Im Wiener Prater gibt es viel zu entdecken. Wie die grüne Oase von Menschen mit Beeinträchtigung erlebt wird, berichtet der stark sehbehinderte Journalist Dominic Schmid. Darüber berichtet Welt Stimme.
WIEN/LEOPOLDSTADT. Wie erleben Menschen ohne oder mit eingeschränktem Augenlicht die Stadt? Einen Einblick bietet der stark sehbehinderte Journalist Dominic Schmid mit seinen Reportagen. Dieses Mal war er im Wiener Prater unterwegs: Ein lauer Sommerabend, an dem er das Flair des Praters einfangen möchte.
Begleitet von seiner Schwester Elisabeth sowie seinem Bruder und dessen Freundin, die sich spontan zu einem Picknick anschlossen, erreicht Schmid den Prater durch einen Zugang bei der Jesuitenwiese. Schon beim Betreten spürt er den Unterschied im Untergrund: Die Wege sind geschottert und die Umgebung von großen Feldern geprägt. Der Sommerabend, den er sich gewünscht hat, zeigt sich in angenehmer Wärme, untermalt von Rockmusik und den Geräuschen von Fahrrädern, die über den Schotter fahren.
Mit Blindenstock unterwegs
Nach den ersten Eindrücken setzt Schmid seinen Weg fort. Trotz der Herausforderungen auf dem Schotter kommt er gut voran, bis Elisabeth ihm rät, auf das Gras auszuweichen. Dort wird der Blindenstock mehr als Wanderstock verwendet. Nach wenigen Schritten erreicht er ein hölzernes Element, das an eine Balkonbrüstung erinnert. Vorsichtig tastet er den Baum daneben ab, der relativ jung zu sein scheint.
Hydrant oder Trinkbrunnen?
Unmittelbar neben dem Baum findet er einen runden, metallenen Gegenstand. Er ertastet einen Hebel und aktiviert damit einen Trinkbrunnen, von dem Wasser sprudelt. Schmid hat zum Glück keinen Durst, sodass sie ihren Spaziergang fortsetzen können.
Spielplatzgeräusche
Ein paar Schritte weiter findet er eine breite Rutsche, von der das Geschrei der Kinder zu hören ist. Der nächste Bodenwechsel bringt ihn in eine große Sandkiste, die nicht eingezäunt ist. Auch ohne seinen Blindenstock gelingt es ihm, an diese Kindheitserinnerungen anzuknüpfen.
Bodenwechsel im Prater
Über einen Waldweg gelangt die Gruppe zu einem anderen Teil der Jesuitenwiese, wo ein Seil, das zu einer Slackline führt, Schmid überrascht. Während er darüber nachdenkt, wo das Geräusch einer Hupe herkommt, entdeckt er plötzlich die Schienen der Liliputbahn. Das Geräusch hat ihn nicht getäuscht, auch wenn im Moment kein Zug unterwegs ist.
Käferattacke beim Picknick
Schließlich suchen sie sich eine Wiese für ihr Picknick aus. Die Abkühlung des Rasens ist angenehm, bis ein plötzliches Brummen ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Käfer tauchen auf und sorgen für Aufregung—Schmid’s Bruder wird von einem Käfer attackiert. Der Ausflug endet, als sie sich entscheiden, das Feld zu räumen und nach Hause zu gehen.
Insgesamt zeigt die Jesuitenwiese im Prater mehr Natur, als Schmid erwartet hatte, von kleinen Waldwegen bis zu den unerwünschten Käfern, auf die er gerne verzichtet hätte.


