Wörgl streitet im Gemeinderat über Kosten und Rolle der Stadt beim Projekt „Nexus“

Oktober 12, 2026 20:19
Construction site with multiple tower cranes over a building under construction in Wörgl.

Im Wörgler Gemeinderat hat ein Baurechtsvertrag für das geplante Projekt „Nexus“ in der Innenstadt eine grundsätzliche Debatte über Landkosten, Verschuldung und die Rolle der Stadt als Immobilienentwicklerin ausgelöst.

Im Mittelpunkt der Sitzung stand der Vergleich zwischen dem 2024 gezahlten Kaufpreis von rund 3,12 Millionen Euro für das Grundstück und einer aktuellen Verkehrswertschätzung, die das unbebaute Areal mit 1,45 Millionen Euro beziffert.

Gemeinderätin Patricia Kofler von der Liste Wir für Wörgl verlangte eine nachvollziehbare Erklärung für die Grundlage dieses Kaufpreises. Nach der Darstellung im Sitzungsgeschehen blieb eine ausreichende Antwort aus.

Das Grundstück war ursprünglich für ein Bürgerhaus oder alternativ ein neues Rathaus vorgesehen. Damals war auch von Räumen für städtische Einrichtungen, die Stadtpolizei, Vereine und einen Kindergarten die Rede.

Der aktuelle Plan sieht für „Nexus“ nun Einzelhandel, Büros und Wohnungen vor. Gemeinderat Christian Kovacevic erklärte, er habe schon gegen den Landerwerb gestimmt, und stellte die Frage, ob es Aufgabe der Stadt sei, als Immobilienentwicklerin aufzutreten.

„Stadt ist keine Immobilienentwicklerin“, lautete seine Position. Bürgermeister Michael Riedhart erinnerte den Gemeinderat mehrfach daran, dass es formal nicht mehr um den Landerwerb und die Projektentwicklung gehe, sondern um den Baurechtsvertrag mit der städtischen Entwicklungsgesellschaft.

Der Vertrag soll über 65 Jahre laufen. Die Stadt soll dafür jährlich rund 58.000 Euro erhalten, indexiert; nach Ablauf der Frist würde das Gebäude in das Eigentum der Stadt übergehen.

Befürworter verweisen auf langfristige Einnahmen, einen späteren Vermögenswert und auf die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Umsetzung während laufender Bauaktivitäten. Als Alternative wurde laut Sitzung eine Platzgestaltung genannt, die etwa 1 Million Euro kosten könnte, später aber keine Einnahmen brächte.

Auch die geplanten Wohnungen waren Thema der Diskussion. Sie sind als Starterwohnungen mit leistbaren Mieten gedacht, doch in der Sitzung genannte Berechnungen kamen teils auf etwa 20 Euro pro Quadratmeter.

Für eine Wohnung mit 40 Quadratmetern würde das bereits rund 800 Euro im Monat bedeuten, ohne Betriebskosten und Parkplatz. Die gesamte monatliche Belastung könnte damit deutlich über 1.000 Euro liegen.

Stadträtin Astrid Rieser fragte in der Debatte, welchen konkreten Nutzen das Projekt für die Bevölkerung haben werde. Kritiker sehen „Nexus“ entsprechend als finanzielles Risiko, während die endgültige Ausgestaltung des Vorhabens nach der Sitzung weiterhin nicht als abgeschlossen dargestellt wurde.

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