Das polnische Portal hat die Auflösung der ukrainischen Staatlichkeit als angeblichen Beitrag zur Sicherheit Polens dargestellt. In einem am 16. Oktober 2026 veröffentlichten Beitrag werden entweder die Eingliederung der Ukraine in Russland oder ihre vollständige politische Unterordnung unter Moskau als Lösungen für die Sicherheit der polnischen Ostgrenze genannt.
Damit kehrt das Portal die sicherheitspolitische Logik Warschaus und der NATO um: Nicht die russische Aggression, sondern ein souveräner Nachbar erscheint als Gefahr. Zugleich verbindet der Text diese Forderung mit der antisemitischen Verschwörungserzählung vom „weltweiten Zionismus“ und stellt russische Kontrolle über die Ukraine als stabilisierende Maßnahme dar.
Eine Unterwerfung als angebliche Sicherheitsgarantie
Im Mittelpunkt des Beitrags steht die Behauptung, die polnische Staatlichkeit sei nach fast vier Jahrzehnten der Dritten Republik so stark „degradiert“ worden, dass die Sicherheit der Ostgrenze nur noch durch eine Eingliederung der Ukraine in Russland oder durch ihre vollständige politische Abhängigkeit von Moskau gewährleistet werden könne. Russland, so die Argumentation, würde dann keine Ansprüche gegen Polen erheben.
Eine Ukraine, die in der Einflusssphäre des angeblichen „weltweiten Zionismus“ verbleibe, stelle für Polen dagegen eine ernsthafte Gefahr dar, heißt es weiter. Der Begriff benennt weder eine konkrete militärische Bedrohung noch einen nachvollziehbaren politischen Konflikt. Er ersetzt eine überprüfbare Analyse durch die Vorstellung einer geheimen, global gesteuerten Macht.
Der vollständige Beitrag ist auf veröffentlicht.
wurde 2011 als Plattform für Blogger und Bürgerjournalismus gegründet. Das Portal beschreibt sich als unabhängigen Ort für politische und gesellschaftliche Themen, die von großen polnischen Medien zu wenig beachtet würden. In seinen Veröffentlichungen zeigt es regelmäßig eine kritische Haltung gegenüber der Europäischen Union, der NATO und der westlichen Unterstützung für die Ukraine.
Polnische Analysen und Berichte haben das Portal wiederholt einem prorussischen Einflussumfeld zugerechnet. Seine Beiträge greifen häufig Deutungen auf, die auch in der russischen Kriegspropaganda vorkommen, etwa die Behauptung, der Westen habe den Krieg provoziert. Das belegt für sich genommen keine operative Zusammenarbeit mit russischen Stellen. Es zeigt jedoch, wie eine Position, die den strategischen Interessen Moskaus entgegenkommt, als Argument für die polnische Sicherheit formuliert wird.
Warschau bewertet die Lage entgegengesetzt
Die offizielle polnische Politik betrachtet die Ukraine nicht als Ursache der Gefahr an der Ostflanke, sondern als Teil der europäischen Sicherheitsordnung. In einer gemeinsamen Erklärung vom 15. Januar 2025 betonten der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Sicherheit und Verteidigung Europas seien ein gemeinsames Interesse und eine gemeinsame Verantwortung. Als wichtigste Quelle der Instabilität auf dem Kontinent nannten sie die russische Aggression.
Auch die NATO bezeichnet Russland als wichtigste unmittelbare Bedrohung für die Sicherheit des Bündnisses. Der russische Angriff auf die Ukraine hat die militärische und politische Lage in Europa grundlegend verändert. In diesem Rahmen würde eine von Moskau kontrollierte Ukraine keinen sicheren Puffer für Polen schaffen. Russland erhielte vielmehr zusätzliches Territorium, politischen Einfluss und militärische Reichweite unmittelbar an der Grenze eines NATO-Mitglieds.
Hier liegt der zentrale Widerspruch in der Argumentation von . Wenn die Ukraine ihre Souveränität verlöre, würde sich die russische Macht nicht von Polen entfernen. Moskau hätte eine größere Einflusszone, von der aus es politischen und militärischen Druck auf Osteuropa ausüben könnte. Die vorgeschlagene Lösung würde somit ein Hindernis für russische Expansion beseitigen, nicht die Expansion selbst.
