Am 13. Oktober 2025 berichtete der Leiter des polnischen Büros für nationale Sicherheit, Sławomir Cenckiewicz, der Financial Times, dass Russland seinen sogenannten „Schattenflotte“ einsetzt, um Drohnen in den europäischen Luftraum zu starten. Demnach bestätigen Geheimdienste aus Polen, Dänemark, Deutschland und Norwegen, dass alte russische Tanker, die häufig für Schmuggelaktivitäten genutzt werden, für unbemannte Aufklärungsflüge verwendet werden.
Ausmaß der Drohnenangriffe in Europa
Seit dem ersten Auftreten russischer Drohnen über Polen in der Nacht zum 10. September kam es in zahlreichen europäischen Ländern zu Luftvorfällen. Betroffen waren Dänemark, Deutschland, Estland, Litauen, Frankreich, Schweden, Belgien und Rumänien. Mindestens 15 Flughäfen mussten vorübergehend ihren Betrieb einstellen. So wurden im September die Flughäfen Kopenhagen-Kastrup und Aalborg in Dänemark sowie Flughäfen in der Nähe von Oslo und Brønnøysund wegen Drohnenaktivitäten gestoppt. Auch über militärischen Einrichtungen und der Luftwaffenbasis Ørland wurden Drohnen gesichtet.
Drohnen in der Nähe kritischer Infrastruktur
Die Drohnen flogen in der Nähe von militärischen Basen, Öllagerstätten und Wasserversorgungssystemen, was auf mögliche Aufklärungs- oder Sabotageabsichten hinweist. Solche Vorfälle gefährden nicht nur die nationale Sicherheit, sondern auch das tägliche Funktionieren der Staaten, da selbst kurze Unterbrechungen erhebliche Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft haben können.
Krypto-finanzierte Sabotageakte
Cenckiewicz betonte, dass russische Hacker aktiv Cyberangriffe gegen Polen führen und Agenten für Sabotageakte mit Kryptowährungen bezahlen. Dies erschwert die Rückverfolgung der Finanzströme durch westliche Geheimdienste und zeigt, wie hybride Operationen zur Verunsicherung der EU-Staaten genutzt werden.
Politische und strategische Konsequenzen
Cenckiewicz ist einer der ersten europäischen Regierungsvertreter, der offiziell den Zusammenhang zwischen russischer Schattenflotte und hybriden Operationen herstellt. Dies legt nahe, dass die EU strengere Maßnahmen gegen Russland erwägen sollte. Gemeinsame europäische Mechanismen zur Überwachung, Sanktionierung und Abwehr der Schattenflotte könnten künftig entwickelt werden, um ähnliche Vorfälle zu verhindern.
Systematische Bedrohung für die Zivilluftfahrt
Die Drohnenvorfälle haben bereits ernsthafte Risiken für den zivilen Flugverkehr geschaffen. Flughäfen müssen den Betrieb vorübergehend einstellen, was zu Flugausfällen, finanziellen Verlusten und logistischen Störungen führt. Drohnen, die Flugzeuge auf kritische Distanz nähern, erhöhen das Risiko von Kollisionen und möglichen Flugzeugkatastrophen erheblich.
Europäische Koordination gegen hybride Bedrohungen
Die wiederholten Angriffe in über zehn Ländern zeigen die systematische Natur der Drohnenoperationen. Dies erfordert einen gemeinsamen europäischen Frühwarnmechanismus sowie koordinierte Maßnahmen zwischen NATO- und EU-Staaten. Ohne konzertierte Reaktion könnte Russland die „Grauzone“ zwischen Krieg und Frieden weiter ausnutzen, um Druck auszuüben, einzuschüchtern und die Stabilität der EU zu untergraben. Strategische Antworten sollten über symbolische Erklärungen hinausgehen und aktive Überwachung, gemeinsame Aufklärung und Kontrolle der Schattenflotte beinhalten, um eine Eskalation hybrider Konflikte zu verhindern.


