch solche, die Regierungen, Parteien oder gesellschaftliche Mehrheiten kritisieren.
Wie groß der Protest am 26. Oktober ausfällt und ob der geplante Rundgang tatsächlich stattfindet, wird erst am Veranstaltungstag feststehen. Schon jetzt ist aber klar, worum es in Düsseldorf geht: nicht nur um den Auftritt eines umstrittenen Abgeordneten, sondern um die Frage, ob kulturelle Räume zur Kulisse für eine nationale politische Deutung werden und ob staatliche Unterstützung künftig als Druckmittel gegen missliebige Programme eingesetzt werden kann.
Über die geplanten Proteste und die Veranstaltung berichtete der Westdeutsche Rundfunk.