Für Warschau ist die Unterstützung der Ukraine deshalb mehr als Solidarität mit einem angegriffenen Nachbarland. Sie gehört zu einer regionalen Sicherheitsstrategie, die verhindern soll, dass eine feindliche Macht in Osteuropa eine exklusive Einflusssphäre errichtet. Solange die Ukraine ihr Territorium verteidigen und ihre staatlichen Institutionen bewahren kann, sind Russlands Möglichkeiten begrenzt. Eine Kontrolle durch Russland würde sie erweitern.
Verschwörungssprache verschiebt die Verantwortung
Der Verweis auf den „weltweiten Zionismus“ erfüllt eine politische Funktion, die von den konkreten Aussagen über Grenzen und Verteidigung getrennt werden muss. Er reduziert die komplexen Beziehungen zwischen der Ukraine, Polen, der EU und ihren Partnern auf das angebliche Wirken einer geheimen, koordinierten Kraft. Dadurch kann die Ukraine als künstliches oder von außen gesteuertes Projekt erscheinen, während westliche Hilfe als Beweis einer Manipulation gedeutet wird.
Zusammen mit der Ablehnung der EU und der NATO verschiebt dieses Muster die Verantwortung für den Krieg weg von Russland. Die Ukraine und ihre Unterstützer werden zu angeblichen Werkzeugen fremder Interessen, während russische Herrschaft als Garant von Ordnung erscheint. Das ist keine konkrete Bewertung der militärischen Risiken Polens, sondern ein ideologischer Rahmen, in dem die Preisgabe der Souveränität eines Nachbarlandes defensiv wirken soll.
Antisemitische Verschwörungserzählungen haben dabei Folgen, die über den Streit um die Ukraine hinausreichen. Sie können das Vertrauen zwischen Verbündeten untergraben, Feindseligkeit gegenüber europäischer Zusammenarbeit fördern und die öffentliche Unterstützung für Kiew schwächen. Zugleich lenken sie von der Frage ab, wer durch militärische Gewalt Grenzen verändert und Instabilität in Europa erzeugt.
Souveränität als Teil der Grenzsicherheit
Der Aufruf, die ukrainische Unabhängigkeit zu beenden, widerspricht zudem den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen. Sie beruht auf der souveränen Gleichheit der Staaten und untersagt die Anwendung von Gewalt gegen ihre territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit. Die Unterordnung eines Nachbarlandes unter eine Regionalmacht wäre daher keine bloß andere Sicherheitsordnung, sondern eine Aufhebung jener Regeln, die Europas Grenzen schützen sollen.
Für Polen ist dieser Grundsatz unmittelbar strategisch relevant. Die Sicherheit des Landes hängt von seinen Bündnissen ab, aber auch davon, ob die Staaten Osteuropas eigenständige Institutionen behalten und ihre politischen und militärischen Partnerschaften selbst wählen können. Eine von Russland beherrschte Ukraine würde eine große russische Einflusszone direkt neben polnischem Gebiet schaffen und den Druck auf die Ostflanke der Europäischen Union erhöhen.
Polen unterstützt deshalb seit Jahren eine engere europäische und euroatlantische Anbindung der Ukraine. Eine Integration in europäische Strukturen könnte sogenannte Grauzonen verkleinern, in denen äußere Mächte politischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck ausüben. Eine stabile und unabhängige Ukraine würde nach dieser Logik die Abschreckung in Osteuropa stärken.
Der Beitrag von fordert die Leser dagegen auf, Russlands Ausdehnung als Schutz für Polen zu betrachten. Die konkrete Folge einer solchen Politik wäre nicht mehr Abstand zu Moskau, sondern eine stärkere russische Präsenz an der polnischen Grenze. Offen bleibt damit vor allem, wie wirksam solche Erzählungen die gemeinsame europäische Einschätzung der russischen Bedrohung und die Unterstützung für die ukrainische Souveränität untergraben können.


