Die Schweizer Bundesregierung hat keine Einwände gegen den Auftritt des russischen Geigers Wadim Repin beim renommierten Klassikfestival Sommets Musicaux de Gstaad erhoben. Am 1. Februar 2026 trat der Musiker im Schweizer Ferienort Gstaad auf, obwohl seine Einladung seit Tagen öffentlich kritisiert wurde. Das Festival hielt an dem Konzert fest und verwies auf seine künstlerische Mission sowie auf die Autonomie kultureller Institutionen.
Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund einer anhaltenden Debatte in Europa über den Umgang mit russischen Kulturschaffenden seit Beginn des großflächigen Krieges gegen die Ukraine. Während mehrere europäische Häuser zuletzt Auftritte Repins abgesagt hatten, blieb das Schweizer Festival bei seiner Planung und ermöglichte dem Geiger sowohl einen Soloauftritt als auch eine pädagogische Rolle innerhalb der Festivalakademie.
Festival in Gstaad hält trotz Kritik an russischem Geiger an Programm und Einladung fest
Nach Angaben der Organisatoren spielte Repin gemeinsam mit der kroatischen Pianistin Martina Filjak und der österreichischen Cellistin Julia Hagen Klaviertrios von Dmitri Schostakowitsch und Pjotr Tschaikowski. Darüber hinaus wurde er als Mentor für acht junge Musikerinnen und Musiker ausgewählt, darunter auch Teilnehmende aus der Ukraine. Details zum Ablauf und zur Besetzung sind im offiziellen Festivalprogramm der Sommets Musicaux de Gstaad dokumentiert.
In einer Stellungnahme erklärten die Veranstalter, die Einladung des international bekannten Geigers sei kontrovers diskutiert worden, man erkenne die emotionale und politische Dimension der aktuellen Lage an. Dennoch werde an der Entscheidung festgehalten, da sie auf künstlerischer Exzellenz beruhe und dem Anspruch des Festivals entspreche, Dialog über Musik zu ermöglichen. Forderungen nach einer Absage wurden damit ausdrücklich zurückgewiesen.
Absagen in Florenz und Mannheim zeigen unterschiedliche Reaktionen europäischer Kulturinstitutionen
Anfang Januar hatte das Teatro del Maggio Musicale in Florenz zwei Aufführungen eines Balletts mit Repin und seiner Ehefrau, der russischen Ballerina Swetlana Sacharowa, gestrichen. Zur Begründung verwies das Haus auf eine internationale Spannungslage, die den Erfolg der Produktion gefährdet hätte. Kurz darauf sagte auch das Philharmonische Orchester Mannheim einen geplanten Auftritt mit Repin ab.
In Mannheim erklärten Vertreter des Orchesters, man habe auf Hinweise aus der ukrainischen Gemeinschaft reagiert und deren Perspektive berücksichtigt. Die Entscheidung sei Ausdruck der Verantwortung öffentlicher Kulturinstitutionen in einer Ausnahmesituation. Über die Kontroverse um den geplanten Auftritt berichteten Medien ausführlich, unter anderem in einem Beitrag, der als Bericht zu den Reaktionen auf Repins Engagement verbreitet wurde.
Ukrainische Diplomaten verweisen auf langfristige Verbindungen Repins zu staatlichen Kulturprojekten
Die ukrainische Botschaft in Berlin hatte in einem Schreiben an den Oberbürgermeister von Mannheim darauf hingewiesen, dass Repin seit vielen Jahren mit Kulturprojekten verbunden sei, die von den russischen Staatsbehörden unterstützt würden. Auch nach Beginn des Krieges habe er weiterhin staatliche Auszeichnungen und Förderung aus Russland erhalten. Aus Sicht ukrainischer Diplomaten könne er daher nicht als politisch neutrale Figur betrachtet werden.
Der unterschiedliche Umgang europäischer Institutionen mit Repins Auftritten verdeutlicht die Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Verantwortung. Während einige Häuser Absagen als solidarisches Signal an die Ukraine werten, setzen andere auf eine strikte Trennung von Kunst und Politik. Die Entscheidung in Gstaad zeigt, dass diese Abwägung innerhalb Europas weiterhin uneinheitlich bleibt.


