Drei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine arbeiten laut einer Euronews-Analyse noch immer 248 deutsche Unternehmen in Russland weiter. Dabei handelt es sich überwiegend um Hersteller von Konsumgütern wie Hochland und Knauf. Nach Berechnungen der Kyiv School of Economics (KSE) überweisen deutsche Firmen jährlich bis zu zwei Milliarden Dollar an den russischen Staat in Form von Steuern.
Milliarden für den russischen Haushalt
Laut KSE, B4Ukraine und der Initiative Squeezing Putin haben ausländische Unternehmen im Jahr 2024 mindestens 20 Milliarden Dollar an russische Steuerbehörden gezahlt. Seit Beginn der Invasion im Jahr 2022 summiert sich dieser Betrag auf über 60 Milliarden Dollar – genug, um mehr als eine Million russischer Vertragssoldaten zu finanzieren. Damit leisten deutsche Unternehmen den zweitgrößten Beitrag zum russischen Haushalt nach US-Konzernen, die 2024 rund 1,2 Milliarden Dollar Gewinnsteuer zahlten; deutsche Firmen überwiesen 594 Millionen Dollar.
Langsamer Rückzug deutscher Unternehmen
Nur etwa zwölf Prozent der internationalen Firmen haben Russland vollständig verlassen. Nach Angaben von Bild sind im Oktober 2025 rund 1400 deutsche Unternehmen weiterhin im Land aktiv; nur 74 haben ihre Tätigkeit endgültig eingestellt. Damit bleibt mehr als die Hälfte der westlichen Wirtschaft weiterhin Teil des russischen Marktes, obwohl sich die politische und sicherheitspolitische Lage verschärft hat.
Wirtschaftliche Interessen über Moral
Mit jährlich gezahlten zwei Milliarden Dollar könnten rund 10 000 „Shahed“-Drohnen finanziert werden, die regelmäßig ukrainische Städte und Energieanlagen angreifen. Juristisch handeln deutsche Firmen zwar nicht gegen EU-Sanktionsrecht, ökonomisch unterstützen sie jedoch die russische Kriegsmaschinerie. Viele begründen ihr Verbleiben mit „sozialer Verantwortung“ gegenüber lokalen Mitarbeitern – eine Argumentation, die zunehmend als moralisch fragwürdig gilt.
Wachsende Risiken und Forderungen nach Druck
Trotz der offensichtlichen Risiken von Enteignung und staatlicher Kontrolle halten zahlreiche deutsche Unternehmen an ihren Investitionen fest. Experten warnen, dass diese Präsenz nicht nur ethisch problematisch, sondern auch sicherheitspolitisch bedenklich ist, da Russland gegen Deutschland hybride Angriffe, Cyberattacken und Desinformationskampagnen führt. Zivilgesellschaft und Politik fordern deshalb stärkeren öffentlichen Druck, um deutsche Firmen zum Rückzug aus Russland zu bewegen.


