Massive nächtliche Angriffswelle erschüttert die Ukraine und trifft kritische Infrastruktur

Dezember 6, 2025 17:50
Massive nächtliche Angriffswelle erschüttert die Ukraine und trifft kritische Infrastruktur
Massive nächtliche Angriffswelle erschüttert die Ukraine und trifft kritische Infrastruktur

In der Nacht zum 6. Dezember 2025 hat Russland eine der umfangreichsten kombinierten Luftangriffswellen seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine durchgeführt. Nach Angaben der Behörden kamen insgesamt 653 Angriffsdrohnen der Typen Shahed und Herbera, drei aeroballistische Raketen des Modells Ch-47M2 „Kinschal“, 34 Marschflugkörper der Typen Ch-101, Iskander-K und Kalibr sowie 14 ballistische Raketen der Systeme Iskander-M und KN-23 zum Einsatz. Einschläge wurden in zahlreichen Regionen registriert, darunter Kiew, Lwiw, Dnipropetrowsk, Saporischschja, Tschernihiw, Poltawa, Odessa, Mykolajiw, Charkiw und Wolyn. Bis zum Vormittag meldeten die Regionalverwaltungen mindestens elf Verletzte.

Schwere Zerstörungen in Fastiw und großflächige Angriffe auf Energieanlagen

Besonders schwer getroffen wurde die Stadt Fastiw in der Region Kiew, wo Brände und Schäden am Bahnhofsareal, im Motorwagendepot sowie an Gleisanlagen und Gebäuden entstanden. In Bila Zerkwa wurde ein Heizkraftwerk attackiert, während in mehreren Gemeinden des Kiewer Gebiets Wohnhäuser und Lagerhallen zerstört wurden. Nach Angaben von Ukrzaliznyzja wurden zentrale Eisenbahninfrastrukturen „massiv beschossen“, wodurch Nachtverbindungen umgeleitet sowie Züge verspätet oder gestrichen wurden.

Auch im Süden und Osten des Landes kam es zu erheblichen Schäden: In Dnipro und Krywyj Rih wurden Wohngebiete getroffen, in der Region Dnipropetrowsk Infrastruktur in der Gemeinde Solenodolske beschädigt, und in Pawlohrad kam es nach Drohnenangriffen zu Bränden. In Nikopol wurden Häuser und Stromleitungen zerstört. In der Region Lwiw führten Angriffe auf das Wärmekraftwerk Dobrotwir zu Stromausfällen, während landesweit Objekte der Energieerzeugung und -verteilung getroffen wurden. Mehrere Regionen mussten erneut stundenweise Abschaltungen und Leistungsbegrenzungen für Industrie und Gewerbe einführen.

Angriffe auf zivile Einrichtungen und transnationale Sicherheitsdimension

In der Region Tschernihiw galten die Angriffe kritischer Infrastruktur, Wohngebieten und einem zivilen Objekt im Bezirk Korjukiwka. In Luzk brannten nach Raketen- und Drohnenbeschuss große Lebensmittellager, Teile der Stadt waren ohne Strom. Auch in der Region Saporischschja wurden mehrere Dörfer getroffen und zivile Einrichtungen beschädigt.

Die Angriffswelle ereignete sich vor dem Hintergrund bereits angekündigter nationaler Stromsparpläne, die aufgrund vorangegangener Attacken im Herbst und frühen Winter notwendig geworden waren. Der Netzbetreiber „Ukrenerho“ hatte gewarnt, dass ohne kontrollierte Abschaltungen ein Ungleichgewicht im Energiesystem drohen könnte. Die neuen Angriffe verstärken das Risiko erneuter Notabschaltungen erheblich.

Während der massiven Beschüsse im Westen der Ukraine stiegen polnische Luftstreitkräfte auf, um den eigenen Luftraum zu sichern und die Lage zu überwachen. Dies unterstreicht die grenzüberschreitende Dimension solcher Angriffe und zeigt, wie sehr NATO-Staaten gezwungen sind, ihre Luftverteidigung und Einsatzbereitschaft auf hohem Niveau zu halten.

Zielsetzung Russlands: Druck auf Infrastruktur, Bevölkerung und internationale Unterstützung

Die nächtlichen Angriffe passen in das bekannte strategische Muster Russlands: kombinierte Schläge auf Energieanlagen, Transportwege, Lager und dicht besiedelte Gebiete, um die ukrainische Luftverteidigung zu überlasten, logistische Abläufe zu erschweren und den Druck auf die Zivilbevölkerung im Winter zu erhöhen. Treffer auf Bahnhöfe, Versorgungslager und Energiezentren sollen die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung schwächen und die Evakuierung sowie humanitäre Hilfe behindern.

Gleichzeitig erfolgt die Intensivierung der Angriffe vor dem Hintergrund anhaltender Debatten im Westen über Umfang und Geschwindigkeit weiterer Militärhilfen für die Ukraine. Russland nutzt solche Phasen der Unsicherheit, um den Druck zu erhöhen und die Belastbarkeit der ukrainischen Gesellschaft – wie auch die Geschlossenheit internationaler Partner – zu testen.

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