In Italien wird die Suche nach leistbarem Wohnraum immer schwieriger. Steigende Mieten und Immobilienpreise, niedrige Löhne und mehr Ferienwohnungen treiben die Wohnkosten für viele Haushalte in die Höhe.
Rund 70 Prozent der Familien leben zwar im Eigentum, doch die Lage verschlechtert sich laut dem vorliegenden Bericht trotzdem weiter. Besonders betroffen sind Mieterinnen und Mieter sowie Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen.
Mindestens sieben Millionen Italienerinnen und Italiener sind demnach mit Wohnkosten stark belastet, weil Miete oder Kreditraten mindestens ein Drittel ihres Einkommens ausmachen. Für rund drei Millionen Menschen liegt der Anteil sogar bei 40 Prozent.
Stefano Chiappelli, Generalsekretär der italienischen Mietervereinigung SUNIA, sagte dazu: „Arbeiten reicht nicht mehr aus, um sich ein Dach über dem Kopf leisten zu können.“
Nach Angaben des Berichts könnten mindestens 100.000 Menschen von einer Räumung betroffen sein. La Repubblica zufolge gibt es in Italien jährlich rund 40.000 Räumungsurteile, drei Viertel davon wegen Zahlungsverzug.
Gleichzeitig warten rund 700.000 Menschen auf Sozialwohnungen. Der Bericht beschreibt außerdem eine Gruppe, die nach den ISEE-Kriterien zu viel verdient, um Anspruch auf Sozialwohnen zu haben, sich aber weder eine normale Miete noch einen Kauf leisten kann.
Auch der Leerstand bleibt hoch: Laut der italienischen Steuerbehörde gibt es rund 32,2 Millionen Wohnungen in Privatbesitz, davon sind knapp 20 Millionen eigengenutzt, 5,7 Millionen Zweitwohnungen, 3,6 Millionen vermietet und 9,6 Millionen stehen leer.
Die Mieten stiegen im vergangenen Jahr landesweit um 4,4 Prozent. Seit Beginn der Corona-Pandemie vor sechs Jahren haben sie im Schnitt um rund 25 Prozent zugelegt, bei Neubauten teils um mehr als 30 Prozent. In Rom und Mailand liegen die Mieten außerhalb der Zentren laut Bericht häufig bei 19 bis 22 Euro pro Quadratmeter.
Für Alleinstehende mit einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 1.500 bis 1.700 Euro ist eine private Wohnung damit oft nicht mehr leistbar. In Universitätsstädten verschärft der starke Anstieg von Airbnb-Angeboten die Lage zusätzlich; laut den im Bericht zitierten Branchenangaben sind die Inserate dort binnen zehn Jahren um 225 Prozent gestiegen.


