Fehlende Ansprüche gefährden Existenz von Beschäftigten
Ende des Monats stellen viele Arbeitnehmer das Fehlen von Gehalt oder Zulagen fest, was auf versteckte Probleme hinweist. Wer zu lange wartet, riskiert, unrechtmäßig entgangenes Geld zu verlieren. Darüber berichtet Welt Stimme.
Im Bezirk Korneuburg wurden im Jahr 2025 132.000 Arbeitnehmer bei der AK Niederösterreich beraten, davon allein 12.014 in der Bezirksstelle Korneuburg. Diese Suchanfragen ergeben sich aus Schwierigkeiten am Arbeitsplatz. Obwohl oft eine einfache Beratung ausreicht, musste die AK in Tausenden Fällen rechtliche Schritte einleiten, um Ansprüche Durchzusetzen, was zu Nachzahlungen von fast 4 Millionen Euro für die betroffenen Arbeitnehmer führte.
Trotz der Verfügbarkeit digitaler Beratungsangebote bleibt die persönliche Beratung unerlässlich. Während Webseminare und telefonische Auskünfte stark nachgefragt sind, ist bei komplexen Fällen oft das persönliche Gespräch entscheidend.
Verfallsfristen: Eine tückische Falle für Ansprüche
Ein zentraler Aspekt der Bilanz der AK-Bezirksstelle Korneuburg sind die kurzen Verfallsfristen für offene Ansprüche wie Zulagen und Überstunden. Diese müssen schriftlich innerhalb eines festgelegten Zeitraums geltend gemacht werden. Die AK empfiehlt, eine Faustregel von drei Monaten im Gedächtnis zu behalten und alle Forderungen schriftlich einzureichen.
Ein konkreter Fall aus Korneuburg verdeutlicht die Problematik: Eine Arbeitnehmerin sprach wiederholt mündlich eine fehlerhafte Abrechnung an, ohne ihre Ansprüche schriftlich einzureichen. Mit Unterstützung der AK wurden die offenen Ansprüche ermittelt, und die Frau erhielt schließlich eine Nachzahlung von etwa 5.000 Euro. Der Fall verdeutlicht die Unsicherheit vieler Beschäftigter, die Angst haben, ihre Rechte einzufordern, aus Furcht vor negativen Konsequenzen im Job.
Diese Unsicherheit macht die Verfallsfristen so riskant. Selbst berechtigte Ansprüche können verloren gehen, wenn sie nicht rechtzeitig und formgerecht geltend gemacht werden. Daher betont die AK die Notwendigkeit, offene Forderungen nicht nur anzusprechen, sondern schriftlich einzufordern.
Beratungsangebote der AK als zentrale Unterstützung
Die Anliegen, mit denen sich Beschäftigte an die AK wenden, reichen weit über einzelne Abrechnungsfehler hinaus. Zu den häufigsten Themen gehören Kündigungsfristen, Überstunden, Urlaub und fehlerhafte Entgeltabrechnungen. Im Bereich Sozialrecht stehen neben Pensionen auch Pflegegeld und Fragen zur 24-Stunden-Betreuung zunehmend im Fokus.
Zusätzlich weist die AK auf einen wachsenden Druck in Bereichen wie Wohnrecht, Konsumentschutz und Unternehmensinsolvenzen hin. Insbesondere bei steigenden Mieten oder Problemen nach Online-Käufen suchen viele Menschen Hilfe. Kritisch sieht die AK die Tatsache, dass bei Insolvenzfällen oft offene Sozialversicherungsbeiträge nicht gedeckt sind – dies führt laut AK jährlich zu einem Verlust von rund 300 Millionen Euro für das Gesundheitssystem.
Die Bilanz der AK macht deutlich, dass sie für viele Beschäftigte eine unverzichtbare Anlaufstelle bleibt, um ihre Rechte durchzusetzen. Allerdings sind die hohen Rückforderungen auch ein Warnsignal, da jede Summe einen Einzelfall repräsentiert, in dem Menschen erst Hilfe in Anspruch nehmen mussten, um finanzielle Mittel zu erhalten, die ihnen bereits zustanden.


