Die Arbeiterkammer (AK) Steyr erzielte im Jahr 2025 Zahlungen von insgesamt 15.566.290 Euro aus arbeits- und sozialrechtlichen Ansprüchen sowie Forderungen nach Insolvenzen für ihre Mitglieder.
Sich verschärfende wirtschaftliche Lage
STEYR. Das vergangene Jahr war geprägt von Krisen und Herausforderungen. Die Konjunktur schwächte sich ab, die Inflation blieb hoch und die Zahl der Insolvenzen stieg in Oberösterreich weiter an. Zudem standen laut AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl und Gerhard Klinger, dem AK-Bezirksstellenleiter in Steyr, auch arbeitsrechtliche Verstöße sowie vorenthaltene Pensions- oder Pflegegeldansprüche auf der Tagesordnung.
Darüber berichtet Welt Stimme.
Gesundheitssystem sorgt für Unzufriedenheit
Das Thema Gesundheit ist den AK-Mitgliedern in der Stadt Steyr sowie den Bezirken Steyr-Land und Kirchdorf ein großes Anliegen. Lediglich 40 Prozent der Befragten sind mit dem örtlichen Gesundheitssystem zufrieden. Besonders kritisch sehen dies Personen mit chronischen Erkrankungen. 64 Prozent der Befragten geben an, dass sie durch lange Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten stark belastet sind. Aufgrund dieser Situation weichen immer mehr Patienten auf Wahlärzte aus, was auch zu einem Anstieg privater Krankenversicherungen führt.
Elf Prozent der Befragten suchen überwiegend Wahl- und Privatärzte auf, da sie dort schneller Termine erhalten und sich besser behandelt fühlen. Die AK Oberösterreich fordert die politischen Entscheidungsträger auf, gegen den aktuellen Trend zur Zwei-Klassen-Medizin vorzugehen.
Hilfe für 6.700 Mitglieder
In Steyr und Steyr-Land sind derzeit 39.543 AK-Mitglieder gemeldet, die regelmäßig die Leistungen der Arbeiterkammer in Anspruch nehmen. Ob bei arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten oder Fragen zur Weiterbildung, das Beratungsangebot stößt auf großes Interesse. Im Jahr 2025 suchten Rat- und Hilfesuchende insgesamt 6.697 Mal Rat bei der AK Steyr.
Substantielle Rückzahlungen an Mitglieder
Bei vielen arbeitsrechtlichen Problemen reicht eine bloße Beratung nicht aus. Oftmals ist die AK gezwungen, bei den Arbeitgebern einzuschreiten. Im Jahr 2025 brachte die AK Steyr außergerichtlich 442.328 Euro an vorenthaltenem Entgelt ein. In gerichtlich geführten Streitigkeiten wurden für die Mitglieder 523.516 Euro erkämpft, was insgesamt 965.844 Euro ergibt.
Von 234 Arbeitsrechtsfällen kamen 167 oder 71,3 Prozent aus Betrieben ohne Betriebsrat, was die Bedeutung einer betrieblichen Interessenvertretung zur Gewährleistung der korrekten Entlohnung und der Einhaltung des Arbeitsrechts aufzeigt. Die häufigsten Ursachen für die Fälle waren Entgeltsprobleme (138 Fälle), Differenzen in der Endabrechnung (28) und unrechtmäßige Entlassungen (21).
In 204 Sozialrechtsangelegenheiten erstritt die AK Steyr im vergangenen Jahr 8.853.689 Euro, wobei die Hauptthemen Pension und Pflegegeld waren. Zudem wurden im Jahr 2025 für 328 Arbeitnehmer aus 26 insolventen Betrieben in der Stadt Steyr und im Bezirk Steyr-Land 5.746.757 Euro durchgesetzt.
Der Einsatz der AK für gerechte Entlohnung
Die Arbeiterkammer setzt sich für ihre Mitglieder ein, unabhängig von der Höhe der Beträge. So konnte die AK Steyr einem Mann, dem der Lohn für einen Arbeitstag nicht ausbezahlt wurde, 87,50 Euro erkämpfen. Der höchste Betrag von 42.800 Euro ging an eine Frau, deren Ansprüche nach einer Kündigung in der Altersteilzeit fehlerhaft berechnet wurden.
Ein 33-jähriger Steyrer erkrankte während des Probemonats. Sein Arbeitgeber meldete ihn jedoch rückwirkend bei der ÖGK ab und zahlte nur bis zum letzten Arbeitstag. Die AK Steyr intervenierte, woraufhin die Firma die Abmeldung korrigierte und rund 1.500 Euro nachzahlte.
Ein 90-jähriger Bürger aus Steyr-Land erhielt trotz schwerer Erkrankungen nur Pflegegeldstufe 3. Nach Klage der AK wurde ihm vom Sozialgericht Pflegegeldstufe 6 zugesprochen.


