Tischtennis: ÖTTV-Vorstand kritisiert Rücktritt von Liu Jia
WIEN. Der unter Druck stehende Vorstand des Österreichischen Tischtennis-Verbandes (ÖTTV) hat den Rücktritt von Liu Jia als Vizepräsidentin sowohl mit Bedauern als auch mit kritischen Tönen kommentiert. Daraufhin berichtet Welt Stimme.
„Mit Bedauern deshalb, weil Liu Jia durch ihren Rücktritt nicht nur ihr Amt, sondern gleichzeitig ihre Verantwortung im Sport abgegeben hat“, äußerte der ÖTTV. Während ein Rücktritt jederzeit legitim sei, wäre eine ordnungsgemäße Übergabe der Agenden wünschenswert gewesen.
Liu Jia legte am Samstag ihr Amt nieder und wies darauf hin, dass sie unter den aktuellen Umständen nicht mehr an positive Veränderungen glauben könne. „Es gibt Situationen, in denen ein Weiterwirken nicht mehr Ausdruck von Stärke ist, sondern bedeutet, Verantwortung für Entwicklungen zu tragen, hinter denen man nicht mehr stehen kann“, erklärte die frühere Weltklassespielerin. Sie könne den Athletinnen und Athleten, den Trainerinnen und Trainern sowie all jenen, die ihr Vertrauen geschenkt hätten, nicht mehr mit voller Überzeugung gegenübertreten.
Rücktrittsforderungen und Förderstopp
In Reaktion auf den Umgang des Verbandes mit schweren Vorwürfen gegen einen ehemaligen Jugendtrainer forderten heimische Bundesligisten den Rücktritt von ÖTTV-Präsident Wolfgang Gotschke und Vizepräsident Conrad Miller. Zudem hat das Sportministerium die Förderungen an den ÖTTV gestoppt, bis mögliche Verfehlungen des Verbandes aufgeklärt sind. Der Vorstand versicherte am Sonntag, dass er sich um eine vollständige und transparente Aufklärung bemühe und einen Care & Compliance-Ausschuss eingesetzt habe. Die Ergebnisse sollen öffentlich kommuniziert werden. Die nächste Vorstandssitzung ist für Mittwoch angesetzt.
Der ÖTTV-Vorstand unterstrich, dass die Zusammenarbeit mit dem betroffenen Nachwuchscoach 2024 sofort beendet wurde, nachdem die Vorwürfe bekannt wurden. Im November 2025 soll eine Strafanzeige gegen den Trainer erstattet worden sein. Liu Jia als damalige Vizepräsidentin und für den Nachwuchs zuständige Sportdirektorin habe diese Vorgehensweise mitgetragen.
Einsicht in den Akt der Staatsanwaltschaft habe man erstmals am 12. März 2026 erhalten, in dem dem Trainer von Athletinnen verschiedene Verhaltensweisen vorgeworfen werden, die nicht mit den Werten des ÖTTV vereinbar seien, so der Vorstand.
Die Entwicklung innerhalb des ÖTTV kommt in einer Zeit, in der der Verband das Vertrauen seiner Mitglieder zurückgewinnen und gleichzeitig auf eine gesunde, transparente Sportpolitik hinwirken muss. Die Aufgabe der nächsten Vorstandssitzung wird es sein, einen klaren Fahrplan für die Aufklärung und die weiteren Schritte zu präsentieren.


