Russland verbreitet vor deutschen Regionalwahlen Desinformation gegen Parteien – AfD und BSW ausgenommen

August 9, 2026 20:51
Russland verbreitet vor deutschen Regionalwahlen Desinformation gegen Parteien – AfD und BSW ausgenommen
Russland verbreitet vor deutschen Regionalwahlen Desinformation gegen Parteien – AfD und BSW ausgenommen

Russland hat im Vorfeld wichtiger Regional- und Kommunalwahlen in Deutschland eine Desinformationskampagne gegen Kandidaten mehrerer Parteien betrieben. Im Rahmen der Operation „Matrjoschka“, auch „Overload“ genannt, wurden nach Medienberichten mehr als 180 gefälschte Beiträge auf X, Bluesky und TikTok verbreitet. Sie enthielten erfundene Vorwürfe zu Korruption, Drogenkonsum, Morden und sexuellen Skandalen. Vertreter der Alternative für Deutschland (AfD) und des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) waren von der Welle der Falschmeldungen nicht betroffen.

Die Beiträge zielten außerdem darauf, Gegensätze zwischen den ost- und westdeutschen Regionen zu verschärfen. Die verbreiteten Erzählungen wurden als prorussisch, antideutsch und antieuropäisch beschrieben. Eine Analyse der Operation „Matrjoschka“ vor den deutschen Wahlen verweist auf ein Netzwerk aus gefälschten Inhalten und künstlich verbreiteten Beiträgen.

Experten bewerten die bisherige Wirksamkeit der Kampagne als begrenzt. Einzelne Veröffentlichungen erreichten zwar mehr als 100.000 Aufrufe. Zugleich verzeichneten sie nur wenige natürliche Interaktionen und Kommentare. Das deutet auf eine künstliche Vergrößerung der Reichweite hin.

Wahlen in vier deutschen Ländern

Im September 2026 stehen in Deutschland mehrere wichtige Abstimmungen an. Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Am 13. September folgen Kommunalwahlen in Niedersachsen. Am 20. September finden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin statt.

Umfragen weisen auf eine hohe Unterstützung für die AfD hin. In den ostdeutschen Ländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegt die Partei in den Erhebungen vorn. Ob sie trotz möglicher hoher Wahlergebnisse in Landesregierungen einziehen kann, hängt auch von der Haltung der traditionellen Parteien ab. Diese lehnen Koalitionen mit der AfD bislang ab.

Die Regionalwahlen gelten als wichtiger Hinweis auf die politische Stimmung in Deutschland vor den nächsten Bundestagswahlen. Sie sollen außerdem zeigen, wie die Bevölkerung die Arbeit der amtierenden Bundesregierung bewertet. Die Abstimmungen betreffen damit sowohl die Landes- und Kommunalpolitik als auch die politische Auseinandersetzung über die Richtung der Bundespolitik.

Gefälschte Vorwürfe gegen politische Gegner

Nach den vorliegenden Angaben richtete sich die Operation gegen Kandidaten aller großen politischen Kräfte mit Ausnahme der AfD und des BSW. Verbreitet wurden unter anderem manipulierte oder vollständig erfundene Anschuldigungen über persönliche Verfehlungen. Die Inhalte waren darauf angelegt, einzelne Bewerber zu diskreditieren und das Vertrauen in politische Akteure zu beeinträchtigen.

„Matrjoschka“ nutzt nach Angaben von OSINT-Forschern Botfarmen, gefälschte Darstellungen angeblicher Berichte etablierter Medien und Netzwerke falscher Accounts. Die Forscher bringen die Operation mit der Desinformationsgruppe Storm-1516 in Verbindung. Diese soll unter der Kontrolle des russischen Militärgeheimdienstes stehen.

Die Auswahl der angegriffenen Parteien war dabei nicht gleichmäßig. AfD und BSW wurden von den untersuchten Falschmeldungen ausgenommen. Beide Parteien vertreten regelmäßig Positionen, die mit zentralen russischen Narrativen zum Krieg gegen die Ukraine, zur Sanktionspolitik und zu einem erneuten Dialog mit Moskau übereinstimmen. In den vorliegenden Bewertungen wird die fehlende Betroffenheit der beiden Parteien als Hinweis auf die selektive Ausrichtung der Kampagne beschrieben.

Streit über Ost und West

Ein weiterer Schwerpunkt der Beiträge lag auf den Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Inhalte griffen soziale und wirtschaftliche Gegensätze sowie historische Erfahrungen der Bevölkerung in den früheren ostdeutschen Ländern auf. Nach den vorliegenden Einschätzungen sollten diese Themen zugespitzt und für politische Polarisierung genutzt werden.

Die Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern finden in Regionen statt, in denen die AfD laut Umfragen besonders stark ist. Die Kampagne setzte damit auf Themen, die im deutschen Wahlkampf ohnehin eine Rolle spielen. Die künstliche Verbreitung gefälschter Inhalte erschwert zugleich die Unterscheidung zwischen realen politischen Auseinandersetzungen und erfundenen Behauptungen.

Die bisher gemessene Reichweite der Beiträge ist nicht automatisch mit einer politischen Wirkung gleichzusetzen. Dass einzelne Posts hohe Aufrufzahlen erreichen, während echte Reaktionen ausbleiben, wird von Experten gerade als Zeichen einer technisch verstärkten Verbreitung gewertet. Eine breite gesellschaftliche Resonanz der Kampagne ist damit bislang nicht belegt.

Teil einer umfassenderen Einflussstrategie

Die Operation wird als Teil einer größeren russischen Strategie zur Einflussnahme auf demokratische Prozesse in Deutschland eingeordnet. Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der Europäischen Union und ein zentraler politischer, wirtschaftlicher und militärischer Partner der Ukraine. Deshalb richtet sich die Auseinandersetzung über Unterstützung für die Ukraine, Sanktionen gegen Russland und die europäische Politik gegenüber Moskau auch auf die deutsche Innenpolitik.

Die vorliegenden Einschätzungen verbinden die Desinformationsaktivitäten mit dem Versuch, innere Spannungen in Deutschland zu verstärken und die Positionen von AfD und BSW auf kommunaler und Landesebene zu stärken. Beide Parteien könnten bei entsprechenden Wahlergebnissen in den regionalen politischen Institutionen an Gewicht gewinnen. Über Koalitionsentscheidungen und Mehrheiten wird jedoch erst nach den Wahlen entschieden.

Die russischen Einflussoperationen beschränken sich nach den Angaben nicht auf gefälschte Wahlkampfinhalte. Sie werden in einen größeren Zusammenhang mit Cyberangriffen auf kritische Infrastruktur, Spionage und Sabotage in EU-Staaten gestellt. Die Kombination verschiedener Druckmittel soll die europäischen Regierungen mit zusätzlichen inneren und sicherheitspolitischen Herausforderungen beschäftigen.

Für die deutsche Politik bleibt zunächst die konkrete Verbreitung der Falschmeldungen zu beobachten. Die entscheidenden Wahltermine liegen am 6., 13. und 20. September 2026.

1 Comment Kommentar hinzufügen

  1. Na klar, wieder mal Russland an allem schuld – und natürlich ausgerechnet AfD und BSW sind die einzigen, die nicht betroffen sind. Das ist schon ein ziemlich praktischer Zufall, oder? Ich mein, wenn ich mir die Quellen so anschaue, dann frag ich mich schon, woher die das alles so genau wissen wollen.

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